Der Morgen davor
Der Samstag begann etwa genau 8:16 Uhr. Die Zeit, wo ich zum ersten Mal auf die Uhr schaute und dachte, dass es für ein Tag am Wochenende eigentlich noch viel zu früh sei. Ich stand dennoch auf und sortierte neben einigen wirren Gedanken auch mein Umzugschaos ein bisschen.
Gegen Mittag war ich dann bei einem gelassenen Einkauf lebensnotwendiger Stoffe im Supermarkt anzutreffen. Es waren erstaunlich viel Menschen der selben Meinung, um diese Zeit einkaufen zu gehen.

„Samstagsüberfall“
14:00 Uhr war Anpfiff im Ernst-Abbe-Stadion zum zweiten Heimspiel des FC Carl Zeiss. Ich verfolgte das Spielgeschehen zu Hause, da ich auf einen Besuch von Tina wartete (Nein, ich erwartete nicht mal eine Antwort). Da muss ich ganz ehrlich sagen, dass mir das mehr wert ist. Aber Frederike war gestern scheinbar wieder richtig gut drauf, sie hat ganz beeindruckend pausenlos schnell viele Dinge auf einmal gesagt. Jeden Tag könnte ich das nicht vertragen. Nicht das ihr jetzt was Falsches denkt, es war schön, dass ihr da wart.
Bedauerlich hingegen die erste Heim-Niederlage des FCC seit ziemlich genau 16 Monaten. Unverdient gewann Münster 0:1. Die Torchancen standen 14:2 eindeutig auf Jenaer Seite, das Glück hingegen nicht wirklich.

Ohne Worte
Für 17:30 Uhr Ortszeit war ein Treffen mit Tim geplant. Das letzte liegt wohl trotz gewisser Nähe etliche Monate zurück, sicherlich ist es aber auch das letzte für die nächsten Monate.
Die vom ihm geleistete Verspätung von rund 15 Minuten, die sonst eher ich drauf habe, machte mir nichts auf. Ich freute mich einfach, die Menschen in der Zeit ein wenig beobachten zu können. Das Treffen begann irgendwie total verspannt, aber dies sollte nicht lang so bleiben. Erst einmal wurde die blutigen Schlagereien des gestrigen Abends analysiert und Zeugenaussagen auf der Polizei gemacht. Da ich solchen Dingen eher abgeneigt bin, freute ich mich wahnsinnig auf den Gang zu dem wahrscheinlich tollsten Feinschmeckerrestaurant in Jena. Auf den Weg dorthin wurde noch schnell 2 Zigarren zum Abschied gekauft. Da wir ja im Prinzip unter Zeitdruck standen, blieb keine Ruhe zum gemütlichen Essen. Wir marschierten trotzdem mit ansehnlichen McDonalds-Tüten in Richtung der nächsten Bank. Nach dem Verzehr meiner erworbenen Käse-Snacks, die übrigens richtig geil schmecken, ging der richtige Spaß los. Es passierte das, wie vor 2 Jahren eigentlich jeden Tag. Zu schön, von Claudia zu Nancy, zu Annika, Franziska und Nancy zurück. Hach.
Da Tim noch immer Hunger verspürte, fuhren wir nach Jena-Ost, um egelhaften nicht-erträglichen überhaupt nicht so schmeckenden Stracciatella-Kuchen zu essen. Nach vergeblichen Kotzversuchen, um den komischen Geschmack weg zu bekommen, standen wir im Garten und genossen die Zigarre. Eigentlich eher nicht wir, da Tim den ganzen Abend über noch Problemen wie „Kratzen im Hals“ rumjammern wollte. Weiter aufheitern, sollte ein Kasten Bier und irgendein merkwürdig schmeckenden süß-saurer Schnaps.
Wieder auf der Piste, kam der Spruch: „Du kannst dir eine Geschwindigkeit wünschen.“ Total unkreativ wie ich bin, sagte ich 140. Gesagt, getan. Wir flogen also förmlich Richtung Kunitzburg.
Im Gegensatz dazu stand der folgende Besuch unter trüben Schatten. Ich sah dieses Mädel erst einmal und wusste nicht wie scheiße ihr es eigentlich geht. Gestern sah sie teilweise mächtig verzweifelnd aus. Sie wohnt in einem EDA-Haus. Meine heutige Recherche ergab: „Unser Verein „Ein Dach für Alle e.V. Jena“ bietet genau das, nämlich ein Dach für alle, die in Wohnungslosigkeit leben oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind.“ Sie fühlt sich wohl dort, lebt ohne jeden Komfort. Sie lebt aber. Mit ständig gesenktem Kopf kommt sie sich niederwertig vor, kann und will sich nicht wehren gegen Blicke oder Sprüche. Ich war etwa eine halbe Stunde allein in ihrer Wohnung, konnte mir Gedanken machen. Aus dem Fenster schauen, das schöne Jena erblicken. Da ich bekanntlich sehr neugierig bin, schaute ich auch mal in ihr Telefonbuch. Wenn zehn Leute drinstanden, ist es, glaub ich, optimistisch. Man muss vielleicht nicht unbedingt mehr kennen, aber richtigere.
Wir wollten ihr sowie auch uns eine Freude machen und das Go-Kart Center Jena stürmen. Zwar wollten planmäßig noch andere mitkommen, im Endeffekt waren wir zu dritt. Mit schlottrigen Knien schaute ich den 150km/h-Geschossen zu, freute mich allerdings unheimlich, selbst auf der Strecke zu heizen. Die anfänglichen Runden waren langsam. Ich sah eigentlich nur blaue Flaggen und wurde demütigend von einem Mädel überholt. Als ich die Strecke dann ausgetestet hatte, hielt ich problemlos mit und sogar einige Dauergäste wieder auf. Meine Rundenzeiten lagen für einen Streckenunkundigen doch recht gut, also nur genau 0.77 Sekunden hinter dem Streckenrekord ._.
„Und was ist jetzt?“ fragten wir uns. Da ich Tina unbedingt was sagen wollte, äußerte ich den Wunsch in Richtung Jena-Süd zu fahren. Der obligatorische Weg über McDonalds stand außer Frage. Man gönnte sich gegen halb eins einen leckeren Gartensalat mit 2 Tomaten. Es war toll, bekannte Gesichter wieder zu sehen. Der Lockenkopf ist süß, durchaus vergleichbar mit Luschy, nicht zu verwechseln mit Muschi.
Nachdem Tim mein Bier in den doch nicht richtig funktionierenden Flaschenhaltern seines neuen VW Golfs umgeworfen hat und wir aus „Langeweile“ mit 240km/h ein bisschen über die Autobahn drottelten, setzten die beiden mich an meinem ersten Zimmer in Jena ab.
Es war ein krönender Abschluss. In solchen Situationen wird klar, wie unwichtig Mädels sind. Ich sagte zwar, dass mir nichts gefehlt hat, aber ich denke, dass doch genau das war.

Aufregung vor dem Sturm
Ich lief ein wenig rum und sprach ein paar Ghetto Gospels an, wo denn hier die große erwartete Feier stattfindet. Sie meinten, ich sei etwa 15 Jahre zu spät .-.
Ich und die Jungs kamen ins Gespräch und unterhielten uns über Gott und die Welt. Es war irgendwie beeindruckend. Man hätte denken können, wir kennen uns schon Jahre.
Nach meiner Wunschäußerung, dass es toll wäre, wenn jetzt ein paar Mädels die Straße entgegen kommen würden, passierte genau das. Aber in einer Form, die nicht wollte. Schackeline, wie sie ihr Opa immer nennt, kam beängstigend immer näher – Schritt für Schritt. „Das Weib labert den ganzen Tag nur scheiße, da kommt nichts anderes als Müll raus“ kommentierte die Runde das weibliche Geschöpf. Ich weiß, dass es nicht so ist. Man hat es wieder geschafft, Martin plötzlich auf sprachlos zu schalten.
Wir beobachteten mit voller Spannung die Bahnfahrer, welche die kommen und gehen oder andere, die mindestens 4 Stunden schliefen, ganz Jena erfuhren – Lobeda-Ost – Zwätzen – Ernst-Abbe-Platz – Jena-Ost und wieder zurück.
Plötzlich waren alle weg, allein mit Jacqueline. Auch wenn wir lautlos nebeneinander herliefen, war es etwas Besonderes, dich zu sehen.

Emotionstour
Von der Emil-Wölk-Straße machte ich mich nun (etwa 4:30 Uhr) auf den Weg zum „Tagesziel Lobdeburg“. Es sollte eine emotionale Strecke mit vielen interessanten Gedanken sein.
Es war irgendwie frisch. Chucky wollte einen Kratzer, um das Eis von ihren Füßen abzuschaben. Leider konnte ich sie da nicht bedienen.
Ich lief einige wenige Stunden durch Jena-Süd und hatte Zeit von vielen Dingen intensiv Abschied zu nehmen. Die meisten Dinge sind im Nachhinein gar nicht so schlimm oder tragisch, was bleibt, sind die Erinnerungen an die schönen Erlebnisse, die sogar zeitweißen Herzschmerz als Positives darstellen lassen.

Katja
Als ich am Kaufland und China-Restaurant in Lobeda-West vorbeischritt, musste ich die tolle Unterhaltung mit dir denken. Wir hatten in der Schule ein recht harten Tag und ich wollte länger bleiben, um verschiedenen Sachen direkt zu erledigen. Du hast im Computerkabinett eine Reihe hinter mir gesessen und wirktest total glücklich. Ich sprach dich an, wir fuhren zusammen nach Hause (natürlich jeder zu sich!). Kurz vor Abfahrt der Bahn hast du mir noch deine Handynummer gegeben und wir trafen uns noch am selben Tag.
Jeder war, so hatte ich den Eindruck, mächtig begeistert vom anderen. Ich bin gar nicht so unerreichbar wie ich scheinbar rüberkomme und du nicht so eingebildet/egoistisch – ganz im Gegenteil. Es war sehr schön und beeindruckend innerhalb doch recht kurzer so viel Vertrauen aufzubauen. Ich weiß noch genau, wie du mich gefragt hast, ob ich nicht mal was machen will. Du hast bestimmt gedacht, dass ich wirklich nicht weiß, was du meinst.
Deine Ehrlichkeit verblüfft mich immer wieder.

Unmittelbar neben diesen tollen Erlebnissen taten sich aktuelle Emotionen auf. Ich stellte mir beispielsweise vor, wie ich an einem schönen Montagnachmittag im Zug nach Hause fuhr und von einer netten Person spontan zum Eisessen eingeladen wurde.

Jacqueline
Momentan könnte ich Romane über dich schreiben. Trotz gewisser vorgefallener (Un)annehmlichkeiten würde sich ein Großteil sicherlich ganz gut zeigen. Wir hatten wahnsinnig schöne Zeit zusammen. Wenn ich mir vor Augen halte, wie wir zum ersten Mal zu Terra Titanic tanzten oder einfach nur Herr Der Ringe schauten, wird mir ganz warm ums Herz. Mein Puls steigt und ich will gar nicht mehr aufhören daran zu denken. Vergessen werd ich hoffentlich nie unsere Tänze zu Dirty Dancing- oder Grease-Songs. Witzig war es auch dir bei der Gruppentherapie zuzugucken oder mit dir gemeinsam auf den Balkon zu stehen, in die Sterne zu schauen und Memories zu hören.
Obwohl du das Planetarium nicht magst, hast du dich durchgerungen. Ich sah die Vorstellung zwar schon ein paar mal, mit dir war es allerdings die Schönste. Vielleicht können wir bei Gelegenheit einfach mal wieder ein Bier trinken gehen, dabei dann spontan eine Modenschau in der Wagnergasse verfolgen und einfach nur auf dem Sofa relaxen.
Ich bin stolz auf dich. Es ist richtig, die Schule mit einem ordentlichen Abschluss zu beenden. Und nicht nur ich weiß, dass du mehr drauf hast als den zweit-schlechtesten Abschluss.
Für die Zukunft wünsch ich mir eigentlich nur, dass wir einfach unbelastet miteinander reden können. Du hast ein sehr interessantes Weltbild und Meinungen. Das fehlt mir.
Mich freut es, wenn du glücklich bist.

Den Weg in Richtung Altlobeda bin ich bisher erst einmal gelaufen. Und das war an dem Geburtstag von Jule. Ich bin angekommen und du sagtest zu mir, dass du mir unbedingt etwas sagen musst. Ich hatte Angst. Wir gingen damals noch schnell im Kaufland einkaufen, hatten eine Menge Spaß.

Juliane
Tim schwärmte mir Monate lang von dir vor. Dann standen wir eines Tages vor dem OGS und er meinte, ich solle dich mal anrufen und fragen, ob du Lust hast, mitzukommen. Ich wählte, drückte den grünen Hörer, 2 Rufzeichen, weggedrückt. Dann allerdings eine SMS vor dir. Direkt versuchte ich nochmals anzurufen, da du ja offensichtlich erreichbar warst. Wieder unterdrückt. Ich habe in den Moment nicht verstanden, warum du den Anruf nicht entgegen nehmen wolltest, stattdessen lieber kostenpflichtige SMS geschrieben hast. Gut, dann schreib ich dir halt, dachte ich mir. Es war immerhin 23:xx Uhr und als „Schulkind“ hattest du selbstverständlich keine Zeit.
Wir hörten Ewigkeiten nichts von einander – bis die Neugier uns packte und wir uns trafen. „Pass auf, du bist nicht der Einzige“ war eine SMS, die mich abschreckte. Wie eingebildet kann man sein? Vielleicht berechtigt? In dem Moment wusste ich es nicht. Du hast mich zu deinem Konzert eingeladen, es war, glaube ich, der 1. Advent. Ich kam in Greiz nicht rechtzeitig weg, war zu spät, das Konzert schon vorbei. Ich rief dich an, wie gewohnt mit geringem Erfolg. Da die Goethe Galerie wie zu Weihnachten üblich ganz toll geschmückt war, vertrieb ich mir dort ein wenig die Zeit. Da ich mit keinem Treffen mehr rechnete, vereinbarte ich ein spontanes Treffen mit Tim – Zeit für McDonalds, ein Spar-Menü mit einem Hamburger Royal TS, Mittlere Pommes mit Mayonaise und einer Sprite. Da saßen wir nun. Plötzlich vibrierte ich mit dem Handy. Wir verabredeten uns. Direkt wurde ich immer aufgeregter und machte mich von der Bahnhaltestelle Altlobeda auf dem Weg zur Feuerwehr. Ich wartete und sah ein Mädel die Straße herunterkommen. Da die Zeit recht fortschritt, lag die Wahrscheinlichkeit, dass du es bist, relativ hoch. Ehrlich gesagt, fragte ich mich zu erst, was Tim an dir so toll findet. Aber ich wollte es auch herausfinden. Du hattest ein sehr schönes Kleid an, sagtest dann, dass du nicht immer so aufgetakelt herumläufst. Fand ich irgendwie witzig, da es dir gut stand. Unmittelbar danach machtest du mir klar, was du von Make-Up hältst – nichts. Ich war begeistert, wie du alles daran gelegt hast, dich dem Tussi-Image entgegen zu stellen.
Wir liefen stundenlang durch die Straßen Jenas. Unterhielten uns über Gott und die restliche Welt – du alles. Wir waren auch in der Kantine der Grundschule in Altlobeda, erkundeten den Keller, hatten Angst. Wir kannten uns gefühlsmäßig seit Jahrzehnten.
In eurer Wohnung leben nun andere. Die Schaukel steht noch. Erinnerungen bleiben. über das abgerissene Gebäude der Kantine ist Gras gewachsen.

Dieser Ort war gleichzeitig der erste Treffpunkt mit Lorentina. Ich weiß zwar immer noch nicht, was dieser Name zu bedeuten hat. Er hat etwas Mystisches.

Christina
Eines Tages kam ich von der Arbeit nach Hause und der Systemhinweis bei ICQ blinkte. Eine Meldung von einer Unbekannten wurde eingespielt. Wir unterhielten uns bis in die Nacht, schliefen wahrscheinlich teilweise sogar schon vor dem Monitor.
Ich war noch nie so überwältigt, weil wir uns in den meisten Dingen einfach so erschreckend ähnlich sind und genau das selbe denken, wünschen, machen. Ich dachte, ich rede mit dem weiblichen Martin. Es war ein beeindruckendes Gefühl.
Sicherlich war auch das der Grund dafür, dass wir uns schon am nächsten Tag trafen. Es war schweinekalt, Schnee und Eis. Wir fuhren durch Jena, nicht in die Sauna, sondern zu mir. Eigentlich brauchten wir gar nichts sagen, weil der andere sowieso schon wusste, was man sagen will oder denkt. Ich kannte so was bisher noch nicht und war (…)
Ich bin der überzeugung, dass sich einiges anders entwickelt hätte, wenn ich an bestimmten Abenden Verabredungen einfach gefolgt wäre. Nie vergessen werde ich wahrscheinlich den Max, der mein schönes Paradies-Shirt extrem voll sabberte. Ich mag ihn, seine Besitzerin allerdings auch.
Auf meiner habe übrigens eure Katze getroffen, sie ist mir ein paar Meter gefolgt. Dann hab ich sie nach Hause gebracht. Vielleicht hat sie dir ja auch die lieben Grüße ausgerichtet.

Der Weg ging weiter und mein Ziel rückte den entsprechend immer näher. Da es ziemlich dunkel war, keine Lichter auf meiner Wegstrecke waren und ich trotz vieler Gedanken offensichtlich allein im Wald war, hatte ich schon ein leichtes Krippeln im Bauch. Ich bin schon ewig nicht mehr im Dunkeln und dann auch noch allein im Wald gewesen. Das Gefühl war toll. Als ich die Gaststätte sah, wusste ich, dass es nicht mehr weit ist. Auf den letzten Metern machte ich auf einer Bank kurz halt. Ich schaute durch die Bäume auf das herrlichste Lichtbild Jenas, was ich je sah. Die unbeschreibliche Ruhe und ein mindestens genauso gigantischer Blick ins Tal überwältigten mich. Es war etwas Besonderes dort zu sein.
Mit Chrissi wollte ich bei steigender Temperatur auf die Lobdeburg spazieren. Genauso mit der Person, die jeden Tag fast bis zum Gipfel dieses Berges läuft. Mini macht es keinen Spaß, aber du kannst mir glauben, dass dir das fehlen wird. Ich weiß nicht, wo wir überall lang gelaufen sind, aber jeder Meter war ein Schritt mehr.

Jasmin
Kennen gelernt haben wir uns auf dem Altstadtfest. Zum ersten Mal habe ich gleich 4 Mädels gleichzeitig meine Nummer gegeben. Ich kann mich noch an den Montagmorgen in der Schule erinnern, wo ihr meine Nummer austauscht habt und ich von allen eine Nachricht bekam. Damals vertrat ich noch den Standpunkt, meinen Klingelton nicht abzustellen. Nach diesem Tag wurde ich gezwungen. Wir trafen uns, saßen im Park und ich stellte verwunderlich komische Fragen. Immer wieder auf neue. Ihr habt mich gelöchert.
Bei dir fühlte ich mich sehr wohl. Wir waren bei dir, ich stöberte durch deinen Kleiderschrank und äußerte Wünsche für den folgenden Besuch einer Abendlokalität. Du hättest nicht unbedingt im Herbst ein Minirock anziehen müssen, aber steht dir trotzdem exzellent. Wir erlebten tolle Zeiten, tanzten leider wenig, rockten dafür umso mehr. Das Heldenkonzert war der Wahnsinn. Ich war von deinem damaligen Freund positiv überrascht, zu mal ich nichts von ihm wusste. Toll war auch, wie wir bei mir Das Experiment schauten und ich einschlief. War nicht schlimm, dass du mich geweckt hast – habe dich gern nach Hause gebracht.
Wir hätten den Kontakt nicht so einfrieren lassen sollen. Jetzt, mit/nach deinem Umzug wird es durch meinem Umzug nicht mehr so einfach sein. Ich hoffe dennoch, dass wir uns mal wieder sehen.

An der Gabelkreuzung trennten wir uns immer von der Begleitung durch Sabrina.

Sabrina
Es ist irgendwie schwierig sich beim Kaffeetrinken mit mehreren anwesenden Personen (auf freundschaftlicher Basis) näher zu kommen. Ich hätte mich gefreut, wenn wir nicht immer so an der Oberfläche geplätschert hätten. Du bist eine interessante Persönlichkeit, von der ich gern mehr wissen würde. Der Zug ist abgefahren, die Distanz sich traurigerweise weiter erhöht. Gegen einen Cappuccino und nettes Gespräch stehe ich jederzeit zur Verfügung.

Langsam entfernte ich mich von der Lobdeburg, ging dem Morgen und der pulsierenden kleinen Großstadt entgegen. Die Vögel fingen fleißig an zu singen, die Frühaufsteher saßen am Frühstückstisch und lasen die Sonntagszeitung. Hunde wurden Gassi geführt und so langsam kehrt Leben ein, wie man es kennt.
Physiotherapie – ohne Termin kann man da an einem Sonntagmorgen gegen 6 Uhr nicht einfach vorbeischauen.

Antje
Schwarz. Krank. Dennoch nett. Ich lief an deinem Zimmer vorbei und dachte daran, wie wir dort vor der Wohnungstür saßen, Evanesence hörten und gegenseitig Taroo-Karten lasen. Ich weiß, dass du ein toller Mensch bist. „Du, ich bin besessen von uns. Ich freu mich auf Sonntag, auf dich“ war ein ganz erträglicher Teil. Wie mein Beitrag allerdings aussehen sollte, ist nicht gesellschaftstauglich. Das hat meiner Meinung leider ein bisschen getrübt. Wie du mir dann zeigen wolltest, dass du meine Ablehnung nicht toll findest, war dennoch lächerlich. Ich saß mit Tim im Paradies und plötzlich kam eine Traube schwarz-gekleideter Menschen auf uns zu, umzingelten uns und spielten mit Messer. Ich fands irgendwie lustig, hatte wahnsinnig Angst. Heute sogar noch, wenn ich daran denke ._.
Ich glaube, dass du vernünftiger geworden bist. Mich würde sehr interessieren, was du jetzt so machst.

Bernd
Auf derselben Straße ging ich an dem Ort vorbei, wo Jule und ich das erste Mal als Paar auftraten. An einem Freitagabend genoss ich meine Ruhe. Dann kam eine Kurzmitteilung, mit dem Wunsch, dass ich mit zu dir kommen soll. Ich kann mich noch genau an die Worte von ihr erinnern: „Ist es für dich in Ordnung, dass wir ein bisschen zu dir unbekannten Leuten gehen? Ich will dich nicht überrumpeln“. Die Antwort war einfach: „Mir ist egal, wo und bei wen wir sind, Hauptsache ich bin in deiner Nähe“…
Obwohl ich euch nicht kannte, hatten wir eine Menge Spaß. Wir hätten vielleicht nicht so lästern sollen, aber ist ja niemand zu schaden gekommen. Leider haben wir uns nicht mehr so oft gesehen. Ein Satz, der bleibt: „Ihr könnt auch hier schlafen, dass Bett ist frei!“
Wir schauten die MTV Hitlist Germany. Platz 1: Black Eyed Peas mit Shut Up
Ich hab sie sicher nach Hause gebracht.

Nahe der Gegenwart hinter dem Abschluss der Vergangenheit folgten einige schöne Emotionen für meine wahrscheinlich tollste Bekanntschaft.

Tina
Die letzten 10 Monate wurden sehr durch einen Menschen mit kurzem aussagekräftigen Namen geprägt.
Ich weiß noch wie ich vor unserem ersten Treffen (War das nicht sogar 2 Tage vor Weihnachten?) auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken in Jena herumgeeilt. Eigentlich hab ich befürchtet zu spät zu kommen, aber trotz mangelnder Parkplätze war ich recht oder sogar richtig pünktlich. Man muss sich ja nicht den ersten Eindruck gleich verderben. Total planlos gingen wir durch die GoeGa und auf den Weihnachtsmarkt, unser Ziel nicht wirklich klar. Im Bohemé gestrandet, aalten wir uns ins im Gespräch. Du hast mich von der Sylvester-Feier in der POM-Arena überzeugt und warst sicherlich auch der Grund dafür, dahin zu gehen. Das Programm war aber dann auch gelungen ._.
Zu den Menschen, die einem am meisten bedeuten, könnte man immer so viel schreiben, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.
Die folgende äußerung von Capote trifft auf die mich immer noch faszinierenden Moment in der Straßenbahn zu: „Für gewöhnlich merke ich sehr bald, ob mit jemandem eine Freundschaft möglich ist. Zum Beispiel daran, dass man Sätze nicht zu Ende sprechen muss“ … oder nicht mal beginnen muss. Du beeindruckst mich jedes Mal, wenn wir uns hören oder sehen aufs Neue, deine Persönlichkeit könnte man als Positivbeispiel in jedes Lexikon drucken. Die Art, wie du Menschen siehst, ist unbeschreiblich und deine Meinung mehr wert als ein HA/LB-System für 100 TEUR, also im übertragenen Sinne. Wenn ich zu Hause auf einmal anfange, komische Musik zu hören, frage ich mich, wie du es nur geschafft hast, mich von Salsa und Tango zu überzeugen. Unklar. Hättest du mich ein bisschen überzeugt, wäre ich vielleicht sogar wegen dir in Jena geblieben! Wahrscheinlich wirst du mir schon am ersten Tag nach meinem Umzug fehlen.
Wenn ich nicht wüsste, dass du sowieso nie zu Hause bist, wird ich dich sicher jeden Tag anrufen. Ein Teil meines Herzens wird sicher bei dir in Jena bleiben. Ich hoffe nur, dass wir unseren Kontakt aufrechterhalten können.

Gegen kurz nach 6 Uhr suchte ich in der aufgehenden Sonne noch den Riesenzirkus. Ich dachte ein Riesenzirkus sei nicht zu übersehen. Ich habe es allerdings doch geschafft, diesen Tage lang zu überblicken. An diesem schönen Sonntagmorgen sah ich ihn dann doch und konnte beruhigt nach Hause gehen. Schlafen. Nicht lang, nur bis halb zwölf. Aber das muss reichen, wenn man Jena leben will.

Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich diesen Blog in dieser Form so öffentlich stellen sollte, aber ich habe mich dafür entschieden. Es ist ein Gedankenspeicher für mich. Hat zwar mehrere Tage gedauert.
Ich bin überzeugt, dass die überlänge des Beitrages doch schon ein wenig abschreckt.

„Sonntagslaune“
Heute 11:56 Uhr hat es Tina mal wieder geschafft. Mein Mailpostfach hat sich mit einer tollen eMail-Postfach hat sich mit tollen Inhalt gefüllt. Wahrscheinlich war es Gedankenübertragung, dass ich wenige Sekunden nach deinem Absenden mein Postfach abgeholt habe. Danke für dieses Lächeln, welches du mir ins Gesicht gezaubert hast. Das am späteren Nachmittag bis in die Trance folgende Telefonat war toll 🙂
Danke.

Die Zeit läuft weiter: Nur noch 12 Tage bis weg.