Angelehnt an einen Titel der „Welt am Sonntag“ drückt diese überschrift wohl ganz deutlich die neuesten Eindrücke meines Lebens wieder. Es war ein untypischer Freitagabend.
Kurz nachdem ich von der FH nach Hause kam, düste ich mit dem Bus zum Bahnhof, um das Wochenende in Herne einzuläuten. Ich war mit Tim verabredet. Die Ausmachungen klappen nun ganz gut, da wir Uhrzeit und Treffpunkt mit penibler Deutlichkeit klären. Am Hauptbahnhof in Wanne-Eikel kaufte ich für das kleine Geburtstagskind Josephine einen genialen Blumenstrauß. Er gefiel mir auf Anhieb und bei genauem Hinschauen, war es wohl der Schönste, den ich je jemand geschenkt habe. Bekanntermaßen weiß man das nicht entsprechend zu schätzen.
Vor der Feierlichkeit sollten wir noch einige Getränke einkaufen, taten das auch mit Begeisterung und voller Hingabe. Zum Abschluss unserer Tour schlossen wir den Stress mit einem leckeren Dinner beim Dönermann um die Ecke ab. Ich muss sagen, dass ich wirklich sehr angetan von dem Geschmack der türkischen Spezialität, die übrigens ein Grieche zubereitete, war. Deutschland würde ein enormes Maß an Vielfalt ohne die zahlreichen ausländischen Zuwanderer fehlen. Während des Essens ereilte uns ein Anruf, der von der eigentlich schon begonnenen Geburtstagsfeier kam. „Die Lage ist eskalliert. Leuten prägeln sich und treten die Tische klar…“ Wir aßen also schneller und wollten die angespannte Situation durch unsere Autorität beruhigen.
Keiner von uns wusste wo die Veranstaltung stattfindet, so irrten wir also durch verschiedenste Straßen, um diese aufzuspüren. Auch das Befragen einiger Pasanten sollte unser Problem nicht lösen. Nach fast einer Stunde Irrfahrt, trafen wir durch Zufall auf eine wichtige Person dieses Abends: Tims Schwester Josephine. Sie konnte uns den richtigen Weg ganz gut beschreiben…
Angekommen trafen auf viele junge Menschen und verzweifelte Eltern. Die „bösen“ Menschen haben der Feierlichkeit glücklicherweise schon wieder den Rücken gekehrt, nachdem sie wie wir erfuhren, die Halle klarhauen wollten, wenn sie nicht mehr reingelassen werden. Ein pubertierender 16-Jähriger hat sogar bei einer Mutter die Hose runtergelassen und gemeint, dass sie doch mal seinen Pimmel lecken könnte. Das lass ich nun kommentarlos stehen.
Im Endeffekt waren wir auf einem Kindergeburtstag, der mir persönlich einige schockierende Empfindungen verschaffte. 15-jährige Mädels tanzten wie ich es vor einer Woche noch mit [einer] Gleichaltrigen tat. Es war fast kein Unterschied zu sehen, jedenfalls nicht äußerlich. Ein paar Worte bewießen dann den „Qualitätsunterschied“ bzw. Reifegrad ganz deutlich. Dazu passend kifften deren besoffene Freunde dann auch noch vor der Tür. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen.
„Ich bin Deutschland“ und möchte es in 5 Jahren genauso sein. Wenn ich solche Zustände sehe, schäme ich mich zutiefst. Mir fehlen zu solchen Vorfällen die Worte…aber ich behaupte, dass jeder Leser eigene Gedanken dazu fassen sollte.
Gegen halb eins war der gemietete Veranstaltungsraum durch uns wieder aufgeräumt in einem annehmbaren Aussehen. Bei Tim führten wir interessante Gespräche und beendeten den turbolenten Abend ganz ruhig. Das war unbedingt erforderlich und kam meiner Müdigkeit durch den langen Schultag entgegen.