Der ZEIT-Redakteur Jan Weiler in Hagen. Sichtlich begeistert schwärmt er von schönen Minuten während eines Tagesausflugs, der sich auf das Essen eines Würtschens und die Erkenntnis, welch harte Köstlichkeit hier seinen Ursprung fand, reduzierte.

Hagen: Brandt-Zwieback. Das Leben ist hier also nicht nur hart, es krümelt auch, und zwar an allen Ecken und Kanten. Hagen zerbröselt, was die alte Bausubstanz angeht, wie ein Stück Zwieback.
Wenn ich mich recht erinnere, bestehen Hot Dogs aus einem Wiener Würstchen, welches mit gerösteten Zwiebeln, Essiggurken, Mayo und Ketchup, vielleicht auch Senf in ein weiches Brötchen gelegt wird. So kenne ich das. Bei IKEA gibt es ganz passable Hot Dogs und in New York natürlich sowieso an jeder Straßenecke.
Ich bestelle also ein Hagener Hot Dog und was soll ich Ihnen sagen: In Hagen werden sogar die Hot Dog-Würstchen frittiert! Shocking! Die Frau FRITTIERT den Hot Dog. Und die Zwiebeln sind nicht geröstet, sondern liegen matschig in einer großen Pfanne.

Man kann gegen Hagen gern viel haben: aber hier trifft diese Stadt keine Schuld. Das ist angeblich in Wuppertal genauso. An sich ist Wuppertal eine schöne Stadt, wenn ich Meinungen von labernden Bochum-Besuchern außer Acht lasse. Nun ja, aber selbst schuld, wenn man laufenden Würtschen-Verkäufern aus usa-fremden Ländern vertraut.

Ist das nicht die Heimatstadt von Nena? Die ging ja, wenn ich mich richtig erinnere, damals von Hagen nach Berlin und jobbte bei dem Musikmanager und Fotografen Jim Rakete. Stimmt doch, oder? In Berlin wurde sie jedenfalls entdeckt und startete ihre Karriere. Ich möchte folgende Theorie in den Raum stellen: Wenn Hagen bloß ein bisschen schöner und glamouröser wäre, dann wäre Nena nicht nach Berlin geflüchtet und uns wäre „Kleine Taschenlampe brenn“ erspart geblieben.

Es ist mal wieder angebracht, kräftig zu lachen. Nena läuft gerade im Radio. Da ich jetzt nicht mehr in Lage bin, viel zu sagen, wird an dieser Stelle wohl das Ende dieses Beitrages sein.

Ergänzend möchte ich noch erwähnen, dass Jan Weiler am 07. Februar in der Universitätsbuchhandlung Jena eine Lesung (aus „Antonio im Wunderland“) hält.