Traum
Für gestern galt es eine Menge Schlaf vom Wochenende nachzuholen. Ich legte mich kurz nach 19 Uhr ins Bett und blieb genau bis 5:08 Uhr dort. Dann klingelt mein Wecker zum zweiten Mal, wenn er den Schlag nach dem ersten Klingeln verkraftet hat. Zugeben muss ich, dass ich aus Flüssigkeitsmangel 23:58 Uhr das Bett für etwa eine Minute verlies und einen Schluck trank (Apfelessig).

Ich fuhr zum Bahnhof und las, dass mein Zug „etwa 20 Minuten später“ kommt. Es kann daran gelegen haben, dass ich seit Monaten mal wieder von „Jena West Hbf“ meine tägliche Tour nach Erfurt startete. Dafür wurde ich entschädigt als ich mich nach 10 Minuten vom Anblick des Schott JENAer Glas-Werkes abwandte und über meine Schulter nach hinten blickte. Da war sie wieder, die, die jeden Tag mit mir in Richtung Bahnhof fährt, ich sie sogar mit Namen kenne.

Blicke. Kein Wort. Blicke.

Als ich wenige Minuten später im RegionalExpress der Linie 1 saß, mich nicht wie jeden Morgen um einen freien Platz schlug, dachte ich kurz zurück. Wir sagten nie viel, schrieben das Wichtigste oder Plauderten stundenlang auf Spaziergängen durch Jena. Ich glaube, ich bin seit dieser Zeit nie wieder aus dem Zentrum nach Hause gelaufen. Sie erzählte mir vieles, unter anderem die Bedeutung die Fernwärme-Rohr-Spruchs „Irgendwo da draussen ist jemand, der dich liebt und beschützt“.
Viele tausend fahren täglich daran vorbei und denken sich nicht viel. Aber denken macht Spaß, viel denken noch mehr. „Willkommen in der Denkfabrik.“

Schock
Straßenbahnfahren langweilt nie, man kann viele interessante – schöne wie ganz schöne – Menschen beobachten. Ich wusste, dass man den Tod nicht sehen kann, nicht mal ahnen oder gar riechen. Heute jedoch sah ich ihn bzw. sie. Diese junge Frau, die man sah, aber gar nicht hinschauen wollte, war sicherlich magersüchtig. Es war traurig und vergleichbar mit vielem, was ich schon im Fernseher als abschreckende Beispiele gesehen habe. Es war ein Mensch mit Knochen und ein wenig Haut drüber. Ich wurde von einer Freundin getragen, konnte sich selbst nicht mehr halten.
Ich würde gern eins wissen: „WARUM?