Die Bedeutung dieses Wortes geht je nach Verwendung weit auseinander. Ich wollte mich heute Abend endlich wieder mit Melanie treffen. Aus diesem Grund bin ich bereits am Freitag nach Jena gefahren. Nach der letzten Vorlesung und einem schnellen genüsslichen Mittagessen ging es los, ab ins Paradies. Die erste schockierende Ernüchterung meiner Fahrt kam an der Autobahn-Auffahrt Hagen-Nord. Stau. Vorwärts bewegte es sich nur langsam. Aber gut, noch ist der Tag ganz jung, Zeitenge und Stress sind mir sowieso neuerdings fern. Ich rollte bis nach Werl eigentlich nur im 2. Gang vor mich her. Die Laune wurde währenddessen mit dem zweiten Album von Silbermond („Laut Gedacht“) auf den Höhepunkt zu bewegt. Der Stau vor Kassel war da auch keinerlei Bremse. Als dann vor Jena der Verkehr erneut zum Erliegen kam, war schon gut an Stillstand bewegt. Der einzige Unterschied war das tolle Wetter. Im Thüringen war im Gegensatz zu den westlichen Ländern Hessen sowie Nordrhein-Westfalen herrlich blauer Himmel, kräftiger Sonnenschein inklusive. Ich bin schon lang nicht mehr Oberkörper-Frei gefahren, beziehungsweise eigentlich gestanden.
Um noch in Ruhe ein wenig zu lernen, habe ich ein großes Zeitfenster zwischen der (nicht festgelegten) Ankunftszeit und dem Treffen gelegt. Mit so viel Störungen rechnete ich nicht wirklich. Ich kam dann nur noch dazu, mich ins Paradies zu setzen, die Sonne zu genießen und nötiges Lebenselexier einzukaufen. Zeit für meine Zeit blieb natürlich auch.
Dann war es soweit, das Wiedersehen. Irgendwie war es was Besonderes, weil wir uns außerhalb des Friseursalons schon lange nicht mehr intensiv unterhalten konnten. Dass wir bei unserem Rundgang über das Jenenser Frühlingsfest zufällig Tim trafen, war das verrutschte i-Tüpfelchen. Irgendwie witzig.
Mit Melanie war ich noch in einer chilligen Bar in der Wagnergasse und sah dort die kleine Christina wieder. Eine Erinnerung nach der anderen platzte da in den Film. Nach einer tollen Unterhaltung mit Melle, brachte ich sie zum Auto und machte daraufhin mit Tim die Leute nervös. Wir hatten großen Spaß. Ich glaube, ich hatte noch mehr als er. Denn seine derzeitige Freundin heißt Anika. Irgendwo in meinen düsteren Jenatagen ist sie mir auch öfters begegnet. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir uns über sie lustig gemacht haben. Aber Zeiten ändern sich, wa? Nicht nur, was Meinungen angeht, auch Personen haben sich gewandelt. Einstige Traumfrauen schleppen nun eine Büffelhüfte hinter sich her. Unschön. Ich mag diesen Ausdruck, obwohl er weh tut, wenn man ihn hört.
Spät in der Nacht lief ich nach Winzerla zu meinem Auto und beruhigte noch irgendwelche Spinner, die gerade Werbeschilder eintraten. Spontan entschied ich mich dafür, bei der Lobdeburg noch ein paar Minuten die Augen zu schließen. Es war schön, endlich wieder in der Nähe dieser Ruine zu sein. Nein, ehrlich, ich verbinde sehr viele schöne Dinge damit. Zum Beispiel auch einen qualvollen Aufstieg im Winter mit Sandra. Ich glaube, es hat ihr sogar ganz gut gefallen.
Aufgrund meiner in dieser Woche getankten Energie und der Vorfreude auf den morgigen Tag kam ich nicht so richtig zur Ruhe. In solchen Fällen hilft die Zeit. Sie ist auch um fünf noch für dich da.

Jetzt dauert es nicht mehr lang bis zum Frühstück mit Tina…