Nach einem recht theoretischen Tag in der Personaldiagnostik sollte es gediegen feierlich werden. Es begann ein gewöhnlicher Samstagabend, Lars und ich begrüßten sogar einen Ehrengast, die liebe Gloria.
Lars und Glori kamen gemeinsam aus Gevelsberg zu mir. Wir wollten den Abend gemütlich starten – etwas Trinken und Plaudern – um im Anschluss weiter nach Bochum zu ziehen bzw. zu fahren. Wir hatten endlich mal Gelegenheit über die wichtigen Dinge des Lebens zu sprechen: Glori’s Psyche, Lars‘ Sexualdrang, meine Liebe zu Kindern. Nach eins zwei Gläsern startete die Fahrt dann los, dabei fiel der kurze Zwischenstopp an Lars‘ Baum kaum auf.
Wir parkten direkt im City Parkhaus in der Innenstadt Bochums was sich später noch als extrem wichtig herausstellen sollte.  Verbunden mit der erhöhten Vorfreude auf einen schönen Abend ließen wir alle Gedanken im Auto und los gings. Unser erstes Ziel sollte die frisch eröffnete Hooters-Bar sein. Langweilig. Wir waren übertrieben gesagt 10 Sekunden im Laden und kehrten ihm dann unserem Rücken zu. Die überfüllte Kneipe ohne Charme war nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Wenn ich jetzt schreibe, dass wir im Anschluss den Weg ins Zensi aufsuchten, werden Kenner laut lachen. Aber genau das ist unser Klientel gewesen – ganz wichtig: Unser Klientel für DIESEN Abend. Dort hält man es neben den 16-Jährigen Besoffenen nur genauso vollgedröhnt aus. Wir tranken zwar gar nicht so viel, hatten dennoch eine Menge Spaß. Es war ein toller Tanzabend in geselliger Runde. Da alles Schöne auch immer ein Ende hat, wollten wir es nicht künstlich in die Länge ziehen und traten den Marsch zum Parkhaus an. Was uns da bot, überforderte uns alle im ersten Moment. Irgendwie hatten wir nämlich das Problem, dass das Parkhaus über Nacht schließt und am Sonntag erst um 6 Uhr wieder öffnet, was uns jedenfalls durch die Sprechanlage gesagt wurde. Es entstand ein kurzzeitiges Problem. Die Lösung, wir fahren schnell zu mir und holen das Auto dann am nächsten Morgen in Ruhe. Soweit so gut. Am Bochumer Hauptbahnhof hatten wir Glück, unser Zug sollte direkt fahren. Also schnell ein Ticket gelöst und dann zum Gleis (Wichtig: Nicht Bahnsteig). Was wir dort sahen, wollten wir nicht glauben: 35 Minuten Verspätung. Und das 3 Uhr nachts. Naja, scheinbar noch viel Verkehr. Das folgende Problem, Anschlusszug in Dortmung wäre nicht mehr zu schaffen gewesen und ein Warten bei gefühlten -25°C war unerträglich. Gut, nun können wir die Zeit bis das Parkhaus öffnet auch noch warten. Wir setzten uns also in ein Burger-Fachlokal (Konkurrenz von dem üblichen McDonalds und Burger King) und vertrieben uns die Zeit mit Essen. Lars war drückte seine entstehende Müdeigkeit immer mehr mit geschlossenen Augen und interessanten Atemgeräuschen aus. Irgendwie glaubten wir den Frieden nicht und gingen nochmal zum Parkhaus, um die letzte Möglichkeit für eine frühere Nach-Hause-Fahrt auszuloten. Was Glori und mir dort dann bot, war die Krönung der Nacht. Das Parkhaus öffnete nämlich erst um 10 Uhr. Die Freude war groß, die Wartezeit von 6 Stunden allerdings um einige zu lange. Auf dem Weg zurück zum schlafenden Lars fiel mir dann auch noch auf. Ich habe ja mein Haustürschlüssel im Auto gelassen, so wäre auch die Fahrt mit dem Zug zu mir spätestens am Hagener Hauptbahnhof in der Bahnhofsmission geendet. Wir wollten die lange Wartezeit nicht in Kauf nehmen und fragten kurzerhand bei einem nahestehendem Hotel nach, ob sie uns nicht Unterschlupf gewären wollen. Um diese Zeit ist das nämlich auch in der Ruhrmetropole genauso unsicher wie die Parkhaus-Öffnungszeiten. Allerdings kam diese katastrophale Nacht an dieser Stelle eine gute Wendung. Wir konnten einziehen, auf gings zu dritt ins Doppelzimmer. Endlich konnten wir nackt durch die Gegend springen, draußen war es an diesem Abend leider zu frisch.
Es war eine torbulente Nacht, die durchaus Geschichte schreibt. Sowas kann man nicht so schnell vergessen. Die einzige Konstante an diesem Abend war uns glänzend gute Laune, nichts konnte uns aus der Fassung bringen. Und zu guter Letzt kann man im warmen Hotel bei einer gemütlichen Gute-Nacht-Zigarette nochmal herzhaft darüber lachen. Ende gut, alles gut.