Mein Umzug naht. Die vorletzten Möbel sind auseinander gebaut, die vorvorletzten Kartons gefüllt. Der letzte Tag in Hagen eilt mir entgegen. Zu meinen Bedauern werde ich die letzten Tage vor dem Umzug nicht in Hagen verbringen. Aber davor habe ich mich nochmal mit meiner Lieblings-Katharina getroffen. Mittags holte ich sie vom Bahnhof ab und wir tranken einen gemütlichen Kaffee in der Hagener Innenstadt. Sie war ausgefegt wie es nichtmals Jena in den Semesterferien ist. Sehr mysteriös, obwohl das Wetter so traumhaft war. Bei blaunen Himmel und ersten Frühlingstemperaturen machten wir sogar noch einen kleinen Spaziergang im naheliegenden Stadtpark. Die Zeit verflog wie nichts, aber erstmals wurde uns beiden klar, dass wir uns sobald nicht mehr sehen würden. Von daher hielt sich alle Euphorie in Grenzen.
Gemeinsam fuhren wir zu mir nach Hause. Nachdem ich meine Utensilien für die 2-Tages-Arbeitswoche in Hessen packte, spazierten wir in seelenruhe zum Hauptbahnhof. Auf dem Weg dorthin entdeckte ich noch ein neu eröffnetes Geschäft, dessen Reklame mich bis heute fasziniert. Also genau hinschauen ;)

Wenig später trennten sich unsere Wege: Kathi Gleis 18, Martin Gleis 6. Nach der letzten Umarmung saß ich auch schon im Zug und nahm zum ersten Mal war, was eigentlich gerade passiert. Dass diese Stadt bald Vergangenheit ist. Die Zugfahrt durchs malerische Sauerland war traumhaft und ist sicherlich auch mal eine Urlaubsreise wert…Dabei konnte ich in Ruhe meine Gedanken ordnen.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie wir im 1. Semester “Grundlagen des Wirtschaftens” die Anzahl an Klavierstimmern in Deutschland herleiten sollten. Nun liegen einige Semester und zusätzlich zahlreiche Kilometer dazwischen. Ich wohne in einem recht künstlerischem Haus würde ich sagen. In den 6 Wohnungen unter mir stehen verteilt 5 Klaviere. Der Bedarf an Klavierstimmern scheint den Durchschnitt an dieser Stelle exponentiell zu übersteigen. Ich bin sehr angetan. Ob das meine gewünschte Ruhe trübt, wird sich in nächster Zukunft zeigen. Inspiration ist definitiv da…

Ich fühle mich angekommen. Als ich heute mit Claudi in den Politikwissenschaften des Ernst-Abbe-Campus herumgestromert bin, staß ich auf einen interessanten Städtevergleich. Bewertet wurden die Karriere-Chancen in Deutschland.
Das die bayrische Landeshauptstadt München den ersten Rang besetzt, halte ich für wenig bewunderlich. Den zweiten Platz finde ich höchstbegeisternt. Wer diese Seite regelmäßig besucht, wird an dieser Stelle bereits wissen, welche Stadt nun folgt. Tatsächlich hat sich die Wissenschaftsstadt Jena im Deutschlandvergleich weit nach vorn gekämpft. Hier ist Osten nicht mehr Osten. Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung natürlich als sehr positiv einzuschätzen. Jena ist die Stadt der Denker und Lenker, das bekräftigt nichtzuletzt der höchste Akademikeranteil der Einwohner in einer deutschen Stadt.

Die Wirtschaftskrise ist auch in einem der Vorzeigestädte Deutschlands angekommen. Bereits ausgeschriebene Stellen werden zurückgezogen und nach hinten verlagert. Vielleicht sollte der Haushaltsüberschuss des letzten Jahres genutzt werden, um Räume für Wachstum und Investitionen zu schaffen.
Jena hat viel zu bieten, nur der Bekanntheitsgrad ist oft hinderlich.

Der Karriere-Atlas 2008
Jena – Der Standort

Am Valentinstag mit Tim den CityPoint zu besuchen, ist schon seit Jahren Tradition. Irgendwo muss man sich ja sein Herz abholen. Vor Jahren sogar noch mit Sandra und einem ergänzendem Photo-Wettbewerb, aber die Glücksboten sind immer noch unterwegs. Sehr schön wars. Danach war ich mit Harke und Co. noch einen Cappucino trinken und dann ging meine Reise nach Hause. Der gestrige Abend hat eben noch einige Spuren hinterlassen.

Wo bleibt das Innovative? Auf das will ich natürlich nicht verzichten. Ich war ziemlich begeistert als ich an einer Fußgänger-Ampel stand. An den Ampeln gibt es nämlich seit kurzem einen Countdown, wo diese Grün- und Rotphasen in Sekunden heruntergezählt werden. Sprich, man kann immer gut erkennen, wie lange noch grün bzw. rot ist. Besonders in der Rotphase wird dadurch die Wartezeit psysisch verkürzt. Und in der Grünphase kann spontan entscheiden werden, ob man die Straßenüberquerung noch schafft.
Ich finde: Eine sehr tolle Idee.

Ein Tag. Ich hätte nicht gewettet, dass dieser Tag in der Form stattfindet, aber umso schöner.
Nach mehreren Telefonaten war ich mit Claudi verabredet. Nicht in der Quer- oder Wagnergasse, sondern einfach abwechslungsreich im schönen Dortmund-Kirchlinden.  Mit durchmischten Gefühlen fuhr ich die A45 Richtung Hafen. In der letzten Zeit war die Kommunikation in Schieflage geraten und meine Verbesserungsversuche bisher nicht vernommen. Nachdem ich den Lockenkopf abgeholt habe, musste ich ihr natürlich mein Lieblingsstation im Ruhrgebiet zeigen, das Ruhrstadion in Bochum. Über das Planetatium und Bergbaumuseum ging unsere Tour in einen entspannenden Park in Herne. Dort spazierten wir eine Weile und hatten Gelegenheit, etwas über vorgefallene Dinge zu reden. Ich bin mir nicht sicher, ob wir dasselbe mitnehmen, aber schön wars allemal. Im Anschluss fuhren wir durch Gelsenkirchen.

Nach zu viel Blau-Weiß sollte es ins CentrO (Neue Mitte) nach Oberhausen gehen. Das mittlerweile größte Einkaufszentrum Europas ist eine Art Paradies. Und das nicht nur im Vergleich zur alten Mitte, sondern in vielerlei Hinsicht. Heute habe ich das anschließende Metronom-Theater in seiner volle Güte wahrgenommen. Der Reiz zu einem “Tanz der Vampire” ist auf jeden Fall gestiegen. Nach leckeren Holländischen Pommes in der ***-***-Oase sammelten wir Eindrücke des Kapitalismus und den in ihm gefangenen Gästen. Das hier vieles anders ist, wurde mir nochmal richtig bewusst. Das vieles nicht schlecht ist/sein muss, ist wohl klar.

Als Schorchi seinen Lerntag beendet hatte, fuhren wir über Bottrop, Gladbeck zurück nach Gelsenkirchen. Wir waren mit unserem Jenenser Freund verabredet. Wir waren gemeinsam im Plüschen und hatten Zeit, uns nett zu unterhalten. Es war zwar ein kurzer, aber sehr witziger Besuch. Und nun? Da es spät geworden ist, auf auf zurück nach Dortmund. So konnte ich den Chris und seinen Mitbewohner auch noch kennenlernen. Die Wohnung von Maschinenbauern ist einmalig. Typisch Kerle wahrscheinlich. Sehr spärlich, aber viel Potenzial und Vorhaben. Aber mal ernsthaft, es sind 2 sehr symphatische Jungs. Die Idee, einen Biertest zu machen, finde ich fast grandios. Als wir kurz vor Ladenschluss noch fix die notwendigen Voraussetzungen dafür geschaffen haben, ist mir an der Kasse eine Person aufgefallen. Ich dachte sofort, woher kenne ich das Gesicht nur? Jetzt weiß ich es wieder, nur leider zu spät. Es war die nette Frau von der Hagener Feuerzangenbowle. Sicher.

Unbeeindruckt dessen stöberte Chris in den verschiedenen Biersorten. Ich begeisterte mich für das neu aufgelegte alte Bergmann-Bier. Die Brauerei ist am Anfang des Abschwungs im Ruhrgebiet als erste geschlossen wurden. Das war der Beginn des Niedergangs der einstigen Brauerei-Hochburg Dortmund. Seit kurzem wird das Traditionsbier allerdings wieder produziert. Zwar fehlt im Namen Dormunder Bergmann-Brauerei noch das D, weil in Dortmund noch keine geeignete Produktionsstätte gefunden wurde und es außerhald gebraut wird.  Aber das ist hoffentlich nur eine Frage der Zeit. Schmecken tut es auf jeden Fall. Und ich denke potenziell interessierte Kumpels gibt es noch viele!
Unser gemeinsamer Abend war allerdigs schnell vorbei, weil ich nicht nur etwas angeschlagen bin, sondern auch morgen um 8 Uhr zu meiner letzten Vorlesung will. Dafür gilt es wieder fit zu sein und schlaf zu tanken.

Ich fand den Tag insgesamt sehr rund und kann mich bei den beteiligten Personen nur herzlich bedanken!

Die Reise Jenas durch den DFB-Pokal soll weiter gehen, die nächste Etappe steht in der Oberaue an. Wer kommt, ist kein geringerer als der FC Schalke aus Gelsenkirchen. Weiter bewerten möchte ich die Stadt an dieser Stelle nicht.
Ich war mit Andreas und Christian verabredet. Gemeinsam mit meinen “Schalkern” wollte ich der einzige sein, der im “Schalker Eck” zuletzt lacht. Ich muss sagen, ich war sehr angetan. Das Spiel der Thüringer war erstaunlich gut. Meine Begeisterung hallt immer noch nach. Trotz überwiegend schlechtem Spiel hat Schalke 100% seiner Chancen genutzt, das waren in diesem Spiel genau 4 an der Zahl. Ich hatte einem Moment zum Jubeln, der reichte auch.  Zwar nicht zum Sieg des Spiels, aber um die Situation in einer Kneipe als einziger zu Jubeln auskzukosten. Die Stimmung interessant kann als typisch Pott bezeichnet werden. Die Kumpels kamen aus der Zeche und haben das einzige neben der Arbeit ausgekostet. Ein durchschnittlicher Intelligenzquotient war aufgrund zu vieler Nullstellen leider nicht zu berechnen ;)
Ich werde das beste Niederlage Jenas gern in Erinnerung behalten. Nie war ich nach einem verlorenen Spiel so begeistert. Was für die Zukunft bleibt, ist für die meisten nur das Ergebnis. Das jedoch spiegelt nicht immer den Verlauf wieder…

Post bekommen die meisten regelmäßig, da bin ich auch keine Ausnahme. Auch, wenn das nur schwer nachvollzogen werden kann ;)
Das Problem der Post ist in den überwiegenden Fällen: Es sind Rechnung oder Werbung. Gegenteilige Post ist eine Seltenheit. Heute habe ich tatsächlich einen Brief erhalten, der nicht zu diesen 2 Kategorien zählt. Post aus Jena. Das ist der nächste Punkt, wo es sich noch mehr lohnt, sich der ganzen Sache näher zu widmen. Obwohl ich aus mir bisher nicht erschließbaren Gründen nach München schrieb, erhielt ich Antwort aus Jena. Seltsam, aber schön. Das sich nur um eine Empfangsbestätigung handelte, spielte bei der ganzen Vorfreude schon gar keine Rolle mehr. Das zeigt mir deutlich, dass es oft nicht auf den Inhalt ankommt, sondern im großen Teil darum, dass überhaupt kommuniziert wird. Dabei ist natürlich die Erschließung möglichst vieler Kommunikationswege von Vorteil. Nach einem nicht angenommen Anruf, kommt eine kurze Reaktion per Mail doch nicht schlecht.  Genauso wie sich über eine SMS nach einen FAX gefreut wird. Das gibt dem Absender nicht nur das Gefühl, dass das Schreiben sein Ziel erreicht hat, sondern bindet ihn direkt in die Begeisteruung mit ein.

In diesem Sinne: Zerreiß nie das goldene Band…

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