Momentan bin ich ja eher zu Hause zu Hause und komme wenig an die frische Luft - die regelmäßigen Jogging-Aktionen mal außen vor gelassen.
Aktuell tummeln sich gerade 3500 Teilnehmer der internationalen Deutschlehrer-Konferenz aus aller Welt in der Wissenschaftsstadt. Die Stadt ist belebt und der Altersdurchschnitt der teilnehmenden Lehrer erstaunlich niedrig. Unter anderen am Ernst-Abbe-Campus wird die zukünftige Repräsentation der deutschen Sprache im Unterricht diskutiert. Läuft man durch die Straßen, macht sich der Eindruck breit, die Lehrer haben ihre Schüler direkt mitgebracht. Die Jenaer begegnen gerade zahlreichen jungen Tourismen.
In ganz Deutschland wird die Verwendung der Konjunktur-Programme besprochen. Hier wirken sie als Zugabe für eine noch schnellere Entwicklung und Beschleunigung zur Gestaltung einer anerkannten Wirtschaft. Das wichtigste Element der Konjunktur ist wohl, dass Jena zunehmend wahrgenommen wird. Und vielleicht kommt das irgendwie auch bei der Deutschen Bahn AG an, die den neuen ICE-Bahnhof des ICE’s entledigen will - ein Vermächtnis des glorreichen Herrn Mehdorns. Ein Skandal, den es noch aufzulösen geht.

Wenn ich auch selten einem SPD-Mitglied recht geben kann, unser Herr Bundesaußenminister Herr Steinmeyer hat es verdient: “Es gibt keine geeignetere Stadt für einen Deutschkongress“…

Kulturarena 2009, das Kulturspektakel geht wieder los. Der letztjährige Auftakt mit Shakepeares “Der Sturm” zeigt immer noch seine Nachwirkungen. Mit Begeisterung rannte ich also heute zur Touristeninformation, um Karten für “Wilhelm Tell” zu erwerben. Ein Aushang mit den Worten “Do, Fr, Sa - leider ausverkauft.” schockierten mich etwas, besonders weil die die einzigen Vorführungen sind. Eine Nachfrage half weiter und es waren tatsächlich noch 2 Karten übrig. Wunderbar.

Das nächste Punkt war die Uni, weil ich meine kurzfristige Exmatrikulation verhindern wollte. Dank Tina konnte ich mein Vermögen der FH Südwestfalen zukommen lassen und mich etwas verspätet rückmelden. Hoffentlich gehen die Prozesse gut, denn die Frist ist schon eine Weile überschritten.
Ohne Internet ist man heute wirklich aufgeschmissen. Man lebt relativ autark und ohne Stefanie wüsste ich gar nicht, was in der Welt passiert.
Später kam noch Tinas Mum vorbei und berichtete über den Wasserschaden der Intershops - ähh Intersport - in der Goethe Galerie. Das tragische Ereignis wäre eine gute Chance zum Kauf günstiger Schuhe und Klamotten gewesen. Wenn denn die Auswahl nicht so erschöpft gewesen wäre.

Im Anschluss ging es zum ADAC, um einen internationalen Studentenausweis zu besorgen. Das relativ ging schnell. Die Plauderei mit der netten Mitarbeitern über hingegen nicht. Nun ja, Zeit für schöne Momente muss sein.

Um die Zeit zur abendlichen Veranstaltung zu überbrücken, wurde gearbeitet. Sogar so erfolgreich, dass ich hochmotiviert war.
Wie häufig etwas verspätet, traf ich Marc am Löbdergraben. Der kurze Umweg über die Wagnergasse, führte uns Just-In-Time zum Tageshöhepunkt. Die moderne Interpretation mit etwas Witz und einer Menge Charme überzeugte mich sehr.
Kompliment an alle Mitwirkenden! Ein sehr gelungenes Stück. Wenn nur mehr Interessierte in meinem Bekanntenkreis wären, könnte ich mir häufiger den Besuch von Theaterveranstaltungen vorstellen. Wobei es dann wahrscheinlich kein besonderer Teil des Jahres mehr wäre.

17:30 Uhr in Jena. Natürlich gehe ich meiner Verpflichtung nach und wage den Weg zur Urne. Die wenigstens nicht so einen traurigen Beigeschmack. Jedenfalls merkt man diesen nicht unmittelbar. Erst, wenn sie nach einiger Zeit die Wahlversprechen umkehren und motivierte Politiker sich lieber im Fernsehen betrachten als ihrem Job nachzugehen.
Als ich ankam, waren die Wahlzetttel aufgebraucht. Man hat nicht mit einer so großen Wahlbeteiligung gerechnet, wurde mir gesagt. Sehr erstaunlich, die im Nachhinein bekanntgegebenen 55% sind ja auch nicht wirklich überwältigend. Einige waren nicht ganz so motiviert und zogen von Dannen, ich blieb und wartete auf die Möglichkeit ein Kreuz zu setzen. Als die Wahlzettel nach einer Weile dann da waren, brach große Begeisterung aus. Das Kreuz war schnell gesetzt. Wenn man vorher weiß, wohin, ist die Sache doch recht schnell vorbei. Und ich frage mich, warum die Interessenlosigkeit so groß ist.

Neben der Europa-Wahl ging es in Jena auch um die Entscheidung zum Stadtrat. Die Hochrechnungen im Internet erscheinen mir sehr vernünftigt. Wie bei der Europa-Wahl gab es keine großen Überwaschungen, außer das mir der linke Flügel in Thüringen etwas zu hoch erscheintund es ruhig liberaler werden kann.

Das offizielle Wahlergebnis liegt nun vor, schneller als die lokale Klatschpresse es in einigen Stunden druckt:

© Stadt Jena - www.jena.de

Ein herrlicher Sonntag wie im letzten Jahr. Die “Zeit Debatte”, organisiert von der Debattiergesellschaft Jena - und unterstützt u. A. von DIE ZEIT, lädt ein und zahlreiche Neugierige finden sich auch bei 30°C im Schatten in der Aula der Friedrich-Schiller-Universität ein.
Die einleitenden Worte vom Universitätsrektor Prof. Dicke haben mich fasziniert. Im letzten Jahr sprach er davon, dass jedes Ding zwei Seiten hat. In diesem Jahr hat ein Ding dann so viele Seiten wie Gesichter. Beidem kann ich etwas abgewinnen. Erstaunlich ist nur die Entwicklung. In der Wirtschaftskrise muss nicht überall gespart werden ;)
Debattiert wurde im Anschluss nach den Wartburg-Format, was auch Publikumsäußerungen einschließt. Es war wieder sehr ansprechend, was sicher nicht zu letzt am fragwürdigen Thema “Kriegsverbrecher nach 30 Jahren einstellen?” lag. Toll, den Wettschritt der Redegewandten zu verfolgen.  Ich bin schon jetzt gespannt auf das nächste Jahr.

Im Anschluss schlenderten Tina und ich noch durch die Straßen und blieben auf dem Frühlingsmarkt hängen. Gerade probte eine ansehnliche Rock’n'Roll-Gruppe, sodass wir uns zum Verweilen entschieden. Und es lohnte sich definitiv. “The Firebirds” aus Leipzig trafen nicht auf meine musikalische Begeisterung, sondern außerdem mein Humorzentrum. Eine wahnsinnig tolle Veranstaltung mit einer Menge Charme, nur schade, dass es am späten Abend dann plötzlich extrem anfing, zu regnen. Die Gruppe sollte man sich merken und bei Möglichkeit unbedingt ansehen, bei der “Aufbau West” in München & Co. schauen sicher einige vorbei.

Vor knapp 1 Jahr ist in meiner Wohnung urplötzlich ein Handtuch aufgetaucht. Bis heute konnte trotz reger Nachfrage kein Besitzer zugeordnet werden. Wenn auf dem folgenden Bild jemand sein Handtuch, welches er bei einem Besuch von mir in Hagen verloren hat, zuordnen kann, so möge er oder sie sich doch bitte melden. Selbstverständlich wäre es im nächsten Moment unterwegs, weil ohne Handtuch trocknet es sich so langsam ab. Diese Prozedur auch noch so lang durchführen zu müssen, muss natürlich begegnet werden.

Das vermisste Handtuch

Der Versand erfolgt nach dem First-In-Firt-Out-Prinzip.

Mein Umzug naht. Die vorletzten Möbel sind auseinander gebaut, die vorvorletzten Kartons gefüllt. Der letzte Tag in Hagen eilt mir entgegen. Zu meinen Bedauern werde ich die letzten Tage vor dem Umzug nicht in Hagen verbringen. Aber davor habe ich mich nochmal mit meiner Lieblings-Katharina getroffen. Mittags holte ich sie vom Bahnhof ab und wir tranken einen gemütlichen Kaffee in der Hagener Innenstadt. Sie war ausgefegt wie es nichtmals Jena in den Semesterferien ist. Sehr mysteriös, obwohl das Wetter so traumhaft war. Bei blaunen Himmel und ersten Frühlingstemperaturen machten wir sogar noch einen kleinen Spaziergang im naheliegenden Stadtpark. Die Zeit verflog wie nichts, aber erstmals wurde uns beiden klar, dass wir uns sobald nicht mehr sehen würden. Von daher hielt sich alle Euphorie in Grenzen.
Gemeinsam fuhren wir zu mir nach Hause. Nachdem ich meine Utensilien für die 2-Tages-Arbeitswoche in Hessen packte, spazierten wir in seelenruhe zum Hauptbahnhof. Auf dem Weg dorthin entdeckte ich noch ein neu eröffnetes Geschäft, dessen Reklame mich bis heute fasziniert. Also genau hinschauen ;)

Wenig später trennten sich unsere Wege: Kathi Gleis 18, Martin Gleis 6. Nach der letzten Umarmung saß ich auch schon im Zug und nahm zum ersten Mal war, was eigentlich gerade passiert. Dass diese Stadt bald Vergangenheit ist. Die Zugfahrt durchs malerische Sauerland war traumhaft und ist sicherlich auch mal eine Urlaubsreise wert…Dabei konnte ich in Ruhe meine Gedanken ordnen.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie wir im 1. Semester “Grundlagen des Wirtschaftens” die Anzahl an Klavierstimmern in Deutschland herleiten sollten. Nun liegen einige Semester und zusätzlich zahlreiche Kilometer dazwischen. Ich wohne in einem recht künstlerischem Haus würde ich sagen. In den 6 Wohnungen unter mir stehen verteilt 5 Klaviere. Der Bedarf an Klavierstimmern scheint den Durchschnitt an dieser Stelle exponentiell zu übersteigen. Ich bin sehr angetan. Ob das meine gewünschte Ruhe trübt, wird sich in nächster Zukunft zeigen. Inspiration ist definitiv da…

Next Page »