Was soll der Jena-Liebhaber Martin dazu sagen? Ja, vollkommen korrekt. Ich liebe tolle Nachrichten und da es von dieser Stadt eben überwiegend solche gibt, bin ich gezwungen, ständig von dessen Schönheit zu schwärmen. Da ich allein wohl noch nicht glaubwürdig genug bin, freue ich mich immer wieder, andere zu finden, die genauso begeistert sind. Zum Beispiel das Beratungsunternehmen Prognos. Die Schweizer Firma stellte ihren Zukunftatlas 2007 vor. In dieser Studie werden die deutschen Städte und Regionen nach Gesichtspunkten wie wirtschaftlicher Lage, Arbeitsmarkt und Innovation untersucht. Im Gegensatz zu den Aussagen des Ministers Tiefensee ziehen starke Städte ihre umliegenden Regionen nicht zwangsweise mit nach oben. Das kann deutlich an der Lage in Ostdeutschland beobachtet werden.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie das München der neuen Bundesländer nennen müssten, welche Stadt wäre das? 

Kaiser: Jena – auch wenn es natürlich nicht die Größe hat. Aber dort ist neben Jenoptik auch jede Menge innovative Forschung beheimatet: Bioanalyse, Lasertechnik. Dresden ist bestimmt auch ein wichtiger Wachstumsmotor, wobei da vor allem ausländische Chiphersteller wie AMD und Infineon vertreten sind, die nicht von Deutschland aus gesteuert werden.

Nachdem es Jena als die unbekannteste Vorzeigestadt Ostdeutschlands in diesem Zukunftsatlas sogar unter die Top 20 der deutschen Städte geschafft hat, wird sie wohl jedem ein Begriff sein, der etwas von Wirtschaft versteht. Die Zukunftschancen werden des Weiteren nämlich als sehr hoch eingeschätzt.

Jena: Neue Mitte 

Das Potenzial ist zwar in Deutschland noch nicht von jedem erkannt, aber außerhalb Europas, wissen zahlreiche Entscheider Bescheid. Die New York Times schreibt (hier die deutsche Übersetzung) über das derzeitige betitelte „deutsche Wirtschaftswunder“ wie folgt:

Jena boomt wie nie, weil Unternehmen wie Jenoptik, das Laser und Optik produziert, Aufträge aus China, Russland, Europa und den USA an Land ziehen. Nicht mal der steigende Euro, der immer neue Rekordstände im Verhältnis zu Dollar und Yen erklimmt – was Deutsche Exporte ins Ausland erheblich verteuert – konnte diesen Boom bisher schwächen. […] In Jena, das im 9. Jahrhundert gegründet wurde und Schauplatz eines von Napoleons berühmten Kriegen war, haben nur wenige die Zeit, sich Gedanken um die Sorgen anderer zu machen. Mit zwei Universitäten, einem Satz Forschungsinstitute und einem Gelände für High-Tech-Startups, brummt Jena wie ein transplantiertes Silicon Valley.

Nach diesen bewegenden Worten sollte jeder Leser kurz in sich kehren. Mir wird beim Lesen dieser Artikel mindestens genauso warm ums Herz wie dem Jenaer Oberbürgermeister. Die Stadt birgt wohl mehr in sich als viele fern davon ahnen. Nein, sie wissen es nicht!
Sie waren noch nie in Jena? Dann wird es aber schleunigst Zeit!

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