Ein schönes Wochenende beginnt am Freitag.
Nach der vorerst letzten Klausur am Morgen, fiel mir ein gigantischer Felsbrocken vom Herzen. Nach circa genau 45 Minuten war die Anspannung weg. Plötzlich fühlte ich mich total leer, ohne unmittelbaren Ziel vor Augen. Ein wirklich komisches Gefühl. Der erste Schritt führte uns in die Mensa zu einem Besprechungskaffee. Wir klärten den Verlauf der vergangenen Arbeiten und stellte uns Fragen für die Zukunft. Ein wichtiger Schritt war im Anschluss der Besuch des Café Extrablatt auf dem Friedrich-Ebert-Platz. Gegen 10 Uhr genehmigten wir uns das erste Weißbier. Ein sehr angenehmes Ambiente kam auf. Irgendwie war es komisch, um diese Zeit schon so zahlreich Schulkinderchen in einem Kaffeelokal aufzufinden. Es waren zu 90% Mädels, deswegen war es nicht ganz so schlimm. Ich kam mir zwar wie ein Alkoholiker vor, so früh schon anzustoßen, aber der Tag hat es verdient. Denn es ist ein schöner Tag.
Nach einigen Stunden machten wir uns auf den Nach-Hause-Weg. Wegen leichtem Kopfkribbeln musste ich mich etwas hinlegen. Ich schlummerte also während tolle Talkshows liefen langsam vor mir her. Später machte ich mich total müde und fertig los, um wie abgemacht rechtzeitig in Herne zu sein. Seit langem mal wieder darf ich einen tollen Abend verbringen. In der S-Bahn las ich ein wenig in meiner Zeit und ignorierte durchgeknallte Punks beim Randalieren. Ich dachte mir, dass ich sowieso nicht viel machen kann, wenn sie nichtmals der bahneigene Sicherheitsdienst besänftigen kann. In Bochum angekommen musste ich wegen Bauarbeiten auf eine andere mir noch unbekannte Buslinie ausweichen. Ich hatte ungefähr eine halbe Stunde keine Ahnung wo ich bin oder hinfahre. So macht Reisen Spaß. Ich freute mich, neue Ecken des Ruhrgebiets kennenzulernen. Hab zwar schon viel schönere gesehen, aber ich bin auch nicht im Paradies. Ich finde es immer sehr erstaunlich, wie dumm die Jugend doch ist. Da frage ich mich echt, ob diese Wesen noch über ein Gehirn verfügen. Was da für Sprüche von sich gelassen oder Passanten angepöbelt werden, kennt keine Grenzen. Ich strebe eine Zwangseinweisung aller Hauptschüler an. Wie kann man nur so menschenverachtend sein, wenn man sich selbst als ein solchen sieht? Und wahrscheinlich auch noch als besonders Geilen.
Etwa 20 Minuten später als geplant, kam ich wohlbehütet an. Es ging direkt zum wichtigsten Teil des Tages über, dem Abendessen. Ziemlich gehetzt wollte Tim dann sofort zu Harke, um die Stimmung durch erhöhten Alkoholkonsum zu erhöhen. Nicht mit Martin. Nach den ersten paar Schritten, fiel mir ein, dass ich meine Wasserflasche vergaß. Das darf nicht sein, wenn es keine antialkoholischen Getränke gibt. Also zurück. Der zweite Anlauf folgte. Auf halber Wegstrecke fasste ich mir in meine Jackentasche. Es fehlte natürlich wieder etwas. Es war das für diesen Abend so wichtige persönliche Genussmittel. Eine Zigarre aus Polen. Nein, Quatsch, ich mag Independence. Ich konnte Tim zum Umdrehen überreden. Das hob die Stimmung auch schon ohne jeglichen Prozente. Jedenfalls bei mir, ich glaube, mit dieser meiner erstaunlichen Ruhe bringe ich die Menschen in den Wahnsinn. Den meisten Lesern wird diese Tatsache bekannt sein. Ich grüße euch hiermit und versichere, ich bin immer noch total relaxt.
Als wir bei Harke und Co. ankamen, kam mir nach dem öffnen der Tür nur eine sehenswertliche Rauchwolke entgegen. Im Chor erlang dann „Anzeige!“. In Andeutung an meine damalige Konversation mit den Herner Türstehern, ist dieses Wort mit dazugehörigem Handzeichen wohl zum Kult herangereift. Zwar enttäuschte ich sofort mit meinem Vorsatz, nur wenig Alkohol zu trinken, aber mein Ich wird mir es danken. Die Atmosphäre war sehr wohlwollend. Leider waren Tim und Ich etwa 2 Stunden zu spät. Wir machten uns als unheimliche Toastbrot-Gang sofort auf den Weg zur Vorabi-Party. Das Benehmen bestimmter 22-jähriger junger Männer fande ich zwar unter aller Sau. Jedoch kennt man das ja von der „Herner Jugend“ nicht anders. Das soll nicht als Pauschalisierung wirken, sondern eher an denselbigen Spruch erinnern.
Dort angekommen fühlte ich mich direkt richtig. Ich konnte die mir bekannten Türsteher nur noch auslachen, aber da folgte später noch mehr. Ich nahm mir vor, die Feierlichkeit aus besonnenem Blickwinkel hauptsächlich zu beobachten. Ich tanzte, trank hier und da schlechte gemixte Drinks – verbrachte einen ruhigen warmen gelungenen nüchternen Abend.
Was war bloß mit Steffi los? Warum hast du mir ständig in den Magen geschlagen oder mir Arschtritte gegeben? Teilweise dachte ich, mein Magen muss sich dadurch oral entleeren. Die Rache kommt bestimmt. Werd mal ein ernstes Wort mit Bevollmächtigten reden müssen.
Der Freitag wirkte zusammengefasst wie eine Erkenntnistour. Erkenntnis steht äquivalent für Wiedererinnerung und davon hatte ich einige. Sogar greifbare. Bereits zur Anreise begegnete ich Nicola (*grins*), später folgten Christina („Hi.“) und verblüffenden ähnelnden bekannter Menschen. Sogar die werdenden Frauen von Schwimmbadbesuchen des letzten Jahr waren anwesend und lächelten heiter wie ich durch die Gegend. Als mich ein Mädel ansprach, dachte ich, mir steht Jenny gegenüber. Der Wahnsinn, daraufhin musste ich mich erstmal setzen. Wenig später folgte der Grease-Soundtrack und der nachdenkliche Martin war fertig. Ich konnte kaum noch klar denken und war versunken. Nun war ich damit beschäftigt, ausschließlich die Leute zu beobachten. Küsse, Streit, Schläge, Fälle. Besoffene heitere oder ernste traurige Menschen. Dazwischen gab es wenig.
Kurz vor vier war die Veranstaltung dann eigentlich beendet. Die letzten Durchgeknallten rockten die Tanzfläche. Martin versuchte, den gut gelaunten Tim nach Hause zu bewegen. Der Heimweg pausierte dann noch kurz beim Dönermann um die Ecke. Mehr gab es nicht. Gute Nacht.

Ich nahm mehr mit als bei meiner letzten Anwesenheit. Das ist besser so. Beweist erneut die Richtigkeit meiner diesjährigen Vorsätze.