17:30 Uhr in Jena. Natürlich gehe ich meiner Verpflichtung nach und wage den Weg zur Urne. Die wenigstens nicht so einen traurigen Beigeschmack. Jedenfalls merkt man diesen nicht unmittelbar. Erst, wenn sie nach einiger Zeit die Wahlversprechen umkehren und motivierte Politiker sich lieber im Fernsehen betrachten als ihrem Job nachzugehen.
Als ich ankam, waren die Wahlzetttel aufgebraucht. Man hat nicht mit einer so großen Wahlbeteiligung gerechnet, wurde mir gesagt. Sehr erstaunlich, die im Nachhinein bekanntgegebenen 55% sind ja auch nicht wirklich überwältigend. Einige waren nicht ganz so motiviert und zogen von Dannen, ich blieb und wartete auf die Möglichkeit ein Kreuz zu setzen. Als die Wahlzettel nach einer Weile dann da waren, brach große Begeisterung aus. Das Kreuz war schnell gesetzt. Wenn man vorher weiß, wohin, ist die Sache doch recht schnell vorbei. Und ich frage mich, warum die Interessenlosigkeit so groß ist.

Neben der Europa-Wahl ging es in Jena auch um die Entscheidung zum Stadtrat. Die Hochrechnungen im Internet erscheinen mir sehr vernünftigt. Wie bei der Europa-Wahl gab es keine großen Überwaschungen, außer das mir der linke Flügel in Thüringen etwas zu hoch erscheintund es ruhig liberaler werden kann.

Das offizielle Wahlergebnis liegt nun vor, schneller als die lokale Klatschpresse es in einigen Stunden druckt:

© Stadt Jena - www.jena.de

Ein herrlicher Sonntag wie im letzten Jahr. Die “Zeit Debatte”, organisiert von der Debattiergesellschaft Jena - und unterstützt u. A. von DIE ZEIT, lädt ein und zahlreiche Neugierige finden sich auch bei 30°C im Schatten in der Aula der Friedrich-Schiller-Universität ein.
Die einleitenden Worte vom Universitätsrektor Prof. Dicke haben mich fasziniert. Im letzten Jahr sprach er davon, dass jedes Ding zwei Seiten hat. In diesem Jahr hat ein Ding dann so viele Seiten wie Gesichter. Beidem kann ich etwas abgewinnen. Erstaunlich ist nur die Entwicklung. In der Wirtschaftskrise muss nicht überall gespart werden ;)
Debattiert wurde im Anschluss nach den Wartburg-Format, was auch Publikumsäußerungen einschließt. Es war wieder sehr ansprechend, was sicher nicht zu letzt am fragwürdigen Thema “Kriegsverbrecher nach 30 Jahren einstellen?” lag. Toll, den Wettschritt der Redegewandten zu verfolgen.  Ich bin schon jetzt gespannt auf das nächste Jahr.

Im Anschluss schlenderten Tina und ich noch durch die Straßen und blieben auf dem Frühlingsmarkt hängen. Gerade probte eine ansehnliche Rock’n'Roll-Gruppe, sodass wir uns zum Verweilen entschieden. Und es lohnte sich definitiv. “The Firebirds” aus Leipzig trafen nicht auf meine musikalische Begeisterung, sondern außerdem mein Humorzentrum. Eine wahnsinnig tolle Veranstaltung mit einer Menge Charme, nur schade, dass es am späten Abend dann plötzlich extrem anfing, zu regnen. Die Gruppe sollte man sich merken und bei Möglichkeit unbedingt ansehen, bei der “Aufbau West” in München & Co. schauen sicher einige vorbei.

Vor knapp 1 Jahr ist in meiner Wohnung urplötzlich ein Handtuch aufgetaucht. Bis heute konnte trotz reger Nachfrage kein Besitzer zugeordnet werden. Wenn auf dem folgenden Bild jemand sein Handtuch, welches er bei einem Besuch von mir in Hagen verloren hat, zuordnen kann, so möge er oder sie sich doch bitte melden. Selbstverständlich wäre es im nächsten Moment unterwegs, weil ohne Handtuch trocknet es sich so langsam ab. Diese Prozedur auch noch so lang durchführen zu müssen, muss natürlich begegnet werden.

Das vermisste Handtuch

Der Versand erfolgt nach dem First-In-Firt-Out-Prinzip.

Mein Umzug naht. Die vorletzten Möbel sind auseinander gebaut, die vorvorletzten Kartons gefüllt. Der letzte Tag in Hagen eilt mir entgegen. Zu meinen Bedauern werde ich die letzten Tage vor dem Umzug nicht in Hagen verbringen. Aber davor habe ich mich nochmal mit meiner Lieblings-Katharina getroffen. Mittags holte ich sie vom Bahnhof ab und wir tranken einen gemütlichen Kaffee in der Hagener Innenstadt. Sie war ausgefegt wie es nichtmals Jena in den Semesterferien ist. Sehr mysteriös, obwohl das Wetter so traumhaft war. Bei blaunen Himmel und ersten Frühlingstemperaturen machten wir sogar noch einen kleinen Spaziergang im naheliegenden Stadtpark. Die Zeit verflog wie nichts, aber erstmals wurde uns beiden klar, dass wir uns sobald nicht mehr sehen würden. Von daher hielt sich alle Euphorie in Grenzen.
Gemeinsam fuhren wir zu mir nach Hause. Nachdem ich meine Utensilien für die 2-Tages-Arbeitswoche in Hessen packte, spazierten wir in seelenruhe zum Hauptbahnhof. Auf dem Weg dorthin entdeckte ich noch ein neu eröffnetes Geschäft, dessen Reklame mich bis heute fasziniert. Also genau hinschauen ;)

Wenig später trennten sich unsere Wege: Kathi Gleis 18, Martin Gleis 6. Nach der letzten Umarmung saß ich auch schon im Zug und nahm zum ersten Mal war, was eigentlich gerade passiert. Dass diese Stadt bald Vergangenheit ist. Die Zugfahrt durchs malerische Sauerland war traumhaft und ist sicherlich auch mal eine Urlaubsreise wert…Dabei konnte ich in Ruhe meine Gedanken ordnen.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie wir im 1. Semester “Grundlagen des Wirtschaftens” die Anzahl an Klavierstimmern in Deutschland herleiten sollten. Nun liegen einige Semester und zusätzlich zahlreiche Kilometer dazwischen. Ich wohne in einem recht künstlerischem Haus würde ich sagen. In den 6 Wohnungen unter mir stehen verteilt 5 Klaviere. Der Bedarf an Klavierstimmern scheint den Durchschnitt an dieser Stelle exponentiell zu übersteigen. Ich bin sehr angetan. Ob das meine gewünschte Ruhe trübt, wird sich in nächster Zukunft zeigen. Inspiration ist definitiv da…

Ich fühle mich angekommen. Als ich heute mit Claudi in den Politikwissenschaften des Ernst-Abbe-Campus herumgestromert bin, staß ich auf einen interessanten Städtevergleich. Bewertet wurden die Karriere-Chancen in Deutschland.
Das die bayrische Landeshauptstadt München den ersten Rang besetzt, halte ich für wenig bewunderlich. Den zweiten Platz finde ich höchstbegeisternt. Wer diese Seite regelmäßig besucht, wird an dieser Stelle bereits wissen, welche Stadt nun folgt. Tatsächlich hat sich die Wissenschaftsstadt Jena im Deutschlandvergleich weit nach vorn gekämpft. Hier ist Osten nicht mehr Osten. Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung natürlich als sehr positiv einzuschätzen. Jena ist die Stadt der Denker und Lenker, das bekräftigt nichtzuletzt der höchste Akademikeranteil der Einwohner in einer deutschen Stadt.

Die Wirtschaftskrise ist auch in einem der Vorzeigestädte Deutschlands angekommen. Bereits ausgeschriebene Stellen werden zurückgezogen und nach hinten verlagert. Vielleicht sollte der Haushaltsüberschuss des letzten Jahres genutzt werden, um Räume für Wachstum und Investitionen zu schaffen.
Jena hat viel zu bieten, nur der Bekanntheitsgrad ist oft hinderlich.

Der Karriere-Atlas 2008
Jena - Der Standort

Am Valentinstag mit Tim den CityPoint zu besuchen, ist schon seit Jahren Tradition. Irgendwo muss man sich ja sein Herz abholen. Vor Jahren sogar noch mit Sandra und einem ergänzendem Photo-Wettbewerb, aber die Glücksboten sind immer noch unterwegs. Sehr schön wars. Danach war ich mit Harke und Co. noch einen Cappucino trinken und dann ging meine Reise nach Hause. Der gestrige Abend hat eben noch einige Spuren hinterlassen.

Wo bleibt das Innovative? Auf das will ich natürlich nicht verzichten. Ich war ziemlich begeistert als ich an einer Fußgänger-Ampel stand. An den Ampeln gibt es nämlich seit kurzem einen Countdown, wo diese Grün- und Rotphasen in Sekunden heruntergezählt werden. Sprich, man kann immer gut erkennen, wie lange noch grün bzw. rot ist. Besonders in der Rotphase wird dadurch die Wartezeit psysisch verkürzt. Und in der Grünphase kann spontan entscheiden werden, ob man die Straßenüberquerung noch schafft.
Ich finde: Eine sehr tolle Idee.

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