Um das vorweg zu nehmen. Ich habe es gelassen.
Samstag habe so richtig ausgeschlafen. Nachdem ich gegen halb 10 aufwachte und ein entspannendes Bad nahm, fühlte ich mich wie neu geboren. Danach setzte ich mich bis 14 Uhr an den Küchentisch und las in aller Seelenruhe meine Zeit. In den vergangenen Wochen kam ich leider nur selten dazu, ausgiebig meine Lieblingslektüre zu verschlingen. Es dauerte nur einen Wimpernschlag, dann war Anstoß des Regionalliga-Spitzenspiels zwischen dem VfB Lübeck und dem FC Carl Zeiss JENA. Jedenfalls hat mich meine Wochenzeitung so gefesselt, dass die Stunden nur so an mir vorbeizogen.
Das wichtige Fußballspiel kam für den FCC aufgrund vieler Krankheitsfälle und dem gesperrten wichtigen Kapitän Ziegner nicht wie geplant in Gang. Die Norddeutschen legten mit ordentlich Zahn vor und bedrängten die Zeissianer. Deren Abwehr allerdings ist mit dem Torwart als Schlussmann undurchdringbar. Jena hatte super Chancen, konnte die aber genauso wenig wie der Gegner für sich nutzen. Das Ergebnis war ein gerechtes 0:0. Der FC Carl Zeiss hat die Möglichkeit, 3 Spiele vor Schluss der Saison aufzusteigen, leider nicht nutzen können. Dafür klappt es dann nächste Woche mit überfüllten Ernst-Abbe-Sportfeld gegen Fortuna Düsseldorf.
Nach dem Spiel hatte ich großen Drang, mich selbst sportlich zu betätigen. Für 2 Stunden tat ich also etwas für meine Fitness. Meine Laune stieg zu dem Zeitpunkt unerklärlich weit nach oben. Ohne das zu ignorieren, genoss ich meine Stimmung. Wieder zu Hause machte ich mich noch fertig für die heutige Geburtstagsfeier von Katharina und Sophie.
In Wanne-Eikel traf ich Tim, um dann gemeinsam den Veranstaltungsort „Offene Tür“ zu besuchen. Die Fahrt dahin war sehr aufregend. Wir hatten keine Ahnung, wo genau der Bus in Bochum wegen der vielen Baustellen abfährt. Nette alteingessene Bochumer halfen uns ganz gut weiter. Im Bus warteten wir geduldig auf unsere Haltestelle. Plötzlich „Die Linie endet hier. Bitte alle aussteigen.“ Das war irgendwie witzig. Ein zweiter Blick verriet, dass wir unsere Ausstiegsstelle mit der Richtung verwechselt haben. Also wieder zurück. Danach war alles kein Problem mehr.
Das Evangelische Jugendhaus, was mich im ersten Moment verunsicherte, war um 23 Uhr gut gefüllt. Die Menschen waren bereits aufgeheitert. Katharina und Meike erkannten den neuen Martin erst gar nicht wieder als ich vor ihnen stand. Vielleicht lag es auch an den Sonnenbrillen, die sie trugen. Herzlich Glückwunsch alte Frau. Sophie kannte ich bis zum Ende der Veranstalung nur vom sehen. Es war sogar ein Liveband vor Ort, welche gute Rockmusik spielte. Als ich die Lage so begutachtete, sah ich eine mir traurig erscheinende (andere) Katharina in der Ecke stehen. Das tat mir irgendwie weh, aber ihre Stimmung verbesserte sich zum Glück jede Minute. Ungewähr im selben Augenblick stand plötzlich ein kleiner Mensch neben mir, meine gute alte Freundin Christina. Ich war überrascht. Den Rest des Abends verfolgten wir uns gegenseitig. Für deine derzeitigen Probleme verweise ich gern als meinen Eintrag „Dysteleologisches Leid“. Kann auch sein, dass ich das völlig falsch verstanden habe. Außerdem vorgefallen: Viel Alkoholkonsum (von mir nicht übermäßig) und etliche Tanzstunden. Bewegt hat mich, Meike mal so richtig ausgelassen feiern zu sehen. Ich war hin und weg. Warum du jetzt rauchst, kann ich trotzdem nicht nachvollziehen. Hoffe mal, du hast deine stylische Brille wiederfinden können. Was mich besonders freute, waren die unheimlich netten ehrlichen Menschen. Auf meinem Shirt stand „H.O.T.“ – „Das stimmt so nicht.“ sagte man mir. Von Home-Order-Television noch nichts gehört? Zwischen den Buchstaben stehen bei der englischen Bezeichnung übrigens nur selten Kommatas. Bei Abkürzungen schon, aber solch Feinheiten muss man mit 16 noch nicht wissen. Das erinnerte mich an ein neulich gefallenes Kommatars. Als ich mit einer jungen Dame eng verschlungen tanzte, sagte mir sie: „Mach’s richtig oder lass es sein“. Ich wollte kein Sex auf der Tanzfläche und habe mich schnell von ihr abgewendet.
Zwischenzeitlich bin ich extra zur Bushaltestelle gelaufen, um zu schauen, wie sich die Fahrzeiten gestallten. 4:27 Uhr las ich ab. Nachdem sich die meisten Gäste verdrückt haben, kehrten wir noch ein wenig den Boden. Um den Bus nicht zu verpassen, machte wir uns rechtzeitig auf den Weg. Katharina und Sophie, eine sehr schöne Feierlichkeit!
Wir saßen auf der Bank im Buswartehäuschen. Man hat der Bus nachts eine Verspätung. Als nach einigen Minuten noch andere Nachtschwärmer dazu gestoßen sind, stellten wir fest, dass ja schon Sonntagmorgen ist. Die Folge: Es fährt noch Ewigkeiten kein Bus. Als Verzweiflung habe ich dann direkt einen Baum erklommen. Und hing dort. Zum Glück fuhr noch ein Nachtexpress, für den ich sogar wieder runterkam. Am Bochumer Hauptbahnhof war dann erstmal Schluss und die Weiterfahrt erst später möglich. Wir konnten uns noch gemütlich zum Dinner im McDonalds-Restaurant einfinden. Nach dieser Durststrecke war das gar nicht schlecht, um nicht zu sagen notwendig.
Die Fahrt ging weiter und wir schliefen ein. Schliefen. Schliefen. Und sind als Krönung für diesen Abend zu weit gefahren. Es stand uns ein weiter Nachhausemarsch bevor. Tim ist fast durchgedreht. Die beeindruckende Ruhe meinerseits hat sein Bestes dazugetan. Tina kann davon wohl ein Liedschen singen. Ich war so fertig, dass ich mich auf dem gesamten Weg irgendwo hinlegen wollte. Kurz nach sieben waren wir dann endlich am Ziel. Tim tot; Martin froh gestimmt, aber unheimlich müde. Dieser Tag kann als erfolgreich abgehakt werden. Gute Nacht.