Ich saß schweigend, was nicht unbedingt meine Art ist, schon gar nicht, wenn ich jemanden länger nicht gesehen habe, auf der Couch und lachte mir einen bei meiner Lektüre „Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv“ von Harald Schmidt. Ich bin mir nicht sicher wie lange ich diese „Frau“, mit der kein anständiges Gespräch möglich ist, noch ertragen kann. Zum Glück ist da noch dieses Berlin, was mir so viel bietet, was Kathi in 100 Jahren nicht schaffen kann. In der City machte mir es nämlich große Freude, mich den den weiblichen Menschen Berlins zu beschäfftigen. Auch, wenn sie selbst nur zu Gast waren.
Am nächsten Morgen wollte sie zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Mein Hinweis, dass freitags Ärzte meist nur bis mittags geöffnet haben, kam nur „Das hier ist Berlin. Hier haben die Ärzte alle bis 18 Uhr auf.“ Gegen halb zwölf schaute sie nach eindringlichen Hinweis von mir doch mal ins Internet und siehe da: Sprechstunde freitags bis 13:00 Uhr. Mit großer Freude begleitete ich sie. Eine halbe Stunde vor „Ladenschluss“ erreichten wir dann die Poliklinik. Die Ärztin schickte sie nach Hause, weil sie genug von der Woche hat. Tränenüberschüttet saß Kathi dann im Wartezimmer und suchte bei mir Halt. Ich kontte leider nur grinsen. Bei der Gelegenheit konnten wir dann noch einen kleinen Abstecher zum Berliner Zeiss-Planetarium machen. Ist groß, nicht ganz so hübsch wie Bochum, aber man war halt mal da. Mir als halten Zeiss-Fan ist das eine unglaubliche Befriedigung. Wieder zu Hause angekommen, setzte sie sich vor ihren Rechner. Ich konnte mir das nicht länger mit angucken und fuhr durch Berlin. Ich machte mir einen traumhaften Tag mit netten Menschen. Das ist vil fröhlicher weiderkomme als ich gehe, wunderte sich meine Gastgeberin nicht. Auf Nachfrage, wie sie sich das Wochenende vorgestellt hat, bekam ich als Antwort: „Ich muss auf jeden Fall noch Saubermachen und kann nicht die ganze Zeit mit dir verbringen“. Vor lauter solcher Aussagen wusste ich gar nicht, ob ich lachen oder weinen solle. Meine Anmerkung, dass die Wohnung nicht sauber wird, wenn sie den ganzen Tag chattet, bekam ich keine Antwort. Muss ja auch nicht. Mein Verständnis, dass eingehende Chatfragen wichtiger sind, reicht dafür aus.
Der Grund für mein Besuch war ihre Behauptung, dass sie sich unglaublich verändert hat. Vor meiner Fahrt, rief sie mir nochmals in Gedanken, weshalb ich vor Jahren die Beziehung mit ihr beendete. Ich sagte angeblich: „Du bist nicht reif genug für mich“. Vor diesem Berlin-Aufenthalt hätte ich alles dagegen behauptet. Aber Martin du hattest recht. Unsagbar recht. Verändert hat sie sich wahrscheinlich auch, leider nicht in die richtige Richtung. Ich hätte mich sicher mit ihr gut unterhalten können, wenn ich hinter ihr ins Internet gegangen und ICQ angeschmissen hätte. Irgendwie tut sie mir Leid.