Ich denke viel nach, philosophiere. Das kann verurteilt oder als besondere Kunst angesehen werden.
Enttäuschung ist die Mutter der Philosophie. Dieser kurze Satz trifft wohl ohne Frage zu, sogar nicht nur bei mir. Philosophie fängt an, wo Wissenschaft aufhört und Unerklärliches zur Weisheit werden soll. Ich suche nach Gewissheit, möchte Gegensätze überwinden und nach Entzweiung streben.
Verlaufen die Gedankenstränge erfolgreich, so weiß man mehr. Jedenfalls auf einer anderen Ebene.

Und los gehts: Thema Freundschaft
Bis vor langer Zeit habe ich fest daran geglaubt, Freundschaften seien unsterblich. Zumindest sollte dies bei engen langjährlichen zwischenmenschen Beziehungen so sein. Man wünscht es sich. Ich vertrat diese Meinung, da ich intensive Freundschaften nur aufbaue, wenn ich mir bei dem Gegenpart sicher bin, ihm vertrauen zu können und mich in vielerei Hinsicht verstanden fühle. Später sollte dieses Gefühl von gewissen Geborgenheit ergänzt werden. Die Entwicklung einer Freundschaft kann sich über Jahre erstrecken oder innerhalb von wenigen Wochen am selben Entwicklungspunkt sein, wenn alle Abhängigkeiten erfüllt bzw. durch einen günstigen Lebensabschnitt positiv beeinflusst werden.

Freundschaft kann eine zweck- oder interessensgebunde Kameradschaft sein. Oder sie beruht auf eine wesenhafte übereinstimmung und gegenseitige wertschätzende Gemeinschaft zweier Personen. Im ersten Fall verbringt man wiederkehrende Zeitpunkte miteinander, beispielsweise in der Schule oder auf Arbeit. Es kommt bei Kameradschaften in der ersten Linie auf die Verschönerung der zwangsweise mit einander verbrachte Lebensphase an. Oft werden viele Gespräche geführt, diese aber oberflächlich. Der Mensch dahinter ist uninteressiert und bleibt verborgen. Anders bei – ich möchte sie so nennen – wirklichen Freundschaften. Hier zählen Zuneigung und Schätzung der Freunde. Ich persönlich bin sehr offen und freue mich, neue Menschen kennenzulernen. Der Mensch Martin bleibt diesen allerdings meist lange Zeit verborgen. Das geschieht hauptsächlich als Selbstschutz. Wenn sich eine Beziehung zweier Menschen so entwickelt, dass man sich immer mehr mehr wird und die Meinung sowie der Rat des anderen wichtig ist, dann ist dies der Beginn einer Freundschaft. Auch die beste Freundschaft erfährt Spannungen und Konflikte. Es hängt von der Bereitschaft beider Seiten ab, sich diesen Konflikten zu stellen und sie konstruktiv zu lösen, ob die Freundschaft daran wächst oder zerbricht. Dazu gilt es, Konflikte rechtzeitig zu erkennen und die kommunikative Kompetenz zu entwickeln, die Konflikte zu bewältigen.Es gibt nichts umsonst. Auch nicht in Freundschaften. Denn was den Gewinn einer Freundschaft ausmacht, kann sie zugleich auf die Probe stellen. Freundschaften sind keine normalen Beziehungen. Freundschaft heißt Intimität – Freunde erwarten Unterstützung, Gesellschaft und Engagement. Freundschaft heißt Freiwilligkeit – Freunde gewähren sich einen Verhaltensspielraum, der größer ist als in anderen Beziehungen und Freundschaft heißt Zerbrechlichkeit. Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen.
Eine Freundschaft geht in die Brüche, wenn man aufhört, miteinander zu reden. Nun stellt sich die Frage, ob man seinen Freund wirklich kannte.