Am frühen Morgen diesen herrlichen Samstags machten wir uns auf den Weg nach Thüringen. Mit jedem Kilometer, den wir näher kamen, wurde ich nervöser und freute mich immer mehr auf diesen Nachmittag.
Man verabschiedete sich aus NRW, wurde in Hessen begrüßt und rückte dem Tagesziel entgegen. Kurz vor der thüringer Landesgrenze sichtete man plötzlich bekannte KFZ-Nummernschilder. Das ausgeschüttete Adrenalin machte das Fahren nicht gerade leichter. Vorbei an Gotha, Erfurt und Weimar las man plötzlich die erwartungsreiche Bezeichnung Jena auf den blauhinterlegten Autobahnschildern. An nebenstehenden Zahlen konnte man ahnen, bald dort zu sein wovon man schon Wochen träumte. Es war ein unheimliches Gefühl bei Jena-Göschwitz von der überregionalen Schnellstraße zu fahren und so viele schöne bekannte Gebäude, Landschaften wieder zu sehen. Die zahlreichen Erinnerungen verschönerten das nochmals. Die Stadt entwickelte sich. Die Autobahnbrücke ist nun fast fertig, die Umgehung ins südliche Gewerbegebiet erstrahlt in vollem Prunk. Ich fühlte mich trotzdem irgendwie verloren – so ein bisschen fremd, obwohl alles so vertraut wirkt.
Die erste Etappe der Thüringenrundfahrt wurde mit einem leckeren (aber viel zu heißen) Mittagessen erfolgreich überstanden. Mit leichten Verletzungen im Mundbereich ging es nach kurzer Verweildauer direkt zum Fußballspiel des Jahres. Das Chaos war ausgebrochen. Die Einwohnerzahl stieg wahrscheinlich durch grün-weiß gekleidete Eishockeyspieler an diesem Tag ums doppelte. Jena war ohne Frage im Ausnahmezustand. Auf dem Weg zum Ernst-Abbe-Sportfeld hörte man schon laute Gesänge und konnte sich die Stimmung im Stadion vorstellen. Das erste Spiel seit langer Zeit, was bis auf dem letzten Platz ausverkauft war. Und das sogar schon eine Woche vorher. Die Atmosphäre war überwältigend. Die Spieler des FC Carl Zeiss taten ihr Bestes dazu und überwältigten die Rot-Weißen aus dem Absteigerwald. Jena befand sich augenscheinlich in einer andere Klasse und Erfurt muss sich nun ernsthaft damit abhängen, das sie nicht mehr die Macht in Thüringen sind – eigentlich auch nie wirklich waren. Es war einfach nur schöner Fußball zum Anschauen. Die Kulisse Jenas machte die ganze Sache perfekt.

Nach dem Spiel machten Tina und ich uns durch das Paradies zum Treffen mit Christin, Steffi und Maxi auf den Holzmarkt. Ich kann meine Gedanken zu diesem Zeitpunkt leider nicht mit Worten ausdrücken, so dass ich es als unbeschreiblich stehen lassen möchte. Es ist toll, bekannte Menschen wieder zu sehen. Ich entdeckte in der jugendlichen Umgebung sogar Jenny und Katja. Sie sind nach meiner Einschätzung nicht mehr weit davon entfernt, zu übertriebenen Bordsteinschwalben zu motieren.
Die gemütliche Zeit im Einstein tat gut. Ich konnte mal ordentlich Luft holen und bisschen entspannen. Irgendwann nach 6 Uhr musste ich mich leider schon verabschieden. Ich brachte Tina noch mit zu ihrer Mum, um dann von dort aus nach Greiz durchzustarten. Ich fand den Abschied traurig, da ich mich innerhalb der letzten Woche ganz gut an das Dasein von ihr gewöhnt hab.
Die Fahrt aus Jena war eine Qual. Ich wollte gar nicht so recht neben dem Ortsausgangsschild vorbeifahren. Lieber zurück und einfach…

Nach torbulenter Fahrt erwartete mich in Greiz die Geburtstagsfeier von meiner Oma und so ein bisschen auch von mir. So viele Menschen, sogar Verwandte, zum Begrüßen und die Arme nehmen. Als der kleine Dominic dann auf mich zurannte und ansprang, wusste ich, was mir ziemlich lang gefehlt hat.
Endlich hatte man mal wieder Zeit sich zu unterhalten. Ungewohnt natürlich, die Leute dabei sogar zu sehen. Aber mit dieser Tatsache konnte ich mich ganz gut abfinden. Es war ein sehr schöner ruhiger Abend. Die gemietete ehemalige Turnhalle groß und zum Wohlfühlen und Feiern bestens geeignet.