Warum nicht?
Am Wochenbeginn musste ich beruflich nach München. Also bin ich Montagnacht 4:30 Uhr aufgestanden, um kurz nach 6 Uhr den ICQ zum Münchner Hauptbahnhof zu bekommen. Um die Wartezeit zu meiner U-Bahn zu überbrücken (Man kennt sich ja mittlerweile aus), blieb Zeit, eine Fahrkarte zu lösen und im überteuerten Kaffeehaus Pads für die Senseo-Maschine im Büro zu besorgen. Schließlich will man ja selbstständig existieren können und nicht immer von anderen abhängig sein. Das dachte ich jedenfalls in dem Moment, musste jedoch feststellen, dass man zum Kaffeetrinken im Idealfall auch noch eine Tasse benötigt. Obwohl ich zu spät zur Besprechung kam, blieb genug Zeit. Nach einer Stunde wurde natürlich auch wieder eine Pause fällig. Unfreiwillig selbstverständlich, aber Mittagessen beflügelt ja. Von daher nutzt man die Gelegenheit.

Nach geschaffter Arbeit machte ich mich auf den Weg zum Hotel. Zentrumsnah heißt nicht immer was Gutes, außer vielleicht, dass man nah am Zentrum ist. Ich bin im türkisch roten Bezirk gelandet, was nicht unbedingt schlimm sein muss. Es erinnerte nur an eine bekannte Gegend um den Hauptbahnhof in Hagen. Davon lies ich meine Stimmung nicht trüben, dass schaffen ganz andere. Spontan verabredete ich mich mit Lars. Nach einem Imbiss, machte ich mich zum Treffen an der Münchner Freiheit. Mit der Bezeichnung als solches konnte ich nicht viel anfangen. Dort angekommen, erinnerte ich mich an einen Weihnachtsmarkt im Dezember. Und siehe da, ein paar Meter gegangen und meine Erinnerung bestätigte sich. Hier nahm ich doch direkt um die Ecke im Black Bean ein Kaffee zu mir. Gut, dachte ich. Lars kommt sowieso später. Auf zum Coffee Dealer meines Vertrauens. Als ich den ersten Schluck meines HeiCaps zu mir nahm, klingelte auch schon das Handy. „Lars? Seit wann bist du pünktlich?“  Lars war am Karstadt und wollte zum Black Bean kommen. Ich wollte ihn ein paar Meter entgegen gehen. Es handelte sich um eine Distanz von etwa 100m. Verfehlen kann man sich nicht, dachte ich. Kurze Zeit später klingelte wieder das Telefon. „Martin, wo bist du?“ – „Ich bin vorm Karstadt – Wo bist du?“ – „Black Bean.“ – „Bleib, wo du bist, ich komme zu dir“. Sicherlich dachte Lars dasselbe wie ich, entgegen gehen, kann ja nicht scheitern. Das tat es dennoch. Dieses Spiel spielten wir 3x. Man könnte sagen, total kaputt oder einfach: Lars und Martin. Wir können noch immer nicht sagen, wie wir das geschafft haben. Aber es war köstlich und der Beginn eines witzigen Abends. Denn unser nächstes Ziel lautete direkt: Hofbräuhaus. Auf auf, der Abend kann noch einiges bieten. Und hoffentlich etwa Ablenkung der süßen Verführung aus dem Westviertel. Im sommerlichen München war es unmöglich, im Biergarten ein Platz zu bekommen. Von daher musste wir uns überhitzte Haus. Im obersten Stck war es auch etwas ruhiger und vor allem angenehmer, was die Temperatur angeht. Wir erzählten, wanderten nach draußen. Zurück und wieder nach draußen. Die einzige Konstante des Abends war das ständige Gespräch. Frauen am Nachbartisch machten Fotos von Lars und mir. Als er auf Toilette war, konnte ich in Erfahrung bringen, was der Grund dafür war. Es handelte sich dabei um weiblichen Dänen (Däninnen sieht schrecklich aus), die von Lars Hut begeistert waren und uns beide für extrem untypische Deutsche hielten. In diesem nur kurzem Gespräch wurde mir bewusst, was die Englischseminare an der Uni bringen: Nichts. Das ist enttäuschend, wenn man weiß, was Oxidationsbeschleuniger heißt, aber im „normalen“ Gespräch die Vokabeln fehlen.
Da wir beide morgen wieder arbeiten mussten, war es sehr schön, aber nicht so intensiv. Jedenfalls, was die Dauer angeht. Auf dem Weg zur U-Bahn wollte ich noch fix eine Mitarbeiterin des Hard Rock Cafe’s in die nächste Bar einlafen, aber Lars bewahrte mich vor Schlimmeren. Nein, ganz ehrlich, sie wollte nicht mitkommen – „Ich muss leider noch arbeiten“. Schade, ich habe keine Zeit zu warten…

Im Hotel angekommen, telefonierte ich noch kurz mit Sarah und ließ mich dann recht schnell zur Ruhe. Die Feststellung des Abends war: „Hüh oder hott“ und „eine Maß zieht sich ganz schön“.