In westdeutschen Städten fand ich es immer unmöglich, auf einer Party jemanden kennenzulernen und in ein persönliches Gespräch zu verfallen. Oder sich für den nächsten Tag zum Frühstück zu verabreden, einfach weil man sich nett findet. Es geht theoretisch, aber es passiert … nie. Denn in westdeutschen Städten haben die Leute feste Freundeskreise, sie leben seit Jahren in der Stadt. Und selbst wenn sie in Wirklichkeit völlig vereinsamt sind, haben sie sich daran gewöhnt, sich zu verhalten, als hätten sie feste Freundeskreise.

Quelle: Die Zeit (Nr. 37/2006)

Besser als Heike Faller hätte ich das nicht sagen können. Ich vermisse die lockere Art und Offenherzigkeit der Thüringer, das kann man so sagen. Auch wenn ich hier bereits sehr nette Menschen kennenlernte, ist der Gesamteindruck, wenn man allein durch die Straßen läuft, sehr traurig. Das viele Leute sich außerdem mit ihren „Freunden“ etwas vormachen, ist für mich erschütternd. Wenn man sie darauf anspricht, redet man wahrscheinlich zum letzten Mal mit ihnen.
Hauptsächlich würde ich mir wünschen, dass die Menschen ein bestimmten Situationen ihre sture Linie verlassen. Was spricht denn dagegen, sich einfach mit jemanden zu verabreden, den man (noch) nicht kennt?