Juli 2008


Ich kam von der bayrischen Landeshauptstadt 22:52 Uhr in Jena an. Das klingt an sich nicht spektakulär. Man muss wissen, dass eine Straßenbahn genau 22:52 Uhr vom Paradiesbahnhof mich vor die Tür fährt und ich alternativ eine halbe Stunde warten muss. Und wenn man bereits seit 7:00 Uhr auf den Beinen ist, macht die halbe Stunde effektive Leerzeit einen gewaltigen Unterschied. Also sprang ich aus dem Zug und sprintete vor die Straßenbahn. Eine nette Passantin bekam meinen Ehrgeiz mit und stellte sich in die Türen. So konnte ich die Straßenbahn erreichen, die eigentlich schon weg war. So habe ich auch noch etwas Sport gemacht, was sicherlich nicht schadet, da das momentan zu kurz kommt.

Im Holiday Inn telefonierte ich noch mit Sarah und beschloss einen spontanen Besuch. Die Weinberge Bingens liebe ich bekanntermaßen und jede Ablenkung sehe ich derzeit als willkommenes Geschenk. Von daher soll es direkt am nächsten Tag nach erledigter Arbeit an den Rhein gehen. Ich bin extra früh aufgestanden, damit ich frühzeitig los konnte. Die Fahrt durch halb Deutschland dauert eben auch eine Weile. Als vor Sarahs Tür stand, war ich etwas verwundert, dass sie nicht da war. Kurze Zeit später rief sie an und wir verabredeten uns für später. Von daher hatte ich noch ausgiebig Zeit zu spazieren, Eindrücke der dort stattfindenden Landesgartenschau wirken zu lassen. Insgesamt eine sehr entspannende Zeit bei Kaffee und Weizen. Ich traf selbstständlich wieder auf Ruhrgebietler. Diesmal aus Gelsenkirchen. Es war eine Familie und der Vater outete sich mit seiner “GE”-Mütze. Ich hatte sogar noch etwas Zeit, den Griechen um die Ecke zu testen. Das gefiel mir so gut, dass ich zu spät zum Treffen kam. Aber das war überhaupt nicht spektakulär, da Sarah immer noch ihre Freundin Franzi hatte. So machten wir uns dann zu dritt einen schönen Abend und schauten bspw. den Film “Vollididiot” mit Olli Pocher. Mein Urteil: Schlecht bis unerträglich. Ich kann nicht verstehen, dass Leute von dem Film angetan sein können.
Irgendwann schliefen wir. Und frühzeit wachte ich wieder auf. Gegen einen eingespielten Schlafrhytmus kann man nichts tun. Nach einem Frühstück wollte ich mich dann auch verabschieden…

Ich telefonierte mit Tim und beschloss die spontane Weiterfahrt Bochum.

Warum nicht?
Am Wochenbeginn musste ich beruflich nach München. Also bin ich Montagnacht 4:30 Uhr aufgestanden, um kurz nach 6 Uhr den ICQ zum Münchner Hauptbahnhof zu bekommen. Um die Wartezeit zu meiner U-Bahn zu überbrücken (Man kennt sich ja mittlerweile aus), blieb Zeit, eine Fahrkarte zu lösen und im überteuerten Kaffeehaus Pads für die Senseo-Maschine im Büro zu besorgen. Schließlich will man ja selbstständig existieren können und nicht immer von anderen abhängig sein. Das dachte ich jedenfalls in dem Moment, musste jedoch feststellen, dass man zum Kaffeetrinken im Idealfall auch noch eine Tasse benötigt. Obwohl ich zu spät zur Besprechung kam, blieb genug Zeit. Nach einer Stunde wurde natürlich auch wieder eine Pause fällig. Unfreiwillig selbstverständlich, aber Mittagessen beflügelt ja. Von daher nutzt man die Gelegenheit.

Nach geschaffter Arbeit machte ich mich auf den Weg zum Hotel. Zentrumsnah heißt nicht immer was Gutes, außer vielleicht, dass man nah am Zentrum ist. Ich bin im türkisch roten Bezirk gelandet, was nicht unbedingt schlimm sein muss. Es erinnerte nur an eine bekannte Gegend um den Hauptbahnhof in Hagen. Davon lies ich meine Stimmung nicht trüben, dass schaffen ganz andere. Spontan verabredete ich mich mit Lars. Nach einem Imbiss, machte ich mich zum Treffen an der Münchner Freiheit. Mit der Bezeichnung als solches konnte ich nicht viel anfangen. Dort angekommen, erinnerte ich mich an einen Weihnachtsmarkt im Dezember. Und siehe da, ein paar Meter gegangen und meine Erinnerung bestätigte sich. Hier nahm ich doch direkt um die Ecke im Black Bean ein Kaffee zu mir. Gut, dachte ich. Lars kommt sowieso später. Auf zum Coffee Dealer meines Vertrauens. Als ich den ersten Schluck meines HeiCaps zu mir nahm, klingelte auch schon das Handy. “Lars? Seit wann bist du pünktlich?”  Lars war am Karstadt und wollte zum Black Bean kommen. Ich wollte ihn ein paar Meter entgegen gehen. Es handelte sich um eine Distanz von etwa 100m. Verfehlen kann man sich nicht, dachte ich. Kurze Zeit später klingelte wieder das Telefon. “Martin, wo bist du?” – “Ich bin vorm Karstadt – Wo bist du?” – “Black Bean.” – “Bleib, wo du bist, ich komme zu dir”. Sicherlich dachte Lars dasselbe wie ich, entgegen gehen, kann ja nicht scheitern. Das tat es dennoch. Dieses Spiel spielten wir 3x. Man könnte sagen, total kaputt oder einfach: Lars und Martin. Wir können noch immer nicht sagen, wie wir das geschafft haben. Aber es war köstlich und der Beginn eines witzigen Abends. Denn unser nächstes Ziel lautete direkt: Hofbräuhaus. Auf auf, der Abend kann noch einiges bieten. Und hoffentlich etwa Ablenkung der süßen Verführung aus dem Westviertel. Im sommerlichen München war es unmöglich, im Biergarten ein Platz zu bekommen. Von daher musste wir uns überhitzte Haus. Im obersten Stck war es auch etwas ruhiger und vor allem angenehmer, was die Temperatur angeht. Wir erzählten, wanderten nach draußen. Zurück und wieder nach draußen. Die einzige Konstante des Abends war das ständige Gespräch. Frauen am Nachbartisch machten Fotos von Lars und mir. Als er auf Toilette war, konnte ich in Erfahrung bringen, was der Grund dafür war. Es handelte sich dabei um weiblichen Dänen (Däninnen sieht schrecklich aus), die von Lars Hut begeistert waren und uns beide für extrem untypische Deutsche hielten. In diesem nur kurzem Gespräch wurde mir bewusst, was die Englischseminare an der Uni bringen: Nichts. Das ist enttäuschend, wenn man weiß, was Oxidationsbeschleuniger heißt, aber im “normalen” Gespräch die Vokabeln fehlen.
Da wir beide morgen wieder arbeiten mussten, war es sehr schön, aber nicht so intensiv. Jedenfalls, was die Dauer angeht. Auf dem Weg zur U-Bahn wollte ich noch fix eine Mitarbeiterin des Hard Rock Cafe’s in die nächste Bar einlafen, aber Lars bewahrte mich vor Schlimmeren. Nein, ganz ehrlich, sie wollte nicht mitkommen – “Ich muss leider noch arbeiten”. Schade, ich habe keine Zeit zu warten…

Im Hotel angekommen, telefonierte ich noch kurz mit Sarah und ließ mich dann recht schnell zur Ruhe. Die Feststellung des Abends war: “Hüh oder hott” und “eine Maß zieht sich ganz schön”.

Ist schon ungewöhn, ich besuche Tim. Der ist nicht da und ich gehe mit frisch kennengelernten Leute Kaffeetrinken. Ich war mit Vicky, Sandra und Co. verabredet.

Gegen 10 Uhr machte ich mich auf den Weg in Zentrum von Wenigerode. Es war unglaublich warm und die Strecke zog sich ganz schön. Am Rand der Harzbahn rauchte es regelmäßig und gab dem Spaziergang ein gewisses Flair. Nach kurzem Telefonat, trafen wir uns direkt gegenüber von Ernsings Family. Wer kennt den Laden nicht. Lustigerweise fand ich ihn ohne Nachfrage. Plötzlich stand ich davor. Mein Hunger war jedoch so groß, dass ich nicht am Kartoffelhaus vorbeikam. Ein ausgiebiges Vorfrühstück sozusagen. Meine Ankunft verzögerte sich dementsprechend.
Mich freute, die Leute wieder zu sehen. Ich kannte zwar im Prinzip keinen bzw. keine, dennoch fühlte ich mich irgendwie wohl. Dummerweise war deren Frühstück bereits gelaufen, meines ja eigentlich auch. Nur so blieb nicht viel mehr Zeit als für einen schnellen Cappuccino. Danach machten wir uns es allerdings erst richtig schön. Wir spazierten durch die historische Altstadt und schauten uns unter anderem das “Schiefe Haus” oder das “Kleinste Haus” an. Zwei skurrile Denkmäler, die von dem Schloss locker getopt wurden. Der Aufstieg war bei etwa 30 Grad ziemlich mühselig. Jedoch wurde man durch ein tolles Schloss und eine herrliche Aussicht belohnt. Man sah sogar die Sprungschanze, wo Jens Weißflog immer noch den Rekord hält. Dummerweise habe ich nur vergessen, um welche Skisprung-Schanze es sich genau handelt.
Nachdem wir uns genug entspannt haben, führte uns der Weg wieder ins Zentrum. Mittlerweile war es Zeit für den nächsten Kaffee. In Folge dessen musste sich Vicky leider nach Göttingen verabschieden. Natürlich begleiteten wir sie noch zum Bahnhof.

Danach fuhr ich mit dem Bus zur Hochschule Harz und besuchte Tim kurz. Da er sich in der Klausurenphase befindet, war es auch ganz praktisch, dass ich eigentlich den ganzen Tag nicht da war. Wir sprachen kurz über unseren weiteren Plan. Denn wir hatten nur etwa 1 Stunden, um die gestrige Feier zu reflektieren, da er danach mit jemandem verabredet war.
Ich machte mich also auf den Weg in ein örtliches Restaurant, wo ich das geilste Wiener-Schnitzel aller Zeiten bekommen habe und das zum Preis von etwa 7 Euro. Ein Wahnsinn. Ich habe das günstige Essen natürlich mit erhöhtem Weizen-Konsum kompensiert und durfte auch über eine Stunde nach Lokalschließung noch weiter sitzen und in Ruhe arbeiten. Als sich auch mein Tageswille dem Ende näherte, lief ich noch kurz bei Fabbi am Fenster vorbei. Wir erzählten noch eine ganze Weile. Schön, dass man außerhalb des Ruhrgebiet immer so nette Leute aus der Umgebung trifft. Wieso nicht einfach mal direkt dort? Naja, es gibt ja auch einige sehr positive Beispiele, die ich sicherlich mehr sehe als alle negativen Eindrücke.

Als ich dann bei Tim noch bisschen Harz TV mit einer interessanten Tourismusvorlesung schaute, gesellte mein Gastgeber sich auch dazu. Aber nach einem Bier war war der Abend dann auch gelaufen und wir schlummerten… 

Ich habe gestern Abend spontan mit Tim telefoniert, da er sich Deutschland in nächster Zukunft für eine ganze Weile entfernt. Er hat mir von seiner geplanten Abschiedsparty erzählt. Da ich Partys und mich im Gegensatz zu zurückliegenden Klausurphase nichts in Jena hält, wollte ich ihn genauso spontan besuchen. Am nächsten Morgen habe ich noch gut ausgeschlafen, um mich danach direkt los zu machen. Auf in den wilden Harz. Mein Navi führte mich durch idyllische Dörfer, die seit 20 Jahren stehengeblieben sind, genauso wie hübsche Gegenden wie das Kyffhäufer Gebirge. Meine Reifen haben mit 30km/h noch nie gequietscht. Ich bin sehr angetan von der kurvigen Strecke. Nachdem ich nämhafte Städte wie Schirke und Elend hinter mir lies, war ich endlich da. Das Bier musste erstmal kühl gestellt werden. In der Zeit hatten wir Gelegenheit für die Party einen leckeren Salat zu fertigen: Nudel-Thunfisch-Salat – Vom feinsten!
Nachdem das Bier abgekühlt war, machten wir uns auf den Weg durch die Stadt. Erste Eindrücke von meinem letzten Besuch kamen wieder. Zwar duster, aber immerhin. Ich lernte Tims Kollege Christian aus Bielefeld kennen, danach Fabbi, dem dasselbe Leid wie mich aus Hagens Nachbarstadt plagt. Immerhin hat er einen angenehmen Studienort im Harz gefunden.

Die Feierlichkeit später war nicht das Beste. Ich habe seit Ewigkeiten mal wieder Volleyball gespielt, was wirklich toll war. Nach dem Ende des Spiels mit den Jungs von Tim und deren Abzug, wartete ich kurz auf die nächste spielwillige Gruppe – glücklicherweise eine Horde von Mädels. Die Wirtschaftspsychologen waren nett, sodass ich den restlichen Abend mit ihnen verbrachte. Ab und an mal nebenan vorbei geschaut und alles für richtig befunden. Tim war beschäftigt, genauso wie ich meine erste Therapiestunde genoss. Ich habe mich lange Zeit mit Vicky aus Worms unterhalten, die mittlerweile in Göttingen studiert. Als sich die Partys dem Ende zuneigten, verabredeten wir uns für den nächsten Morgen.
Tim war etwas durcheinander. Ich sollte mit zu ihm kommen, dann wieder doch nicht. Ich blieb also bei Fabbi. Wir schnackten über die zahlreichen Fascetten des Ruhrgebiets und die Einöde des Harzes. Ich weiß nicht genau wann, aber irgendwann kam er und hat mich “abgeholt”. Und dann ging es schnell zum Schlaf über…

Logik: klar und deutlich
Ästhetik: klar und verworren

Logik und Ästhetik ist nicht auf den ersten Blick zu unterscheiden. In beiden Fällen beschreiben Prädikate Subjekte. Bei der Zuordnung ist grammatikalisch nicht erkennbar, ob es sich um einen Fakt und einen geistenden Schein handelt.
Es kommt auf den Blickwinkel an. Je nachdam von welcher Seite man Worte, Aussagen oder Sichtbares sieht, kommt man gegebenenfalls zu einem anderen Schluss. Das kann zu gewisser Antinomie führen, die allerdings nur Ästhetizisten weiter treiben.

Über Geschmack lässt sich zwar streiten, aber nicht disputieren.

Angetrieben von Sturm, der bereits in Hessen herrschte, begab ich mich auf die Weiterreise und landete schließlich in der Kulturarena. Shakespeare’s “Der Sturm” fesselte. Die gelungene Umsetzung des Jenaer Theaterhauses begeisterte mich sehr. Das zusammen mit meiner entzückenden Begleitung zu genießen, war eine große Freude. Das besondere Feeling, den Sturm der Open-Air-Veranstaltung durch die leichte Brise [Kälte] auch noch mehr am eigenen Leib zu spüren, setzte das I-Tüpfelchen. Insgesamt eine runde Sache, die animiert, öfter ins Theater zu gehen. Prädikat: Empfehlenswert.

Abschließend bleibt nur zu sagen:

“Wir sind aus solchem Stoff, aus dem die Träume sind, und unser kleines Leben vollendet sich im Schlaf”

Es ging weiter, ein erfolgreicher Arbeitstag liegt hinter mir und ich habe Zeit, den letzten Abend in München vorzubereiten. Es ist (weit) nach 20 Uhr und alle Läden in der Umgebung haben geschlossen. Da ich weder Trinken und Essen vorrätig habe, musste noch etwas passieren. Mit dem Bus in die Stadt fahren und keine Chance auf eine vernünftige Rückfahrt zu haben, gefiel mir nicht so gut. So nutzte ich das Griechische Restaurant in der Nachbarschaft. Zum Glück wurde dort auch meine EC-Karte akzeptiert, weil ich nichtmals mehr Bargeld hatte.
Nachdem ich eine schlechte Lasagne aus Hungergefühl doch verschlingeln musste, zog ich schnell von Dannen. Mein sich einstellendes Durstgefühl wurde durch die Minibar aufgefangen. Es wurde so einige Flaschen geköpft. Natürlich nur Erfrischungsgetränke, da ich morgen ja wieder früh raus musste.

Danach hatte ich ein bekanntes Problem, der Schlaf. Um meinen fehlenden Schlaf sinnvoll zu nutzen, habe ich mir weiterführende Gedanken gemacht.
Das würde ich gern wieder mit dir machen:
- Feuerwerk schauen
- den Nebel im Saaletal beobachten
- Wunschlichtern zuschauen
- Häschen beobachten
- in deine zauberhaften Augen blicken
- im Paradies liegen und Leute, ins Besondere Gestörte beobachten
- dir in der Bibliothek beim Arbeiten zu schauen
- im Rossmann Düfte schnuppern
- deine Nase runzeln sehen
- mit dir im Arm im Bett liegen
- dich beim Aufwachen beobachten
- mit dir duschen
- dir die Leuchtenburg zeigen
- ins Theater gehen
- den Security-Typen an der Rezeption beobachten
- dir am Morgen den Vorgang aufziehen
- deinen Nacken streicheln
- dich vom Laufen abhalten u. an der Tür erschrecken
- mit dir in die Uni fahren
- einfach neben dir sitzen
- hmmm

So kann ich mich sehr auf Samstagabend freuen, wo wir uns wieder sehen. Auf das anschließende Theaterspektakel bin ich außerdem sehr gespannt…

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