Vor diesem Wochenende wusste ich nicht recht, wie es werden würde. Zum einen freute ich mich, zum anderen hatte ich Angst.

Freitag
13:37 Uhr war es soweit. Der RegionalExpress aus Hamm fuhr in den Hagener Hauptbahnhof ein. Für mich dabei: Madeleine & Mandy. Die Begrüßung sehr zaghaft, erste Eindrücke vom Ruhrgebiet sehr spärlich. Sie wirkten leicht überfordert und mahnten die schwere Luft ab.
Das Erste, was sie vom Leben hier mitbekamen, war der Stau auf der Autobahn als wir auf den Weg zu IKEA nach Dortmund waren. Ich kaufte mir zwei Schränke, die Beiden Pflanzen. Was hier so normal begann, sollte in den nächsten Stunden zu einem wahnsinnig fröhlichen Fest der Gedanken werden. Nach unserem Einkauf nahmen wir eine Bahn nach Bochum. Wir suchten das Bermuda Dreieck auf und unterhielten uns, beziehungsweise, ich unterhielt uns. Meine Stimmung war am Kochen und ich konnte mich, wie nur selten in dieser Gegend, austoben. Ich bin zum Spaßvogel geworden, der ich in Jena eigentlich immer war. Ich glaube zwar, das mich nichtmals Tina schon so erlebt hat, aber ich habe gemerkt, dass mir dieses Verhalten sehr gut tut. Ich habe nicht nur geschafft, die beiden Jenenser zu begnügen, sondern begeisterte auch Leute von Nachbartischen. Von Themen wie Indianer und Alkoholproblemen, ging es bis zur Definition meines Ichs. Nett, symphatisch und charmant wurde noch um einige andere Eigenschaften ergänzt: Ernst, aggresiv und kaltherzig. Wörter wie Arschloch und Alkoholiker fielen sogar. Jeder der mich ein wenig kennst, weiß sicher, wie das zu verstehen ist.
Später fuhren wir dann noch in den Prater, um abzurocken. So kann ich das bezeichnen. Obwohl ich meist allein tanzte, weil die Musikgeschmäcker zu verschieden waren, hatte ich unheimliche Freude. Im Endeffekt lag mein Puls sicher immer um die 200 Schläge/Minute. Ich habe sogar geschafft, innerhalb von 4 Stunden eine Schachtel frisch erworbene Natural American Spirit zu rauchen. Das ist zwar nur ein Viertel meiner möglichen Bestleistung, aber Rauchen ist ja auch ungesund. Deswegen versucht man sich im Alter etwas zurück zu nehmen. Sehr toll auch, wie Katharina mich mit einer Zigarette erwischte.
Zu früher Stunde gingen wir dann von einem McDonalds zum anderen, fuhren Bus, um die Zeit umzukriegen. Ich hatte noch das Vergnügen, eine Schlägerei am Bochumer Hauptbahnhof zu verhindern. Aber sonst war der Abend ganz ruhig, vor allem fast unheimlich lustig. Wir lagen dann kurz vor sieben Uhr morgens im Bett und gönnten uns etwas Entspannung.

Samstag
„Der nächste Tag“ begann für mich ziemlich früh. 9:03 Uhr, um es genau zu nehmen. Zwei Stunden Schlaf musste heute einfach reichten. Nachdem ich es schaffte, die beiden Mädels munter zu bekommen, wurde ich erstaunt. Die beiden sagten zu einander: „Kannst du mal bitte rausgehen, ich brauchte meinen morgentlichen Sex“. Ich wusste zwar noch gar nichts von meinem Bett, verhinderte weiteres allerdings durch wichtige Küchenarbeiten. Da wir alle noch mächtig k.o. waren, mwurde es ein eher gemütliche Tag. Ein Spaziergang in das Hagener Zentrum wurde zum Spektakel: „blau – Kunststelle Hagen“. Eine neue Museumslandschaft nach Emil Schumacher, ein wichtiger bundesdeutscher Kunst- und Museumsförderer, ist Grund für zahlreiche Kunstaktivitäten von Künstlern aus aller Welt. Beispielsweise wurden an einigen Häuser Stühle an die Hauswände montiert, wo dann ältere Herrschaften ab 60 in teilweise schwindelerregenden Höhen saßen. Jeder tat etwas anderes, vom Briefschreiben bis Brotschneiden und Wäschefalten war alles dabei. Was man in diesem Alter eben tut und wofür Omas/Opas eigentlich bekannt sind. Jedenfalls habe ich das so interpretiert.
Ich hörte zum ersten Mal, Hagen sieht aus wie idyllische Städte in Thüringen – konkret Weimar/Naunburg -, nur etwas größer. Sogar ein Kompliment an die Stadt wurde gemacht, weil die Straßen alle recht sauber ausschauen (Ausnahme ist, wie vielen bekannt, die Gegend um den Hauptbahnhof!). Die Feststellung, dass die Menschen hier anders, oft komisch erscheinend, sind, mache ich auch häufig. Was den Unterschied ausmacht, ist oft das Detail. Beispielsweise waren seit meinem Umzug mehr Oftdeutsche (Entfernung: 350-500km)bei mir zu Gast als Leute aus Herne und Umgebung (Entfernung: 40km), obwohl sie es natürlich seit einem Jahr genauso ankündigen. Lasst doch auch einfach mal Taten sprechen!
Da mir es der „Natural American Spirit“ wirklich angetan hat, fuhren wir zu verschiedenen Tabakläden, um mir Stopftabak zu besorgen, aber bis jetzt konnten wir nicht fündig werden. Gegen Abend liehen wir uns zwei schöne DVD-Filme aus und entspannten vor dem Fernseher. Nebenbei gab es leckeres „Becks Green Lemon“ und „Asti Cinzano“ und „Himmlisches Tröpfchen“ und…

Sonntag
Nach längerem Schlaf als in der Vornacht, frühstückten wir noch in aller Ruhe. Und dann ging es auch schon los. Die netten Thüringer verließen mich wieder.
Ich hätte nicht gedacht, dass das Wochenende so gigantisch wird. Ich bin richtig hin und weg. Danke für euren Besuch!
Was dem Abschied noch hinzugefügt werden muss, ist folgende Frage: „Wo gibt es hier die Bild-Zeitung?“