Es ist Freitagnachmittag. Geplant ist die Fahrt nach Nürnberg, auf gehts zum Treffen der Francoian Group der CS. Nach einem Telefonat mit Tina, die vorhatte, genau das zu besuchen, fuhr ich spontan mit. Bei meiner aktuellen psychischen Situation tut jede Ablenkung und Neuerung gut. Ich wusste weder, wo ich während der Tage nächtige, noch was überhaupt passiert. Die Spannung war entsprechend groß.
In Jena traf ich mich mit Tina im schönen Jenertal. Wir wollten über Jena-West nach Hermdorf fahren, um von dort aus mit einer Mitfahrgelegenheit nach Nürnberg zu fahren. Der Plan stand. Aufgrund einer recht intensiver Unterhaltung, zu langem Essen und Trinken, gereit der Plan schnell in Gefahr. Zu beachten ist dabei, dass uns 3 Stunden zur Verfügung standen. Da ich noch eine Regenjacke von zu Hause holen wollte, fuhren wir nochmal schnell ins Hotel. Danach wollten wir zur Neuen Schenke, um den  nächsten Zug in Richtung Zwickau zu nehmen. Das war aufgrund entstandener Zeitverzögerung nötig. Auf dem Weg zum Bahn-Haltestand in Jena-Süd stellten wir schnell fest, dass wir auch diesen Zug nicht schaffen können. Wichtig. Die rasche Planänderung besagte, dass wir nun mit der Straßenbahn nach Göschwitz fahren und dort den direkten Nachfolgezug zu nehmen.  Ein Hoch auf die gute Bahn-Infrastruktur in Jena. In diesen Zug konnten wir dann auch tatsächlich einsteigen. Wie sich vermuten lässt, war die Stimmung zu diesem Zeitpunkt schon recht gut. Durch unsere verzögerte Abfahrzeit in Jena waren wir pünktlich in Hermsdorf. Der Zeitpuffer war dahin, aber im Nachhinein auch gar nicht nötig. Der Dr. Biologe aus Nürnberg kam wie besprochen und los ging die Fahrt. Der nette Herr im mittleren Alter war ein echt guter Gesprächspartner. Er stammt aus Mainz und erzählte wie sich sein We über Nürnberg nun nach Mitteldeutschland (eine Nachbarstadt Jenas) verschlug. Entgegen des Trends fährt er aus dem „Westen“ jede Woche ins Grüne Herz Deutschlands. Ihm gefällt genau das an der Gegen wie mir, die traumhaften fazettenreiche Landschaft und die bunten aufgeschlossenen Mensche. Er fühlt sich zwar ins Jena durch die zahlreichen Studenten immer wie Kindergarten, aber mag die Stadt extrem gern, sodass seine in Nürnberg wohnende Familie regelmäßig ins Saaletal kommt. Die Zeit verging schnell und nach nichtmals 2h waren wir plötzlich in Nürnberg.

In Mögelsdorf angekommen, war unser erster positiver Eindruck: In Nürnberg gibt es noch kostenfreie öffentliche Toiletten. Danach aßen wir erstmal etwas. Freundliche Jugendliche waren uns behilflich, das richtige Ticket zu besorgen. Nach der Nachfrage in einer einfahrenden Straßenbahn, bestätigte uns der Fahrzeugführer die Auskunft und sagte: „Wenn ihr euch fix das Ticket am Automaten holt, warte ich solange“. Toll, oder? Wir lösten also das Ticket, drehten uns in Richtung Straßenbahn und 1m vor der Tür, fuhr die Bahn ab. Naja, dann vielleicht doch nicht so toll. Wir hatten also wieder etwas Zeit und tranken den schlechtesten Kaffee der Welt. Zumindest war die Bedienung sehr freundlichen und erzählte offen über ihren Arbeitgeber.
Ziemlich entspannt nahmen wir irgendwann eine Bahn zum Hauptbahnhof. Dort angekommen, standen wir auf dem Bahnhofsvorplatz ziemlich unwissend, wie es weitergehen soll. Wenn man die Beschreibung zum Treffpunkt unseres Hosts (Gastgeber) vergisst, ist es ohne jeglichen Anhaltspunkt schwierig. Tinas Mum gab uns dann übers Telefon eine kurze Wegbeschreibung. Die Nünberger Bürger halfen uns beim Finden der Straße. Dumm nur, dass die Beschreibung falsch war und wir in die entgegengesetzte Richtung liefen. Also, schnell das Notebook hochgefahren und dank UMTS nochmal fix die Wegbeschreibung nachgeschlagen. Die war simpel und eigentlich konnte nichts mehr schiefgehen.  Auf der Straße vor dem Ziel sollten wir laut Google Maps rechts abbiegen. Wir konzentrierten usn auf die Seite, waren jedoch nach einer ganzen Weile statt am Zielort am Ende der Straße. Gut, das Imperium Google funktioniert nicht immer einwandfrei. Wir vertrauten also wieder auf Passanten und uns einen Marathon prognosizierten. Blöd, aber wohl nötig. Nach einem kurzem Telefonat mit unserem Host Pio waren wir sicher und der Rest des Weges Formsache. Denkt man gar nicht, aber das zeigte bereits in diesem Moment, dass Wochenende soll etwas Besonderes werden.
Der erste Eindruck unseres Gastgebers war sehr positiv. Die offene Art und interessante Persönlichkeit gefiel mir auf Anhieb. Ich konnte mich direkt sehr wohl bei ihm fühlen und war für den restlichen Zeitraum sehr optimistisch. Und seine Wohnung ist toll, mit herrlichen grün-bepflanzten Balkon, der gut über das (türkische) Arbeiter-Viertel am Rande der großen Siemens-Werke hinweg täuscht.
Nach den ersten Kennenlern-Minuten ging es recht schnell los, auf zum BBQ, dem offiziellen Beginn des Meetings. Straßenbahn – U-Bahn – Zack, war man da, natürlich waren kleinere Nachfrage nötig, aber das ist ja fast normal. Im Kulturzentrum angekommen, wurden herzlich empfangen. Die Menschen waren offen, haben sich vorgestellt und erste Gespräche wurden geführt. Die Leute sind interessiert und interessant zugleich, das machte es sehr angenehm. An die englische Sprache musste ich mich erstmal gewöhnen. Und schnell zeichnete sich eine intensive Unterhaltung mit einer Person ab…