Wohlbehagen


Es ist bekannt, dass ich große Sympathien Gegenüber der deutschen Sprache hege.  Beim Lesen oder gar aktiven Benutzen von modernen Wortschöpfungen bin ich immer ganz traurig über die Entwicklung. Inzwischen habe ich allerdings akzeptiert, dass Sprache auch neue Einflüsse des aktuellen Gebrauchs zulassen muss, um überhaupt zukunftsfähig zu sein.
Umso faszinierender war der kurzfristige Kontakt gleich zwei eher historischen Begriffen, die eher kein Teil mehr aktiver Verwendung sind.

Hier zwei Begriffe, deren Wirkkraft definitiv unterschätzt wird:

  • Der Einkaufswagen wird proppenvoll werden.
  • Es ist gerade sehr viel zu tun. Man(n)ometer!

Proppenvoll wird aus vom Duden als umgangssprachlich eingeschätzt – aus meiner Sicht zu unrecht. Die aktuelle Sprachtendenz ist weit weg. Im Vergleich zu derzeitigen Begriffen wirkt proppenvoll konservativ wertvoll. Statt Manometer bzw. den Bezug auf Man(n)ometer ist für den zweiten Begriff eher Mannomann richtig. Aber die unbewusste Komplexität der Bezugnahme auf eher unbekannte Subjekte prickelt mehr.

Neulich im schönen Passau saß ich an der Mündung der Inn in die Donau mit einem Buch. Es war herrlicher Sonnenschein und ich beobachtete mit Begeisterung die Umgebung.

Eine ältere Frau blieb vor mir stehen und fragte mich tatsächlich „Lernen Sie für’s Abi?“ Ich war etwas verwundert, konnte nicht unmittelbar meine Reaktion einschätzen. Nach meiner Antwort „Nicht ganz, dass ist bereits eine Weile her…“ unterhielten wir uns noch etwas über die Stadt, Studium und das schöne Wetter.

Sehr angenehm, sich an der Donau langsam Richtung Linz zu bewegen und immer wieder mal einen Halt einzulegen…

Fahrstühle bieten ja durchaus eine interessante Umgebung. Ein meist enger Raum, oft etwas zu voll, zu wenig Luft. Jeder hat da wohl schon seine eigenen Erfahrungen gemacht. Ich verbinde zahlreiche Erinnerungen mit dieser Fortbewegungsmöglichkeit, welche heute noch etwas erweitert wurde:
Auf der feierabendlichen Fahrstuhlfahrt direkt ins Stuttgarter Apollo Theater habe ich den sympathischen Thomas Hermanns getroffen. Er stieg ebenfalls zum gleichen Ziel ein. Nachdem die Tür erst nicht öffnen wollte, wurden wir dann mit nach mehrmaliger Betätigung der Etagentaste doch noch entlassen…
Die Begegnung ist nicht so nachhaltig, wie manch andere. Aber es gibt immerhin eine Gemeinsamkeit: Blackberry.

Das, was danach kam, war sehr sehenswert. Von daher ein sehr gemütlicher Ausklang des vorletzten Arbeitstages im Jahr 2014.

Jena, ein schönes Plätzchen zum Leben.

Eine Wohnung oder ein Haus in der Universitätsstadt? Die Rendite ist zwar nicht sagenhaft, aber eine sinnvolle Investition ist es allemal. Also eine Immobilien in der Technologie- und Wissenschaftsstadt Jena zu kaufen. Zu dem Entschluss kommt auch das Handelsblatt in seiner heutigen Ausgabe der Serie „Trendviertel„.

Self Tracking bezeichnet die derzeit vorherrschende Bewegung zur Überwachung und statistischen Auswertung von organischen Körperfunktionen. Dabei geht es harmlos um Schrittzählung, zurückgelegte Strecken, die Schlafzeiten, Gewichtsentwicklung oder BMI-Verlauf. Dank der modernen Smartphones oder „Zusatzgeräten“ wie Fitness-Armbänder werden ganztägig Daten aufgezeichnet. Die Daten können dann in eigenem Interesse ausgewertet, mit Freunden geteilt und als Ansporn genutzt werden.

Aus Interesse ohne konkrete Ziele habe ich mir ein Armband der Firma FitBit zugelegt. Ich wollte gern einfach mal wissen, wie viel ich mich bewege, wie viele Schritte ich zurücklege und insbesondere wie mein Schlafverhalten aussieht. Nach eigenen Tage der Datensammlung liegen erste repräsentative Ergebnisse vor. Erkenntnisse, dass ich im Büro teilweise ähnlich viel laufe wie auf Wanderungen, sind erstaunlich. Dass ich an Home-Office-Tagen im gesamten Tagesverlauf genauso viele Schritte zurücklege wie ansonsten allein auf den Weg ins Büro und zurück, ist allerdings nicht wirklich verwunderlich. Wenn auch erstreckend.

Am 06. November 2003 hielt ich meine erste Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT in der Hand. Die behandelten Themen waren unter Anderem die Vereinfachung des Steuersystems oder tückische Wählprogramme, die horrende Gebühren zur Folge haben. Das Steuersystem  bedarf nach wie vor einer gewissen Vereinfachung. Das Ziel einer Steuererklärung auf einem Bierdeckel scheint jedoch immer noch unerreichbar. Der Versuch der Holländer die 1- und 2-Cent-Stücke abzuschaffen, weil sie die Supermarktkassen verstopfen, ist kläglich gescheitert. Was wir mittlerweile überstanden haben, sind Gebühren für Einwählen von Modems ins Internet über überteuerte 0190-Nummern. Die 0190-Nummern sind genauso vom Markt verschwunden wie analoge Modems mit den sagenhaften Einwählgeräuschen. Wir leben in einer Welt von Flatrates und Highspeed-Internet. Der Nachfolger der Analog- und ISDN-Technik namens DSL wird teilweise bereits von dessen Nachfolger-Technik verdrängt. Es ist durchaus interessant, in den alten Blättern zu stöbern.

Inzwischen sind zehn Jahre vergangen. Auch wenn sich die Welt stark verändert hat, bin ich der Zeitung treu geblieben. Sie hat mich durch verschiedenste Facetten begleitet – in guten oder weniger guten Abschnitten. Als festes Element in meinem Leben freue ich mich nach wie vor, DIE ZEIT wöchentlich aus meinem Briefkasten zu entnehmen. Es kann eben nur eine Lieblingszeitung geben und ich scheine sie bereits vor langer Zeit gefunden zu haben. Das ich eine besondere Verbindung zu dieser Zeitung haben, fällt jedem Besucher meiner Wohnung auf. Ausgaben der Zeitung verteilen sich an verschiedenen Ecken. Sie ist immer präsent. Denn noch immer kann ich keine Zeitung entsorgen, bevor ich sie nicht zum Großteil konsumiert habe. Von meinem ursprünglichem Ziel, von jeder Ausgabe jeden Artikel zu lesen, habe ich mich jedoch verabschiedet.

Ich freue mich auf die nächsten gemeinsamen zehn Jahre.

Tina hat ihr Examen erfolgreich bestanden. Jetzt geht vielleicht das freie Leben los, welches aber nicht immer leicht wird. Ich bin jedoch überzeugt, du wirst deinen Weg gehen. Und sicher auch in die richtige Richtung.
Weil das Leben nach dem Studium mit einem Auslandsaufenthalt starten soll, gab es eine kleine Abschiedsfeier. Da ich heute Nacht nicht so gut geschlafen habe, war meine Motivation nach dem langen Arbeitstag nicht unermesslich hoch. Natürlich konnte ich mir ein Nichterscheinen nicht leisten. Die Veranstaltung begann mit der Fahrt nach Lobeda und einer langwierigen Parkplatzsuche – ein Traum . Die Feier fand mit und in der WG eines Mitstudenten statt. Die Wohnung war schnell gefunden. Die Begrüßung erfolgte mit einem kleinen Begrüßungstrunk vom Gastgeber. Danach war Tina im Getummel schnell ausgemacht.
Gespräche mit Tina und Kommilitonen folgten. Es war spannend mit den Leuten über ihre Pläne, den Schutz von Tierarten oder auch Projektmanagement im Bereich öffentlichen Organisationen. Eine sehr angenehme Veranstaltung mit Vielen, die ihr Studium gerade hinter sich bekommen haben und zusätzlich einigen Erstsemestern. Die Generation der WG befindet sich nämlich gerade im Umbruch. Die Räumlichkeiten waren gut gefüllt, die Stimmung ausgelassen. Für einige Nachbarn war dies wohl zu viel. Die Sicherheitsmitarbeiter von städtischen Wohnraumanbieter wiesen uns auf eine angemessene Lautstärke hin. Interessanterweise kamen die Beschwerden nicht von unmittelbaren Nachbarn aus dem Haus, sondern von umliegenden Hausbewohnern. Außerdem gab es dafür einen Manuspunkt für das Sammelheft, welchen der Wohnungsanbieter zur Identifizierung von unsozialer Lautstärke von Raudis eingeführt hat. Ab einer bestimmten Anzahl von Manuspunkten muss die Wohnung dann wahrscheinlich kurzzeitig abgegeben werden, ab einer höheren Grenze muss die Bewerbung für eine neue Wohnung bei einem anderen Vermieter her.
Ich musste die Veranstaltung zu früh verlassen, habe es sehr genossen. Aber als verantwortungsvoller Mitarbeiter muss ich auf ausreichend hohe Leistungsfähigkeit am morgigen Arbeitstag achten.

Der gestrige Feierabend wurde dank Tina vorgezogen. Nach einen erfrischendem Salat haben wir uns auf die Horizontale bewegt. Während des Weges auf den Berg machten wir regelmäßig halt, um zurück zu schauen, die Sonne im Tal, die Farbpracht des Grases zu bestaunen. Auf einer nicht unbedingt bequemen Bank konnten wir den Sonnenuntergang bewundern. Sonnenuntergänge sind schön. Das Saaletal versank im Dunst, die Sonne spielte mit Farben. Es war faszinierend.
Die totale Begeisterung wie Tina konnte ich jedoch in der Form noch nicht spüren…

Sehnsüchtig wurde auf den Frühling gewartet. Jetzt scheint dieser langsam, aber sich, auf uns zuzukommen. Während sich die Wanderwege zusehens fülle, sprießen die ersten Frühlingsblümchen. Da auch ich warmes Wasser kaltem mit deutlichem Abstand vorziehe, so bewege ich mich auch bevorzugt bei angenehmen Temperturen außerhalb wohltemparierter Lokalitäten.

Ich habe heute die erste Runde durchs Paradies gedreht. Es war nicht nur ein Traum, sondern auch erstaunlich viel los. Auf Gespräche konnte ich mich aufgrund meiner wohlkontrollierten Atmung während des „Gehens“ nicht einlassen. Auch ein „Hallo“ zu meinen Nachbarn konnte ich nur sehr gequält rausbringen. Dafür war es ja auch Sonntagmorgen um 10 Uhr. Andere sind da noch mit Knopper-Essen beschäftigt.
Der Rest des Tages war eine Wohltat für die Seele: Waschen, Lesen, Kaffee trinken und das Beste zum Schluss: Bügeln.

Der Glühwein und die Saunaaufgüsse des Winters liegen hoffentlich hinter uns . Die typische kalte Cola werde ich dieses Jahr allerdings ablösen. Ob es tatsächlich kalter Tee ist, bleibt abzuwarten. Eistee fällt bereits aufgrund des meist abartigen Zuckergehalts raus.

Tee hat mich nie sonderlich beeindruckt.  Es ist ein Getränk, dass ich meist nur in gesundheitlich schwächeren Phasen zu mir nehmen. Ausnahme ist wohl nur Urlaub in arabischen Ländern, wo Tee den Alkoholkonsum kompensieren muss. Der Alkoholkonsum ist zwar nicht sonderlich hoch, aber auch niedrigen Mengen können ersetzt werden.

Überzeugt hat mich ein Einkauf, der nicht von mir aus ging. Im Einkaufskorb waren zwei abgefahrene innovative Teesorten. Der Geschmack war interessant. Bei einem nächsten Einkauf warf ich einen weitreichenden Blick ins Teeregal einer großen Drogeriekette.

Dort part sich Spanische Orange oder Marokkanische Minze neben Brasilianischer Limette oder Nero. Abgefahren. Die neuen Teesorten des innovativen Teeherstellers aus Düsseldorf haben mich überzeugt.

Das geht so weit, dass ich sogar Verpackungslaschen sammle und hoffentlich bald im Gegenzug zu meinem 1000% gesteigerten Teekonsum einen Teebecher erhalte.

 

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