Wer ist eigentlich Kant, fragte ich mich vor diesem Tag. Kant ist Philosoph, allerdings hat man als ausgebildeter Informatiker wenig mit dessen Richtung zu tun. Man könnte sagen, gar nichts. Umso mehr stieg die Spannung vor der Veranstaltung am heutigen Tag. Meine 1. Philosophie-Vorlesung. Prof. Gabriel sollte mich durch die 90-Minuten führen. Ich bin begeistert, ausgestattet mit Blatt und Stift will ich mir das wichtigste für mein Leben und Zündstoff für die zahlreichen nachdenklichen Stunden notieren.
Die Vorlesung war toll, Kompliment an den Professor der selbst einen philosophischen Greenhorn wie mir, die Sache zum Faszinieren näher brachte. Ungefähr jede Aussage über Kant wurde mit Zitaten passend dargestellt und bewiesen. Eine Aussage von Prof. Gabriel fand ich besonders anregend:

Wenn man was sagst, muss man die Wahrheit sagen, aber man muss auch nichts sagen.

Das möchte ich unkommentiert stehen lassen. Weitergehend sagte der Professor „Nitsche schreibt so schön, dass er kaum wahr sein kann“. Im Sinne von, einfache angenehm zu lesende Lektüre kann einen selbst nicht fördern. Erst, wenn man nach jedem Satz tief durchatmen muss, liest man das richtige. Mit dieser interessanten Sichtweise sehe ich die Standard-Lektüre für Wirtschaftsstudenten, den Schierenbeck, plötzlich aus anderem Licht. Wahrscheinlich kann man die Schriften nicht vergleichen, aber an der Aussage ist etwas dran.

Die Leute, denen ich nach der Veranstaltung meine Begeisterung schilderte, waren natürlich ungläubig. Das werden sie allerdings nur bis in 14-Tagen bleiben, denn da findet die nächste Vorlesung statt 😉
Dennoch war das Göttlichste an dem Tag die Heimfahrt…