Der Tag begann ganz lustig. Zwar genau 24 Minuten zu spät, aber doch voller Vorfreude auf die folgenden Stunden.
Ich habe dummerweise einen leeren kühlschrank. Konnte mir somit nichts zu Essen mitnehmen. Dazu kommt noch, dass ich mein Geldbeutel immer noch zu Hause liegt und ich mir folglich auch nichts kaufen kann. Ich werde mich wohl heute ausschließlich von Kaffee und Cola, wobei der die Jacobs-Röstung sicher überwiegen wird, ernähren. Mal sehen, möglicherweise überleb ich das auch!

Die wenigsten Menschen dieser Welt, schaffen es, den Martin von einer auf die andere Sekunde total durcheinander zu bringen. Vor kurzer Zeit haben es innerhalb weniger Minuten direkt 2 geschafft. Nachdem mein Kollege, studierter Physiker, gerade wahnwitzigen Stress machte und die komplette Mannschaft zum Verzweifeln brachte, ging sie los. Die Durcheinander-Phase.
Das Handy piepste. „1 neue Kurzmitteilung“ stichte mir als Meldung entgegen. Nach Betätigung der „Lesen“-Taste stand der Absender auf dem Display. Ich schaute 2, 3, 4 mal hin. Folge: Gänsehaut. Eigentlich wollte ich die Nachricht gar nicht lesen, da ich jetzt schon vor Zittern kaum noch in der Lage war, mein Handy zu bedienen. Als ich die Nachricht las, musste ich lächeln. Jetzt muss ich lächeln. Ich könnte unheimlich viel schreiben, was mir in diesen Augenblicken durch Kopf geisterte, habe allerdings erstens nicht so viel Zeit und möchte zweitens dir, den Lesern, nicht so viel zumuten. Natürlich hätten einige Dinge anders laufen können/sollen/müssen, aber dafür ist es nun zu spät. Seit langem wollte ich dir schreiben, konnte es allerdings nicht. Da sich meine Gefühle keineswegs änderten, kannst du dir sicher denken, wie ich hier vom Stuhl gefallen bin. Du bist mein Traum und das wird auch auf unbestimmte Zeit so bleiben.
Und dann schaute ich aus Interesse mal in den Kalender und stellte spontan fest:
Der Polterabend von Matthias – HEUTE. Im nächsten Moment dachte ich: SCHEIßE.
Nicht der Polterabend, nicht Matthias, aber HEUTE.
Die ersten klareren Gedanken folgten mit *Geschenk?* *Heute?* *Wo?* *Morgen?* *Warum?* (…)

Meine Kollegen nahmen mich freundlicherweise in diesem Zustand auf und bewahren mich gerade vor einem Gedankenkollaps. Seitdem telefoniere ich eigentlich nur noch, um Klarheit klarer erscheinen zu lassen.

Zu Hause angekommen, versuchte ich weie üblich Tina erfolglos mal an die Strippe zu kriegen. Direkt im Anschluss haute mich ein Gedankenblitz fast vom Stuhl. Plötzlich war mir das Geschenk für die Hochzeit.
Irgendwie ist der Tag schrecklich und lächerlich. In Radio meldete man Stau auf der Autobahn bei Jena-Leumnitz, wie erfahrene Autofahrer wissen werden, gibt es diese Anschlussstelle gar nicht. Nicht nur ich scheine ein bisschen durcheinander zu sein. Kurz vor nackig, bin ich dann shoppen gegangen, um endlich meinen erhalten „Studierenden.Ausweis“ in die passende, schließlich unpassende Hülle zu sichern und sonstigen nebensächlichen Hochzeitsgeschenke zu erwerben.
Wenn man einen ehemaligen Klassenkameraden im neuen BMW Z4 vorfahren sieht, fragt man sich, ob man nicht irgendwas falsch gemacht hat. Aber die Antwort ist ganz einfach: Nein. Ich hatte mehr Glück und versuche mir dieses auf Dauer zu erhalten.

Auf den Polterabend kamen wir im richtigen Moment. Die zukünftige Frau von Matthias putze ihn die Zähne. Ist richtig, wenn man nicht dazu kommt, muss man das eben direkt auf der Feier machen. Fotos werden sicher demnächst veröffentlicht, da ich diese Stimmung doch recht amüsant fande 🙂
Die Heimfahrt war schrecklich. Marc ist, glaube ich, der Beweis, dass auch männliche Wesen unerträglich viel Labern können. In Moment, wo man eigentlich nur ganz in Ruhe nach Hause fahren will, wird man mit Themen und Mähdrechern konfrontiert, von denen man in den gänigsten Momenten des Lebens auch Abstand nehmen würde. Aber Anika müssen wir wirklich mal besuchen.
Ich würde mich freuen, Steffen, wenn das mit unserer kleinen großen Untern-Tisch-Sauftour nächste Woche klappt. Ich stell mir zwar so nicht den Abschied aus Jena vor, aber wer zuerst malt, malt eben zuerst.

Der Freitag begann 12:31 Uhr ungewohnt früh. Ich denke, um diese Zeit hätte ich normalerweise schon wieder Feierabend. Es war toll. Das Leben ist schön. Ich liebe Jena. Nachdem langsam begann, munter zu werden, setzte ich mich in die Straßenbahn und fuhr durch Jena. Irgendwo hin. Egal, Hauptsache Jena sehen. In der Stadt kaufte ich mir ein belegtes Ciabatta und aß das in einer für mich lang ersehnten Ruhe auf einer Bank am Löbdergraben. Meine Wege streiften das neu entstehende Postcarreé, die Goethe-Galerie und den Stolz Jenas, den Paradiesbahnhof. Gerade hatte ein ICE von Berlin Einfahrt erhalten. „Herzlich willkommen in der Universitätsstadt Jena, Willkommen im Paradies, Jena-Paradies“ ertönte es aus den Lautsprechern, direkt aus Saalfeld, wo die meisten der thüringnischen Bahnhofsansagen in Echtzeit gesprochen werden.
Ich hatte endlich auch mal wieder ein paar freie Minuten, Zeitung zu lesen. Die letzte Ausgabe meines gekündigten FHM-Abos. Unter der Rubrik Entwicklungsgeschichte staß ich auf Folgendes: „…Ab 1894 wurden die ersten Ferngläser der Firma Zeiss für den Massenmarkt hergestellt. Sie haben sich bis heute auf den Markt behauptet.“
Ohne Worte.

Ich sah die Flo, Florentine. In der ersten Sekunde dachte ich nur, ob das wirklich so sein muss. Warum macht sich eine so hübsche Peron bewusst so hässlich?
Die Kathrin war auch da. Bei ihr frag ich, wie man auf die beschränkte Idee kommt, sich das das Logo von Tokio Hotel noch vor dem Release der ersten Single auf den Hals tätoovieren zu lassen. Aber gut siehts trotzdem aus. Hat mich auch wirklich gefreut, dich mal wieder gesehen zu haben.

Heute habe ich nach doch recht langer Zeit auch mal wieder meinen Server gestartet. Seit etwa neun Monaten beglückt mich nun schon der selbe traumhafte Hintergrund. Will ich sie ändern? Nein, ich werde sie mitnehmen und an tolle Zeiten denken.
Vorhin hörte ich um die bedauerliche Geschlechterverteilung in den neuen Bunderländern. Laut der Landeswelle laufen einem Mädel etwa 3-4 Jungs hinterher, weil ich unterdurchschnittlich wenige von dieser Sorte gibt. „Nirgendwo gibt es weniger Frauen als hier“. Na Mahlzeit. Wenn ich mir das vor Augen halte, freue ich mich noch mehr auf Hagen, da es dort viel ausgeglicher zugehen soll…Wenn nicht, viel schlimmer gehts wohl kaum – jedenfalls nicht in Europa.

Seit kurzem steht bei mir eine neue, noch verpackte, Kaffeemaschine auf den Bett. Soll ich diese vor meinem Umzug ausprobieren? Meine durchdachte spontane Entscheidung lautet Ja. Gedacht, ausgepackt, angesetzt. Lecker!

Mal sehen, was am Wochenende noch alles so kommt…

Die Zeit läuft weiter: Noch sagenhafte 14 Tage bis weg.