Ich hatte noch etwas Zeit, mir den Bahnhof anzuschauen und dann ging es auch direkt weiter zu Kathrin. Da angekommen war ich erstmal ziemlich schockiert. Halb neun Uhr morgens lief bereits der Rechner und sie war dabei, zu chatten. Das Gespräch mit mir wurde nur am Rande gesucht. Es bleibt ja noch genug Zeit zum Plaudern, dachte ich mir. Wenig später begleitete ich sie zur Hartz-4-Denkfabrik oder auch „Akademie für Bühnenkunst“ genannt. Vor der Schule lernte ich Senta-Sophia kennen. Auch, wenn ich nicht weiß, ob ich sie richtig schreibe, fand ich sie direkt sehr nett. Und das nicht nur, weil sie durch Star Search relativ bekannt ist. Spätestens in ein paar Wochen wird sie nach Erscheinen ihrer CD jeder kennen. Ich werd sicher mal reinhören. Für den Abend wollen wir zusammen zur Museumsinsel…

Jetzt beginnt der Tag in Berlin so richtig. Ich bin munter, eigentlich, und die Stadt kommt langsam auch in die Gänge. Es steht ja einiges bevor und das Wetter ist brilliant, um auch meine Fotosucht zu stillen. Mein erstes Ziel, wie könnte es anders sein, der Reichstag, der seit Neuestem auch unter Bundestag bekannt ist. Das Regierungsviertel Berlins finde ich sehr toll. Wenn dann auch noch Herr Steinmeyer aus dem Bundestag kommt und gerade ins Auto ansteigt als ich vorbeilaufe, erweckt das bei mir eine gewisse Nähe zum Volk. In dem Moment insbesondere zu mir. Aber ich gehöre ja auch dazu, auch wenn ich nur ein kleiner Teil bin. Dafür jedoch ein besonderer. Nach Brandenburger Tor gings für mich zu meinem gefürchteten Alexanderplatz, der mich jedenfalls bei meinem letzten Berlinbesuch etwas enttäuscht. Aber heute sollte ich verlüfft sein. Es hat sich einiges bewegt in der Bundeshauptstadt und das nicht wie anderswo zum Negativen. Die Stimmung hier ist prächtig, die Menschen offen und ich mitten drin. Das kann nur witzig sein. Das frisch eröffnete Einkaufszentrum Alexa zog mich in seinen Bann. Es kommt zwar bei weitem nicht an das umfangreiche Angebot des Centros ran, aber die Größe bestimmter Geschäfte war dennoch sehr beeindruckend. Der Media Markt erschreckt sich zum Beispiel über 4 Stockwerke. Das hat mich abschrecken können, aber bei so viel Überangebot bin ich schnell wieder verschwunden. Für mich waren die Kleidungsbestückungsgeschäfte dann doch interessanter. Und das sogar erfolgreich. Irgendwie bin ich von der Freude des Einkaufens hingerissen, es immer wieder zu tun. Wie halt metrosexuelle Männer das tun. Ich habe es sogar geschafft, noch lebensnotwendige Dinge wie Getränke und Essen zu besorgen. Das zwar hauptsächlich nicht für mich, aber was macht man nicht alles, um seine Mitmenschen glücklich zu machen. Nachdem der Nachmittag fast vorbei war, machte ich mich auf den Weg nach Adlershof, um Kathi von der Schule abzuholen. Aus technischen Problemen der DB S-Bahn Berlin GmbH war das gar nicht so leicht. Sie hat sich die Zeit mit Klavierspielen vertrieben. Zusammen fuhren wir dann „nach Hause“. Was folgte, war die grausamste Zeit seit langem. Als erstes musste meine nette Freundin sich über das Volvic Mineralwasser aufregen, was ich für sie gekauft habe. Natürlich war sie nicht zufrieden. Die von mir besorgte Salamipizza war ihr zu scharf. Das sollte jedoch nur der Anfang sein. Sie starrte ununterbrochen auf ihren PC-Monitor und stockte beim Antworten, weil sie sich auf ihre wichtigen Chatgespräche konzentrieren musste. Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Beim Einkaufen sollte jedoch direkt der Gegenbeweis angetreten werden. Ich lief mir nämlich etwas Zeit, wie das immer so ist. Das regte sie enorm auf, da sie ja unheimliche Rückenschmerzen plagten. Wenig später versank sie dann allerdings vor den dort ausgestellten exotischen Tieren. Ich wartete genügsam und natürlich leicht grinsend. Wieder zu Hause angekommen legte ich meine passend charmante Art auf und zeigte ihr auf, welche Tatsachen, nach meiner Meinung, nicht mit ihrer Einbildung zu vereinbaren sind. Ich erzählte zum Beispiel etwas von perfekten Körpern, wie ich einen habe, ohne das auf sie zu beziehen. Natürlich müssen Frauen immer alles persönlich nehmen. Zusammen mit dem geplanten Besuch von Tokio Hotel, der leider Gottes 😀 nicht stattfand, war nicht nur der Tag gelaufen, sondern das gesamte Wochenende. Von diesen Schocks sollte sie sich leider nicht mehr erholen.
Ich schon, denn ich hatte noch Berlin, um mich zu vergnügen!