Archive for September, 2006

In den beiden Wörtern Jena Paradies steckt eine ganze Menge. Eine Stadt, ein Park namens Paradies, ein Kinofilm und sogar eine Kneipe. Fernab der Universitätsmetropole in Hamburg.
In dem schlichten, aber wunderschönen Restaurant treffen sich mittags die benachbarten Medienwerker aus dem Bauer-Verlag, vom “Spiegel”, von der “Zeit”, der “Woche” und “Mare”. Bei erstklassiger österreichisch-deutsch-französischer Küche plaudert es sich hier vorzüglich.

Jena Paradies
Klosterwall 23
20095 Hamburg

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann ich meinem enormen Drang nach dem Besuch dieses Lokals nachgehe. Übrigens ist der Kinofilm “Jena Paradies” nun auf DVD erhältlich.

Zahlreichen Projekten gegen Rechtsextremismus droht aktuell oder in naher Zukunft das finanzielle Aus. Und das hauptsächlin in Krisengebieten Ostdeutschlands. Gleichzeitig zieht die NPD in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Trotz dieser Nachrichten ist auf europäische Ebene noch unklar, ob Projekte wie mobile Einsatzteams oder Opferberatungsstellen überhaupt weiterhin gefördert werden sollen. Hat die Politik schon aufgegeben? Ist sehr unwahrscheinlich, dass genau jenes von rechten Parteien genutzt wird, oder?
Ich hoffe, dass das gestrige Wahlergebnis aus Meck-Pom die hohen Tiere in Berlin wieder wach rüttelt. Durch unseren Milliardenüberschuss stehen doch sicher für diese Sache ein paar Euro zur Verfügung. Wäre aber schrecklich, wenn jemand auf höhere Diäten verzichten müsse…

Wie lange habe ich mich vor den nächsten Tagen gefürchtet. Jetzt ist ess soweit. Die FH Südwestfalen will es wissen, aber so richtig. 4 Tage - 4 Prüfungen. Dann auch noch solch Knaller wie Elektrotechnik, Mathematik, Internes Rechnungswesen und Konstruieren.
Es kommt nicht oft vor, dass ich Angst habe (Achterbahnen mal ausgeschlossen), aber das sind wohl zur Zeit Momente, wo es öfters der Fall ist.
Das die beste Fachhochschule in Nordrhein-Westfalen anspruchsvoll ist, war klar. Dennoch konnte keiner mit diesen Ausmaßen rechnen…Nun ja, es macht auch irgendwie Spaß. Von Globalen Extrema oder RS-Flipflops habe ich langsam genug, aber interessante Dinge wie Passungstoleranzen oder Zuschlagskalkulationen helfen schnell zur Motivation.
Ich kann von mir behaupten, noch nie so viel gelernt zu haben oder es überhaupt zu müssen. 3 Wochen jeden Tag 8 Stunden, mindestens. Enorm!
Jetzt kann ich eigentlich nur noch gespannt sein, was dabei herauskommt.

War das heute ein Fußballspiel? Es wirkte, als wäre das Geschehen nicht von dieser Welt. Der Wahnsinn könnte man sagen. Solche Partien stehe ich nicht mehr durch.
Rot-Weiß Essen traf auf den FC Carl Zeiss Jena. Dieses Aufsteigerduell war schon sehr vielverspechend im Voraus. Das was die beiden Mannschaften boten, war eine helle Freude.
Bereits nach 5 Minuten führt Jena. 1:0. Wenige Minuten später ein Patzer und eine Schiedsrichter-Fehlentscheidung. Schnell stand es 2:1. Nach der Halbzeitpause ging es so richtig los. Nach einem Elfmeter legte Essen 3:1 vor. Sekunden danach zieht Jena mit dem 3:2 hinterher. Im Anschluss das 4:2 von Essen. Das Spiel schien vorbei. Jena legte nochmal einen Zahn zu. 4:3 durch einen Hammer des ehemaligen Auer Sebastian Helbig. Sensationell konnte die Mannschaft aus Thüringen den Rückstand noch aufholen. So lautete das amtliche Endergebnis 4:4. Der moralische Sieger dieser Begegnung kann nur der FCC sein. “Diese Mannschaft ist eine Bereicherung für die zweite Bundesliga. Sicher werden wir noch faszinierende Spiele sehen dürfen” meinte das DSF zum Aufsteiger.

Link zum Live-Ticker

Die Bild-Eule

Schönes Bild? Ich denke schon, wobei die Bild und der Springer Verlag schrecklich sind. Obwohl dieser Schnappschuss aufheiternd wirkt, sind die Hetzkampagnen gegeneinander im Ost-West-Thema ganz grausame Kost. Aber eigentlich gehts mir um die Straßenbahn-Haltestelle. Erstens bin ich lange Zeit keine Straßenbahn mehr gefahren, außerdem war ich Ewigkeiten nicht an dieser Haltestelle. Zwei Dinge, die mich prägten. Die ersten 12 Stunden dieses Tages widme ich diesen Gedanken. Den Rest darf dann der FC Carl Zeiss Jena mit großer Hoffnung erfüllen…

In westdeutschen Städten fand ich es immer unmöglich, auf einer Party jemanden kennenzulernen und in ein persönliches Gespräch zu verfallen. Oder sich für den nächsten Tag zum Frühstück zu verabreden, einfach weil man sich nett findet. Es geht theoretisch, aber es passiert … nie. Denn in westdeutschen Städten haben die Leute feste Freundeskreise, sie leben seit Jahren in der Stadt. Und selbst wenn sie in Wirklichkeit völlig vereinsamt sind, haben sie sich daran gewöhnt, sich zu verhalten, als hätten sie feste Freundeskreise.

Quelle: Die Zeit (Nr. 37/2006)

Besser als Heike Faller hätte ich das nicht sagen können. Ich vermisse die lockere Art und Offenherzigkeit der Thüringer, das kann man so sagen. Auch wenn ich hier bereits sehr nette Menschen kennenlernte, ist der Gesamteindruck, wenn man allein durch die Straßen läuft, sehr traurig. Das viele Leute sich außerdem mit ihren “Freunden” etwas vormachen, ist für mich erschütternd. Wenn man sie darauf anspricht, redet man wahrscheinlich zum letzten Mal mit ihnen.
Hauptsächlich würde ich mir wünschen, dass die Menschen ein bestimmten Situationen ihre sture Linie verlassen. Was spricht denn dagegen, sich einfach mit jemanden zu verabreden, den man (noch) nicht kennt?

Wenn man an den heutigen Tag denkt, springen den Menschen zwei fallende Türme an. Der 5. Jahrestag lässt alte Erinnerungen wieder frisch werden. Viele neue Dokumentationen zum Thema “Two plans have crashed into the World Trace Center” stimmen die Gemüter noch viel nachdenklicher. Dabei versucht unser Papst uns diese Tage mit seinem Besuch in Bayern so angenehm wie möglich zu machen. Bei mir schafft er es auch. Seit seinem Amtsantritt hat er an und in mir schon Einiges verändert. Wahrscheinlich schafft er es auch noch, dass ich jeden Sonntag in die Kirche gehe.
Derzeit beschäftigen eigentlich nur die zwei Themen. Das heute auch der “Tag der Deutschen Sprache” ist, vergessen dabei viele. Hiermit möchte ich dezent darauf hinweisen. Denn wie schon in einem kürzlich veröffentlichten Artikel, bin ich ein großer Symphatisant unserer tollen Sprache. Das diese ständigen Reformen unterworfen ist, nehme ich dabei in Kauf.
Jeder, der deutsch kann, hat Glück etwas Wunderbares zu beherrschen.

Der DFB-Pokal ist manchmal nicht so einfach. Außer der FC Bayern München hat so mancher erfolgreicher Verein Probleme mit ungewohnten Gegnern umzugehen. Erstrecht nicht, wenn diese nichts zu verlieren haben und ein gefülltes Stadion nur bei solchen Spielen möglich ist.
So durfte Herne gegen Erzgebirge Aue ran und Pirmasens gegen Werder Bremen. Jena traf nach dem Ligaspiel innerhalb kurzer Zeit nochmals auf den 1. FC Köln. Fangen wir mit den Überraschungen an: Bremen oder auch der TSV1860 München verloren ihre Spiele. Hansa Rostock wurde von Babelsberg heraus gekegelt. Mainz und Bielefeld sind ebenfalls bereits in der 1. Vorrunde ausgeschieden. Cottbus enttäuschte mich in Essen, aber das liegt wohl an meinen großherzigen Antipatien gegenüber dem RWE. Alle anderen Ergebnisse entsprechen den Erwartungen. Nun noch kurz zu meinem Lieblingsverein FC Carl Zeiss Jena.
“Es war ein rassiges Spiel, aber wer so viele Torchancen auslässt wie wir heute, der hat den Sieg am Ende auch nicht verdient” sagte Heiko Weber (Trainer) nach dem Spiel. Köln konnte das verlorene Punktspiel der 2. Bundesliga wieder gut machen. Jena hätte gewinnen dürfen. Ich hätte mich gefreut. Beim letzten Pokalauftritt 2004 durfte ich gegen Greuther Fürth noch live im Stadion dabei sein. Damals verlor der FCC in einer unheimlich geladenen Partie nur knapp mit einem 1:2 nach Verlängerung. Aber so langsam könnte es doch mal wieder weiter als bis zur Vorrunde gehen. Ich meine, wir haben sogar schon Borussia Dortmund im Westfalenstadion platt gemacht. Diesmal bin ich noch gnädig, da mir der Klassenerhalt in der Bundesliga wichtiger ist. Den kommenden Freitag darf Carl Zeiss gegen Rot-Weiß Essen ran. Ich hoffe, dass ich dabei sein kann…

Nachdem ich den Tag mit sinnvollen Dingen verbracht habe – Elektrotechnik und Mathematik -, folgte etwas Ausgiebiges. Mit Andreas und Lars wollte ich Wuppertal unsicher machen. Unter der Schwebebahn hindurch, fuhren wir zur Börse, einem angesagte Heavy Metal Club, wie mir freundliche Damen erzählten. Trotz der Bemerkung “Es gibt auch hübsche Männer” wollten wir die Schwarze Macht unter sich lassen. Weiter ging es zum Kitchen Club, was sich als eine gute Entscheidung entpuppen sollte. Die Stimmung war bereits auf dem Höhepunkt. Nach den nächsten Bieren wurden wir noch lockerer und die bibop Lounge immer voller. Da ich am heutigen Abend Fahrer war, nahm ich nur wenige dutzend Bier zu mir! Das Publikum wurde zunehmend interessanter. Getanzt haben wir effektiv etwa drei bis dreieinhalb Stunden. Ja liebe Mitreisenden, ich habe noch oben korrigiert! Der Abend war gelungen, geflirtet habe ich auch mal wieder ganz schön. Nebenbei noch einiges an Spirit konsumiert, aber ohne kann ich jetzt nur noch selten.
Zu späterer Stunde eskalierte der Abend ein wenig, dadurch das Verhalten einer weiblichen Person mächtig anzüglich wurde. Zwar lag das zu 99% am Alkoholspiegel, aber trotzdem muss man wildfremden doch nicht direkt seine Brüste zeigen. Witzig war sie allermal, da sie für gewaltige Stimmung sorgte.
“Bitte gib mir noch ein Wort” war dann der gelungene Abschluss eines intensiven Tanzmarathons. Raus gings. Wuppertal ist schön, die Straßen nachts fast leer. Also eigentlich alles traumhaft. Martin kann sich gut fühlen und die nächsten Tage mit Elan angehen…

Am Dienstag will Herr Schulze seine Frau endlich mal wieer eine Blume mitbringen. Das hat er sich fest vorgenommen, weil er es so lange nicht mehr getan hat. Also geht Herr Schulze auf dem Nachhauseweg am Blumenladen vorbei, um eine Gerbera zu kaufen. Die mag Frau Schulze besonders gern. Da sagt die Blumenverkäuferin zu Herrn Schulze: “Tut mir Leid, ich kann Ihnen heute keine Gerbera verkaufen. In der Blumenfabrik gab es gestern einen Maschinenfehler. Die Schneidemaschine hat alle Gerberastiele zu weit abgeschnitten. Da müssen Sie morgen wiederkommen oder etwas anderes nehmen.” Aber Herr Schulze will keine andere Blume. Am nächsten Tag vergisst er, wieder ins Blumengeschäft zu gehen. Und auch am übernächsten. Nie wieder denkt er daran, bis seine Frau sich scheiden lässt. Obwohl die Maschine wieder reibungslos läuft.

Quelle: chrismon Magazin (09/2006)