Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort der Frauen weit geführt.

Die Zeit verging schnell. Ich in erster Linie, wie ich ungefähr vor einem halben Jahr mit dem Herunterzählen der Tage bis zu meinem Umzug begonnen habe. Damals versuchte ich bis verbleibenen Wochen so intensiv wie möglich zu nutzen, habe viel unternommen. Es war eine sehr intensive Zeit, besonders natürlich gefühlsmäßig. Das Neue reizte und das Geschaffene wollte ich nur ungern verlassen. Im Nachhinein betrachtet war dies nicht unbedingt eine richtige Entscheidung. Ich habe viel verloren, vor allem Kontakt zu wirklich netten Menschen zum anderen eben neue kennengelernt. Obwohl die Eingewöhnungszeit nach nun genau 134 Tagen vorbeisein sollte, hänge ich oft an meinen Gedanken fest. Im Gegensatz zur Vergangenheit reizt mich jetzt das Kommende mehr und ich bin dadurch positiver oder gespannt auf die Zukunft. Meine Wohnung entwickelt sich jeden Tag weiter, denn irgendwie habe ich derzeit den Drang regelmäßig den Baumarkt zu besuchen und somit Dinge zu verändern. Bedauerlich ist nur, dass ich das aufgrund meiner gestohlenen Jenoptik-Digitalkamera nicht festhalten kann. Sobald mir es möglich ist, werde ich mich um Ersatz bemühen.
Ich möchte nun versuchen, die vergangenen ersten Monate im Ruhrgebiet einzuschätzen. Die ersten Tage waren leichter als ich dachte, weniger Herzschmerz als befürchtet. Je mehr ich dann allerdings realisierte, nicht schnell bei guten Freunden aus Thüringen zu sein, tat es weh. Symphathische Menschen in Herne wollten mich bei der überwindung dieser Schwelle unterstützen, taten sie dann mehr oder weniger. Ich war oft bei ihnen und hatte somit wirklich sehr angenehme Abwechslungen. Dafür bin ich sehr dankbar.
Mit Beginn des Studium begann der Stress und der eigentliche Grund meines Umzugs. Anfangs war alles sehr ungewohnt, aber durch Leute, die ich schon aus dem Vorkurs und Campus Rock kannte, war der Start optimal. Den würde ich als gelungen bezeichnen. Langsam merkt man, wie die Lerngruppen auseinander brechen und sich nur noch mit seinen Seelenverwandten beschäftigt wird. Ich versuche uns so gut wie möglich zusammenzuhalten.
Es ist irgendwie komisch, aber ich fühle mich wohl hier. Ich freue mich jeden Tag, nach Hause zu fahren und zu lernen sowie tolle Fernsehserien zu verfolgen. Ich kann sogar mit einem Lächeln durch Stadt laufen, ohne jeglichen negativen Gedanken. Das Gefühl des Optimismus war lange Zeit eingefroren, nun glaube ich es wiedergefunden zu haben.

Ein Optimist ist ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind.

Das Schönste, was wir entdecken können, ist das Geheimnisvolle.

Ich finde es schade, dass Sandra und ich gar nicht mehr miteinander reden. Du hast mir versprochen, dich um mich zu kümmern, wenn ich nach NRW ziehe. Ich finde, mit den trauerigerweise wenigen Treffen war es nicht getan. Denke doch bitte an unser Telefonat als du mit Marc zusammen warst. Auch wenn du mir das vorwirfst, hättest du öfters nach der Situation hinter meinem Scheinbild – wie es Christin bezeichnen würde – fragen können. Ich kann mich leider nur an ein wirkliches Gespräch erinnern. Ich habe doch gar nicht erwartet, dass wir plötzlich jeden Tag miteinander verbringen. Keine Motivation mehr für unsere Gespräche zu haben, weil ich mich auch mit anderen deiner Bekannten treffe, ist mir trotzdem völlig unverständlich. Klar sind einige Vorfälle nicht nach Maß gelaufen. Sollten diese unsere langjährige gute Freundschaft wegbrechen lassen? Vergesse kurz die Menschen in deiner Umgebung und lass uns darüber reden.
Egal, was du jetzt über mich denkst, du solltest mich nicht aus deinem Leben streichen. Ich war einfach zu lange Teil deiner Erdenzeit.