…? Diese Frage kann man, meiner Meinung nach, stellen. Immerhin wohne ich schon genau vier Wochen im sauerländlichen Ruhrpott. Für alle, die es noch nicht wussten, Hagen stellt den übergang oder sinnbildlich das „Tor zum Sauerland“ dar. Das ist aber gar nicht das Thema. Ich fühle mich sehr wohl und hoffe ein paar Leute kennenzulernen, mit denen man regelmäßige Aktivitäten vornehmen kann. Der Kontakt zu netten bekannten Menschen aus Jena und Thüringen muss mit vollem Einsatz erhalten bleiben, das ist mir wichtig.
Im Allgemeinen habe ich mich gut eingelebt. Die Ordnung kann ich sicher am Wochenende weitestgehend wieder herstellen, denn die ist nämlich wegen meiner exzessiven Bildersortieraktion erheblich gestört wurden.

Kurz vor Mitte
Wo bin ich eigentlich hingezogen? Doch nicht in die Dritte Welt – oder doch? Die Türkei ist ja quasi vor der Haustür.

Die tägliche Dosis
Martin kann nicht schlafen. Das kennen wir. Aber der Grund meiner Schlaflosigkeit ist ein anderer. Ich behaupte, er geht sogar in die korrekte Richtung [um das auch mathematisch (als Vektor) darzustellen]. Du kannst dir das Ganze so vorstellen: Ich liege im Bett und habe die Augen geschlossen. Plötzlich schießt wie aus einer Kanone ein wahnwitziger Gedanke, der eigentlich nie so lustig ist, an mir vorbei. Folglich muss ich mich im Gelächter quasi aus dem Bett schmeißen. Mein Lachkranpf hält dann einige Minuten an, aber mein Drang zu Schlafen leidet trotzdem stark darunter. Die Müdigkeit ist weg. Allerdings habe ich einen guten Weg gefunden, mich in den Schlaf zu singen, wenn dies in meiner Einsamkeit kein anderes Individuum macht. Ich lese und dass genau bis ich meinen schweren Augenlider keinen Widerstand mehr leisten kann.
Christin, du hast mit deiner Mail einen sehr großen Anteil an dieser sich ständig wiederholenden Parade. Dein Satz „Hör auf so zu grinsen!“ bringt mich häufig zum Schmunzeln. Dabei ist die Tatsache, weshalb ich es nicht machen soll gar nicht so ausschlaggebend. Genau das finde ich toll und fühl mich wirklich geehrt.

Auf den Namen Christin bin ich gestern auch noch ein zweites Mal gestoßen. Und zwar in meiner Kontaktliste. Ich fragte mich erst, seit wann ich deine Nummer habe (, die mir übrigens immer noch fehlt!). Dann überlegte ich, wer es sein kann. Stundenlang fragte ich meine Wand bzw. die Frau an ihr.
Zu später Stunde überkam mich dann doch noch ein Geistesblitz. Ich finde es traurig, wie man den Bezug zu Nummern bzw. deren Besitzern verliert, wenn man sich nicht so häufig sieht.

Studium? Viele sind für Abbruch.
Der Dienstag sollte ein gewöhnlich witziger lehrreicher Zeitabschnitt, der übrigens immer noch andauert, dieser Woche sein. Es ist sehr hart, 8 Stunden vollkonzentriert in dem Thema mitzukommen, in welchem es die Herrn Professoren vortragen. Manche sind so zerstreut und wechseln während es Satzes sogar mehrmals die Folien. Wie soll man denn da bitte mitschreiben, frage ich. Antwort unklar. Wir dürfen in jedem Modul 2 Stunden im Semester fehlen. Dabei ist egal, ob wir krank und entschuldigt sind oder einfach keine Lust hatten. Das finde ich ziemlich krass.
Wenn ich an die 10 Schulstunden denke, mit denen die Zeit vergleichbar ist, würde ich gern nochmal anfangen. Alles, was danach kommt, ist einfach nur hart.

Ich wollte heute mit Esther reden. Die einzige Aussage, die mir entgegen kam: „Sag mal bitte Gemüse.“ Was soll man als Normalbürger davon halten? .-.
Noch witziger finde ich eigentlich den Gedanke, dass sie bei Schott anfangen und reich werden will. Aber so sind wir halt. In dem Moment muss ich mich fragen, was aus der Zukunft Deutschlands werden wird, wenn wir an die Macht kommen.

Es laufen echt zahlreiche verrückte Vögel rum. Einer beispielsweise heißt „von Boing“. Das kommt nicht von irgendwo. Er ist, wenn ich mich richtig erinnere, der Enkel des Gründers des nahmhaften Flugzeugherstellers.

Was wollen die denn schon wieder?
Heute klingelte es an meiner Tür. Leider an ich ohne Gegensprechanlage nicht nachfragen, wer denn wirklich vor dem Haus steht. Gutglaubich und voller Freude auf Besuch machte ich also meine Wohnungstür auf. „Ich komme vom Westdeutschen Rundfunk in Dortmund und möchte mich über Rundfunk- und Fernsehgeräten bei Ihnen erkundigen. Denn Sie sind noch nicht gemeldet.“ Natürlich war ich gemeldet, Sie Trottel. Umgemeldet habe ich mich. Ganz korrekt, wie es sich gehört!
Er zeigte volles Verständnis für meine gute Laune. Denn die kann man wohl auch haben, wenn man sein Gehalt finanziert. Der nette Herr möchte meine Ummeldung beschleunigen. Tür zu – wieder Ruhe!? Denkst du. Wenige Sekunden später klingelt es erneut. Derselbe Mann steht vor meinem Guckloch. Mit einem Grinsen mache ich erneut auf. „Ich glaube nicht, dass Sie mich verstanden haben. Ich bin…“ sagte er. Mein soforter Einwand: „Doch klar, Sie sind vor der GEZ und brauchen mir nicht alles nochmal erzählen. Auf wiedersehen!“

Heimat in Hagen
Heute wollte ich außerdem einen philosophischen Spaziergang einlegen. Tat ich dann auch. Zufälligerweise kam ich am Wohnheim vorbei und wartete etwa 30 Minuten auf eine bestimmte Person, die dann doch nicht bereit war, mit mir zu reden. Ich wünsche dir gute Besserung und hoffe, dich bald wieder zu sehen und besonders zu sprechen.
Danach ging es mit Beginn am „Rennsteigweg“ los durch die Straßen von Hagen – ungefähr noch 2 Stunden. 7 Zigaretten später war ich plötzlich am Auto und fuhr nach Hause. Das anschließende Bad tat wahnsinnig gut.

Nun möchte ich den Tag mit diesen Worten abschließen und wünsche eine erholsame gute Nacht.