Die Freude ist gigantisch, also jedenfalls in Rumänien. Die Stimmung im Ruhrgebiet ist ja immer eine ganz eigene. Aber wenn es um Zusammengehörigkeitsgefühl geht, ist der nur schwer zu übertreffen. Derzeit kann man die Stimmung als Gemeinschaftsdepression bezeichnen. Wir als Europäer sollten ja eigentlich global denken. Aber die Enttäuschung über die Entscheidung des größten Handyherstellers der Welt trübt das Europasein. Plötzlich verstummen die Meinungen über die zahlreichen Vorteile der Osterweiterung.

Gestern verkündigte Nokia die Schließung des Bochumer Werkes. Gründe des finnischen Handyherstellers sind die mangelnde Flexibilität und Kosteneinparungspotenzial im Ausland. Da reichen auf einmal schwarze Zahlen und 30% Gewinnspanne nicht mehr aus. Nachdem die Produktion im Dezember noch erhöht wurde und Überstunden geschoben werden mussten, soll das Werk von heute auf morgen geschlossen werden. Durch die mangelnde Informationsbereitschaft von Nokia, wusste keiner – nichtmals der deutsche Aufsichtsrat – Bescheid. Mit den Worten „Verhandlungsbedarf gebe es nicht“ unterschreicht Nokia die Entscheidung und wirkt um einiges unflexibler als das Bochumer Werk. Der Qualität wird das Ganze in dieser hochpreisigen Sparte wahrscheinlich nur wenig helfen. Wir als Steuerzahler können doppelt sauer sein, denn Nokia wurde während seines Deutschlandaufenthaltes mit 88 Millionen Euro von Land, Bund und der EU unterstützt. Hoffentlich hat der Konzern die Zeit hier genossen. Ich mein, man kann ja das Geld zum Fenster herauswerfen, aber Nokia war zumindesst so klug, die Gewinne in Rumänien zu investieren. Das Land lockt mit einem durch EU-Fördergeldern finanzierten nagelneuen Industriepark, der hoffnungsvoll „Nokia Village“ getauft wurden. Ein Nokia-Sprecher sagt gegenüber dem Spiegel: „Die Entscheidung finde ich keineswegs verwerflich. Sie sei lediglich ein Ausdruck von Chancengleichheit und Wettbewerb in Europa“. „Nokias große Pläne in Cluj waren seit Monaten bekannt, nur die Verlagerung der Kapazitäten aus Bochum kam überraschend“, sagt Marko Walde. Die Gesamtinvestitionen schätzen die Finnen über die nächsten Jahre auf 200 Millionen Euro.

Eigentlich wäre das die ideale Konstellation für Siemens mit BenQ-Know-How wieder ins Geschäft einzusteigen und das Bochumer Werk zu übernehmen. Der Staat wäre mit Fördergeldern sicher wieder dabei. Jedenfalls würde die trostlose Bahnstrecke zwischen Bochum und Wanne-Eikel keine tolle Haltestelle verlieren…

Die „durchdachte“ Entscheidung finde ich für meinen Teil sehr verwerflich und hoffe sehr, dass der Umsatz in Deutschland etwas zurückgeht und die Leute nicht morgen direkt vergessen, wie der Großkonzern die Politik und hier lebenden Menschen verarscht hat.
Im Ruhrgebiet fliegen Nokia Handys aus den Fenstern, Ärger und Wut können schwer verborgen werden.