August 2007


Irgendwie tun Abschiede immer weh. Das merke ich im Kleinen immer wieder, wenn ich mich aus Jena verabschiede. Schlimmer noch war diese Woche. Einige nette Kommolitonen meiner FH werden das kommende Jahr in England verbringen.

Der erste Kandidat war Deme. Er besuchte mich am Dienstagmorgen, kurz vor der Arbeit, um vor seinem Flug auf die Insel noch ein wenig Zeit mit mir zu verbringen. Vor 2 Wochen hatten wir nochmal Gelegenheit, gemeinsam feiern zu gehen, was wir viel öfters hätten machen sollen. Leider konnten wir uns diese Woche nicht ausgiebig unterhalten, weil wir beide gerade Schwierigkeiten mit unserer Zeit haben. Dennoch konnte er sich wenigstens ein bisschen Zeit für mich nehmen. Das bedeutete mir viel. Ich werde die regelmäßigen Plaudereien über Integration, Politik und Frauen sehr vermissen. Komischerweise merkt man erst, wie viel Leute einem bedeuten, wenn man sie nicht mehr sehen kann. Ich freue mich auf jeden Fall auf deine Rückkehr und insgeheim natürlich über bevorstehende Touren durch englische Pubs.

Am Donnerstag traf ich mich dann mit Andreas. Nachdem mir die Nachhilfe mit Josephine bereits große Freude bereitete, sollte es noch schöner werden. Wir unterhielten uns wie immer sehr angenehm, tranken Weißbier, ich sogar Kaffee. Wer hätte es gedacht?! Ich habe noch nicht realisieren können, dass du für 10 Monate deinen Hauptwohnsitz nach Stafford verlagerst. Vielleicht ist das auch besser so, sonst wäre ich neben dem Mathepauken wahrscheinlich zu traurig. Ich weiß ehrlich gesagt, noch nicht so recht, wie ich die nächste Zeit ohne dich an der FH aushalten soll. Die Gründe dafür sind dir sicher bekannt. Lars und Fred werden mich hoffentlich am Leben halten. Jetzt bin ich gezwungen, den Informatikern anzunähern. Obwohl ich selbst in diesem Studiengang bin, habe ich bisher nur zu wenigen einen Draht aufbauen können. Woran das wohl liegen mag? Wir sollten zumindest versuchen, unsere Skype-Sessions wieder ins Leben zu rufen, wobei ja auch die normale Telefonie nicht mehr alt so teuer ist. Ich hoffe, wir finden da einen erträglichen Weg. Wie bei Tina, so lange Zeit auf einen für mich so wichtigen Menschen zu verzichten, stehe ich nämlich nicht mehr durch.
Am Rande würde mich noch interessieren, ob Freddie meine beiläufigen Bemerkungen verkraftet hat? Aber das gehört eigentlich nicht hierhin…

Bleibt so wie ihr seid. Auch, wenn wir uns nicht mehr (so häufig) sehen können, hoffe ich, dass wir dennoch regelmäßigen Kontakt pflegen können. Ihr wisst, nicht nur bei Datenbanken könnt ihr auf mich zählen.
Bis bald!

Die letzten Wochen hielten so Einiges für mich bereit. Sie waren war stressig, dennoch genoss ich sie sehr. Trotz allen angenehmen Situationen braucht der Mensch, in dem Fall ich, auch Erholung. Und genau das nahm ich an diesem Wochenende in Angriff.

Bingen
Nach getaner Arbeit, machte ich mich recht früh auf den Weg ins Weingebiet Bingens. Der Abschied von Sunny wie Michael fiel zwar schwer, aber bald habt ihr mich wieder. Auch, wenn es nur zum KOV-Seminar ist. In dem beschaulichen Ort Münster-Sarmsheim bei Bingen wollte ich Sarah nach langer Zeit mal wieder besuchen. Ich war zwar lange nicht da, aber ich fand den Weg durch die verwinkelten Gassen doch noch ganz gut. Ich traf direkt auch Franzi, die sich gerade auf das Mainz-Spiel gegen Mönchengladbach fertig machte. Ich klingelte direkt im Anschluss bei Sarah, sie war leicht erstaunt. Ich aber noch mehr. Ich sollte die Kontakte zu weiblichen Wesen regelmäßiger pflegen, da sie sonst ganz vergessen, auf ihr Gewicht zu achten. Nicht, dass ich ihnen das ständig vorhalten würde, aber leichte Andeutungen verhindern meist schlimme Ausuferungen. Bei Sarah ist es zwar noch nicht ganz so weit. Jedoch muss sie jetzt, nachdem sie das Tanzen und Fussballspielen an den Nagel gehängt hat, mehr aufpassen.
Wir spazierten gemütlich durch die Weinberge, was für mich immer wieder Entspannung pur ist. Sie musste zwar am Abend nochmal arbeiten, aber die Zeit machte ich mir in Bingen schön. Ich spazierte viel, sah mir touristische Höhepunkte an und genoss es, meine Füße im Rhein baumeln zu lassen. Bei McDonalds lernte ich noch ein paar Fans von Borussia Mönchengladbach kennen, die nach einer 4:1-Klatsche leicht deprimiert waren. Ich gespannt auf das Spiel von Jena gegen Mainz in der nächsten Woche. Ich habe zwar keine Angst, aber ein mulmiges Gefühl kann man es nennen. Die übermittelten mir auch gleich die Dummheit am aktuellen Abend in Köln. Da hat nämlich der FCC eine 3:1-Führung aus der Hand gegeben und der Daum-Truppe einen überaus glücklichen 4:3-Sieg beschert.

Mainz
Gegen 23 Uhr machte ich mich auf nach Mainz. Der Star-Club war mein Ziel. Dort verbrachte ich die nächsten Stunden, um mich rhythmisch auslassen zu können. Neben sehr interessanten unmoralischen Angeboten, verlief der Abend gewöhnlich. Ich schlief in einer Einkaufsstraße neben einem Plus-Markt. Gegen 5 Uhr stellte sich das als großer Fehler heraus. Denn da erschienen pünktlich die Lieferanten und rollten ihre Container in den Laden. Das war nicht nur unangenehm laut, sondern dauerte auch etwa 2 Stunden. Daher entschied ich mich ziemlich früh, in die Stadt zu gehen. Dort lief ich einige Stunden durch die wunderschöne Altstadt und ihre verwinkelten Gassen. Wo ich auch entlang lief, ich schaffte es immer wieder an bekannte Stellen zurück. Abschließend und voller Begeisterung kann ich sagen: Mainz ist immer eine Reise wert.

Wiesbaden
Zu guter Letzt der Höhepunkt des Wochenendes. Am Nachmittag war ich in Wiesbaden mit Gloria und Lars verabredet. Die Vorfreude nach einem Wiedersehen war unwahrscheinlich groß. Mit Lars Freundin Viviane zusammen machten wir eine Stadtrundfahrt, die die wirklich zahlreichen Facetten der hessischen Landeshauptstadt eindruckvoll zeigte. Wenn man durch Wiesbaden geht, bleibt einem tatsächlich oft die Spucke weg. Wer diese Stadt noch nicht gesehen hat, hat einiges verpasst im Leben. Neben meiner ungebrochenen Faszination der Universitätsstadt Jena kann ich die Weltkurstadt Wiesbaden sehr gut tolerieren und jedem eine Reise ans Herz legen. Die eng verbundene Geschichte Hessens und Thüringens tut da natürlich ihr Bestes dazu.
Am Abend gingen wir noch mit netten Freunden essen. Der Besuch des Mexikaners erinnerte mich stark an tolle Zeiten in der JenArea. Nicole fand ich wirklich sehr nett und freue mich auf unsere WG mit Glori. Da wird es wohl nie langweilig.
Nachdem Vivi mit Lars den Heimweg ansteuerte, machten wir uns noch auf nach Constantins zu Hause. Die Mädels schauten Film und wir plauderten bei einem guten Wein und gepflegter Zigarre im Garten. Ich muss sagen, ich habe die Zeit genossen und war sehr traurig als ich gehen musste.

Am nächsten Morgen machte ich mich nach der Wiederholung von “Alles was zählt”, die Glori genauso wie mich festhielten, auf den Weg nach Hagen. Meine Bilder-Reportage wird in Zukunft in meinem Bilderbereich verfügbar sein. Wenn man solche Städte gesehen hat und zurück ins Ruhrgebiet kommt, stellt sich eine gewisse Ernüchterung ein. Meine Liebe zum Pott ist zwar groß, aber schön ist an anderen Stellen. Natürlich würde ich hier ohne schöne Ecken nicht wohnen, weshalb ich das Ruhrgebiet nicht abstempeln möchte. Die Loveparade in Essen hat am Wochenende ja auch nicht ohne Grund 1,5 Millionen Leute herangezogen.
Und jetzt, naja, wie gehabt: Lernen…

Der Sonntag war Claudia. Ziemlich früh verabschiedete ich mich von meinen Eltern und Omi, um nach Jena zu fahren. Dort wollte ich pünktlich 11:20 Uhr Claudi vom Bahnhof Jena-West abholen. Als ich ankam, war der gesamte Parkplatz voller Polizeiwagen. Die warteten offensichtlich auf Fußballfans des hießiges Vereins und St. Pauli. Die Ankunft des Zuges verzögerte sich aus Sicherheitsgründen auch. Irgendwann kam er dann aber doch. Wir fuhren erstmal zu ihr nach Hause. Denn wie das bei Frauen so ist, müssen sie sich erstmal ordnen. Wenig später ging es dann aber auch schon in Richtung Stadion. Am Subway noch schnell ein Sandwich verschlungen und dann zügig ins Paradies. Vom Fußballspiel möchte ich gar nicht reden. 34:5 Torchancen für den kontrollierenden Spielmacher Jena. Trotzdem ein 1:0-Sieg für den Hamburger Verein. Es gewinnen nicht immer die Besseren, eigentlich schade.
Nach Spielende waren wir noch im Jenenser Zentrum einen Kaffee trinken, ich sogar zwei. Am Black Bean kann ich doch nicht so einfach vorbeigehen. Später begleitete mich Claudi noch bis Gotha. Dort blieb vor der Abfahrt ihres Zuges sogar noch Zeit, dass Schloss Friedrichsstein (Heißt das so? ) zu besuchen, was mir trotz der abschreckenden Fassade gut gefiel.
Der Abschied war gar nichts für mich, irgendwie hätte die Zeit mit dir noch Ewigkeiten dauern können ;)
Aber da gab es ja noch jemand, Sunny. Der wartete nämlich in Giessen auf mich, da er sein Haustürschlüssel in der Wohnung vergessen hat. Natürlich kommt man im Fall der Fälle nicht fließend vorwärts und quält sich noch durch 2 Staus. Aber es ist schön, so sehnsüchtig empfangen zu werden.

Mein Gott, es kann schnell gehen. Zwar ist mein geliebter Cousin Marcel am heutigen Tag bereits 10 Jahre mit Dolores zusammen, aber mir kommt es wie gestern vor, wenn ich daran denke, wie wir gemeinsam die blödesten Dinge in unserer Kindheit anstellten. Die beiden haben 3 Kinder, die kritischsten Phasen alle schon durchgemacht, sodass es heute heißt: “Wir heiraten”.

Die Trauung am Morgen war traumhaft. Einer der emotionalsten Momente, die ich in meinen kurzen Leben bisher erlebt habe. Das der kleine Dominik dann auch noch angefangen hat zu weinen war einfach zu süß für mein feinfühliges Herzchen. Von Doreen, die direkt neben mit stand und fleißig fotografierte gar nicht zu reden. Sie hat wahrscheinlich einen 10er Pack Tempos – oder besser Papiertaschentücher – gebraucht. Das Mittagessen im lokalen Feinschmecker-Restaurant “Zur Salzmest” war köstlich und der darauffolgende Abend sehr schön. Das Brautpaar konnte den Abend hoffentlich genauso genießen wie ich. Mich hat gefreut, einige Leute wie Michael oder Sabrina nach langer Zeit mal wieder zu sehen. Und vor allen Dingen zu sprechen. Das ich gemeinsam mit der elterlichen Familie der letzte Gast, der endlich den nach Hause Weg antrat, war, zeigt wohl, wie sehr mich die Feier gefesselt hat.
Ich hoffe zwar sehr, dass es für die beiden die letzte Hochzeit bleibt, aber sowas konnte doch öfters stattfinden.
Ich bin mal höchstgespannt auf meine Hochzeit auf der Seebrücke Selin an der herrlichen Ostseeküste ;)

Ein ruhiger Abend wurde zum exzessiven Feiermarathon, so stellt sich ein ruhiges Wochenende als Zerreißprobe dar.
Nachdem ich Freitagabend aus Giessen wieder kam, wollte ich den Rest des Wochenendes in aller Ruhe einfach vergehen lassen. Samstagnachmittag traf ich mich mit Deme zum gemütlichen Billardspielen, später holten wir noch Lars vom Bahnhof ab und plötzlich änderte der Plan komplett seine Richtung. Mit Kumpels von Deme wollten wir ins Rushhour Dortmund. Ok, man ist ja noh jung und schräubt sich nicht komplett.

Nach seelischer Vorbereitung bei mir, trafen wir uns am Hagener Hauptbahnhof, um den Weg nach Dortmund gemeinsam anzutreten. Am Hauptbahnhof konnte man dann Hagen von seiner besten Seite erleben. Einige (ausländische) Mitbürgen lieferten sich eine Schlägerei. Da es ein paar Dutzend Leute waren, konnten die Polizisten von 2 Streifenwagen nicht viel ausrichten und liefen auch nur weg. Solche Dinge kann man nur ohne viel Drum-herum stehen lassen, da sich sonst zu viele Abneigungen auftun. Frohen Mutes fuhren wir auf die A45. Und was war? Wir standen direkt nach dem Hagener Kreuz im Stau. Samtagsabend um 0 Uhr. Meine Güte. Da es ein Unfall gab, dauerte die ganze Sache leider nicht nur 5 Minuten.
Irgendwann ging es dann doch weiter und die letzten Meter zum Club gingen schnell. Ich muss sagen, das Rushhour ist ein wahres Paradies. Ein Club, der mir spontan wirklich sehr gut gefallen hat. Vor der eigenen Haustür befinden sich so viele Möglichkeiten, die man gar nicht kennt. Hier könnte ich mir wirklich vorstellen, regelmäßig zu erscheinen. Wir blieben bis 6 Uhr. Und das ist ja auch nicht ohne.

Deme’s Kumpel, der freundlicher Weise gefahren ist und uns sogar bis vor meine Wohnung brachte, machte einen sicheren zügigen Heimweg möglich. Lars schlief bei mir.
Der nächste Morgen kam schneller als man denkt. Und ich muss quasi auch direkt wieder nach Giessen…